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Oh, Amerika

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Die USA sind faktisch pleite

Fredmund Malik, Professor an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Sankt Gallen, sagt: "Das viel bestaunte US-Wirtschaftswunder der 90er-Jahre hat nie stattgefunden - es war ein Medienereignis, sonst nichts." Außer auf falschen Zahlen ruhte die viel bestaunte US-Ökonomie laut Malik vor allem auf einem gigantischen Schuldenberg. Für jeden Dollar, der das Sozialprodukt erhöhte, "wurden drei Dollar Kredit aufgenommen."

Auf der Volkswirtschaft - öffentliche Hand, Unternehmen und Privathaushalte - lastet ein Schuldenberg in Höhe von 30.000 Milliarden Dollar. Das ist praktisch dreimal so viel wie das Bruttoinlandsprodukt und kostet rund 2.000 Milliarden an Zinsen im Jahr. Wie ernst die Situation ist, läßt sich daran erkennen, daß die Summe aller in der US-Wirtschaft aufgenommen Kredite in den letzten Jahren ungefähr genau so hoch war. Die USA sind also faktisch pleite. Ein Unternehmen müßte jedenfalls Insolvenz beantragen, wenn seine Schulden so hoch sind wie der Jahresumsatz. Die Zinslast der Schulden bremst alles aus.

Amerika lebt von uns

Sie leihen den Amerikanern ihre Ersparnisse. Wußten sie das? Die USA ist von ihnen abhängig wie kein anderes Land. Die Amerikaner geben seit zwanzig Jahren mehr Geld aus, als sie erwirtschaften. Leistungsbilanzdefizit nennt man die so entstehende Lücke. Vor zwei Jahren war sie 450 Milliarden Dollar groß, für die nächsten Jahre wird ein Anstieg auf >600 Milliarden erwartet. Amerika lebt also auf pump und das erst recht, seit George W. Bush Präsident ist. Bush senkte gleich bei Amtsantritt die Steuern. Sein Haushalt sieht noch einmal zwei Billionen Dollar extra für die kommenden zehn Jahre vor, denn er plant weitere Steuersenkungen und er muß die Militärausgaben bewältigen. Um das zu finanzieren, macht er Schulden.
Wir und die restliche Welt gewähren den Amerikanern munter weitere Kredite. Anleger erwarten in Amerika eine bessere Rendite als anderswo. Sie investieren in amerikanische Aktien, Staats- und Unternehmensanleihen, weil sie an die Innovationskraft, Flexibilität und Stärke der US-Wirtschaft glauben.
Was, wenn Anleger sich - wie schon einmal - irren? Zur Amtszeit des Präsidenten Ronald Reagan (80 bis 88) gaben amerikanische Verbraucher und Unternehmen schon mehr aus, als sie einnahmen. Auch damals rüstete ihr Präsident auf, senkte die Steuern und machte Schulden bis die Kapitalanleger den Eindruck bekamen, Amerika sei womöglich doch nicht der profitabelste Ort der Welt. Dollar und Börsenkurse brachen ein.
Kann sich diese Geschichte wiederholen? Ist der US-Kapitalismus in Gefahr? Leistungsbilanzdefizite lassen nur einen bestimmten Grenzwert zu. Wird dieser überschritten, droht das, was Ökonomen Anpassung nennen, etwa ein Einbruch des Dollars. Was folgt ist eine Wirtschaftskrise, auch bei uns.

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