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Winter 1928/29

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Weltwirtschaftskrise und Aufstieg des Nationalsozialismus 1929 - 1933

Im Winter 1928/29 steigt die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland auf zwei Millionen. Am 24. Oktober 1929 kommt es in der Wallstreet in New York zum Börsenkrach. Die damit beginnende Weltwirtschaftskrise lähmt das gesamte Wirtschaftsleben; überall muss der Staat als Nothelfer eingreifen. Nach Stresemanns Tod am 3. Oktober 1929 verschlechtert sich die Lage Deutschlands im Innern. Die Regierung kann sich 1930 nur noch mit dem Notverordnungsrecht des Reichspräsidenten (Artikel 48 der Verfassung) behaupten. Am 27.3.1930 war die Regierung des Sozialdemokraten Müller wegen Streitigkeiten über die Finanzierung des Staatshaushalts zurückgetreten. Diesen Anlass benutzte Hindenburg, einen neuen Kurs einzuschlagen. Die Monarchisten, die Inhaber der Staatsgewalt bis Oktober 1918, sollten unter Einsatz der präsidialen Vollmachten wieder an die Macht gelangen. Hindenburg und die DNVP hatten vereinbart, sich nach dem Rücktritt Müllers nicht mehr zu bemühen, eine von einer parlamentarischen Mehrheit getragene Regierung zu bilden. Nach Artikel 53 der Verfassung war es dem Reichspräsidenten möglich, einen Reichskanzler seiner Wahl zu ernennen, der dann eine Minderheitsregierung bilden konnte. Das Parlament musste dem Amtsantritt eines Reichskanzlers nicht zustimmen. Falls der Reichstag den Gesetzesvorlagen nicht zustimmte, konnte der Reichspräsident nach Artikel 48 Gesetze in Form von Verordnungen erlassen. Allerdings konnte das Parlament durch seinen Einspruch diese Notverordnungen wieder aufheben. In einem solchen Fall war es jedoch dem Reichspräsidenten nach Artikel 25 möglich, den Reichstag aufzulösen. Bis zum Antritt eines neuen Reichstag konnten ungefähr drei Monate vergehen. Während dieser konnten die präsidialen Maßnahmen nicht aufgehoben werden - weil es eben keinen Reichstag gab.

Die Kanzlerschaft Brünings und Wiederwahl Hindenburgs.

Am 1. April 1930 wird der Zentrumsabgeordnete Brüning Reichskanzler; schon bei seiner Ernennung hatte er die Auflösung des Reichstags angekündigt falls seine Gesetzesvorlagen keine Mehrheit finden sollten. Dieser Fall trat am 16. Juli ein - der Reichstag wurde aufgelöst. Nach der Reichstagsauflösung ziehen die Nationalsozialisten (NSDAP) mit einem Stimmenanteil von 18,3 Prozent in die Volksvertretung ein (1928: 2,6 Prozent). Die Deutsche Demoratische Partei (DDP) erleidet starke Verluste. Zentrum und Sozialdemokraten behaupten sich. Die Wirtschaftskrise in Industrie und Landwirtschaft macht 6 bis 7 Millionen Menschen arbeitslos. Als die ausländischen Kredite zurückgezogen werden, brechen Darmstädter und Nationalbank zusammen. Die Regierung sieht sich gezwungen, vorübergehend alle Banken zu schließen. Brüning sieht sich zu Steuererhöhung, Gehaltskürzung, Herabsetzung der Arbeitslosenunterstützung und der Verminderung der öffentlichen Ausgaben gezwungen. 1932 muss der Reichspräsident neu gewählt werden. Der 84jährige Hindenburg erhält, dieses Mal als Kandidat der gemäßigt republikanischen Parteien, im zweiten Wahlgang (10. April) die Mehrheit, und zwar 19,4 Millionen = 53 Prozent der Stimmen. Seine Gegner Hitler und der Kommunist Thälmann erhalten 13,5 Millionen = 36,8 bzw. 3,7 Millionen = 10,2 Prozent der Stimmen. Der Plan der 'Monarchisten', von den 'Demokraten' wieder die Staatsgewalt zu übernehmen, wurde von den Nationalsozialisten vereitelt. Die Nationalsozialisten wollten keine Verfassungsreform - sie wollten eine Diktatur.

Die Kanzlerschaft von Papens und die Ernennung Hitlers.

Am 30. Mai 1932 wird Brüning durch den Reichspräsidenten gestürzt. Hindenburg ist von ostpreußischen Grundbesitzern beeinflusst, die Brüning anfeinden, weil er nicht die geforderte Reichsunterstützung für die Entschuldung des ostelbischen Großgrundbesitzes zur Verfügung stellt. Unter Brünings Nachfolger von Papen und dem General von Schleicher setzt sich das politische Chaos fort. Von Papen ist Katholik. Er neigt zur politischen Rechten; er glaubt, die Nationalsozialisten zur Mitarbeit gewinnen zu können. Das "Kabinett der Barone" bringt trotz zweimaliger Auflösung des Reichstags niemals eine Mehrheit hinter sich. Die Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932 bringen der NSDAP 230 Sitze (13,7 Millionen Stimmen). Erneute Auflösung des Reichstags. Neuwahlen im November zeigen, dass 90 Prozent der Nation die Regierung Papen ablehnen. Die Stimmen für die Nationalsozialisten gehen auf 11,7 Millionen zurück. Die KPD wächst auf sechs Millionen. Außenpolitisch kann Papen gewisse Erfolge verzeichnen: Im Juni 1932 wird unter dem Druck der Weltwirtschaftskrise die Beendigung der Reparationszahlungen beschlossen. Im Dezember 1932 wird der Anspruch Deutschlands auf Gleichberechtigung in der Rüstung anerkannt. Da von Papen von allen Seiten abgelehnt wird, muss ihn Hindenburg - widerwillig - entlassen. Nachfolger wird Reichswehrminister von Schleicher. Der abgesetzte Papen führt über Kreise der Schwerindustrie und der Finanz (Bankier Schröder) eine Annäherung zwischen den Deutschnationalen (Hugenberg) und den Nationalsozialisten (Hitler) herbei. Ende 1933 setzt er bei Hindenburg die Entlassung Schleichers durch. Am 30. Januar 1933 beruft Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler.

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