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Beamtengehälter erhöhen sich automatisch

Wer in Deutschland den Status eines Beamten genießt, muss sich um seine berufliche Zukunft keine allzu großen Sorgen machen (Von Arne Delfs)

Beamte sind praktisch unkündbar, zahlen weder Arbeitslosen- noch Rentenbeiträge und haben dennoch später Anspruch auf eine üppige Altersversorgung. Außerdem genießen unsere Staatsdiener eine Fülle von Zulagen: Sind Beamte verheiratet und haben auch noch Kinder, kassieren sie zum Beispiel eine so genannte Familienzulage. Zudem garantiert der Staat seinen Dienern ein 13. Monatsgehalt.

Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln waren im Jahr 2000 mehr als 3,3 Millionen Menschen im öffentlichen Dienst beschäftigt, das sind 15 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland. Davon waren mehr als 1,5 Millionen Beamte und Richter, rund 1,3 Millionen Angestellte und knapp 447 000 Arbeiter. Die überwiegende Mehrheit der öffentlich Bediensteten ist durch die Bundesländer angestellt.

Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst genießen zum Teil Privilegien, von denen Angestellte in der freien Wirtschaft nur träumen können: Nach der Verbeamtung auf Lebenszeit sind Beamte unkündbar. Ebenso genießen auch Angestellte und Arbeiter des öffentlichen Dienstes weit gehende Arbeitsplatzsicherheit. Beamte erhalten auch nicht das übliche Kindergeld, sondern bei ihnen steigt mit der Kinderzahl die Stufe des Familienzuschlages. Gezahlt wird dieses Zusatzkindergeld 13 Mal im Jahr und nicht, wie sonst üblich, zwölf Mal. Selbstverständlich ist auch, dass sich das Gehalt der Staatsdiener bis zum Erreichen des so genannten "Endgrundgehalts" automatisch erhöht.

Eine weitere Skurrilität: Beamte erhalten ihr Gehalt vor getaner Arbeit und nicht - wie der Rest der Welt - am Monatsende. Auch im Alter belohnt der Staat seine ehemaligen Diener großzügig: Die Pension wird 13 Mal pro Jahr gezahlt und zwar in einer Höhe, von der andere nur träumen können. Während sich die normalen Renten am Durchschnittseinkommen orientieren, wird bei der Beamtenpension das letzte - und damit meist das höchste - Einkommen zu Grunde gelegt. Beamte erhalten 75 Prozent ihrer letzten Dienstbezüge, müssen diese allerdings bis auf einen Versorgungsfreibetrag versteuern.

Auch bei der Krankenversorgung erhalten Beamte zahlreiche Zusatzleistungen, die Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung nur über eine private Zusatzversicherung erreichen könnten. Und selbst im Moment seines Ablebens erfährt der verdiente Staatsdiener noch eine bevorzugte Behandlung: Die Angehörigen eines Beamten erhalten ein Sterbegeld in der zweifachen Höhe der letzten monatlichen Dienstbezüge. Normalsterbliche müssen sich mit 1050 Euro aus der gesetzlichen Krankenversicherung begnügen.

Kein Wunder also, dass der Bund der Steuerzahler angesichts der Haushaltsmisere in der anstehenden Tarifrunde des öffentlichen Dienstes eine Nullrunde fordert. Bei Personalausgabenquoten von rund 40 Prozent in den Länderhaushalten bedeute die Forderung von 3,5 Prozent "den Todesstoß für die öffentlichen Finanzen", sagte der Präsident des Steuerzahlerbunds, Karl Heinz Däke, der WELT. Nach Angaben des Steuerzahlerbunds würde die Forderung von Verdi und des Beamtenbunds Zusatzkosten von über 4,5 Milliarden Euro verursachen. Angesichts "bombensicherer Arbeitsplätze" müsse den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes ein Gehaltsverzicht "im Interesse des Gemeinwohls" leicht fallen, so Däke.

Doch gerade in Deutschland kann das Beamtentum auf eine lange Tradition zurückblicken und genoss hier schon immer einen Sonderstatus. "Der Beamte ist mehr als Lohnempfänger. Jeder, auch der kleinste, ist Träger der Staatsautorität an seinem Teile", heißt es in einer Schrift des Deutschen Beamtenbunds aus den zwanziger Jahren. Dieser Satz scheint auch heute noch zu gelten.

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