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Berufsunfähigkeit

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Rente bei Berufsunfähigkeit: Kaum eine Versicherung zahlt prompt und problemlos!

"Menne" hatte alles richtig gemacht. Neben einer Lebensversicherung hatte "Menne" auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. Sollte er ernsthaft krank werden, so dachte er, würden er und seine Familie abgesichert sein. Falsch gedacht: Kurz nach seinem 50. Geburtstag traf ihn ein schwerer Herzinfarkt. Sowohl die Ärzte der Uniklinik als auch der Rehaklinik bescheinigten ihm wegen des schweren Herzschadens eine hochgradige Berufsunfähigkeit. Seine Versicherung kümmerte das allerdings wenig. Sie forderte immer neuere Gutachten, zweifelte diese an und zahlte zunächst nicht.

"Kein Einzelfall, sondern leider ein ganz normales Vorgehen", so die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Kaum eine Versicherung zahle prompt und problemlos. Fast alle versuchten sich stattdessen um die Rentenzahlungen zu drücken. Nach den Erfahrungen der Verbraucherschützer gehen die Versicherungen hierbei nach einem abgestuften Verfahren vor.

Der erste Schritt: Verzögerung. Durch scheibchenweises Anfordern der notwendigen Unterlagen - etwa Belege oder Gutachten - wird das Verfahren in die Länge gezogen. Nicht selten dauert es zwei Jahre, bis überhaupt über die Zahlung der Rente entschieden wird. Solange bleiben die Kunden ohne Rente.

Der zweite Schritt: Anzweifeln der Berufsunfähigkeit. Häufig werden die medizinischen Gutachten angezweifelt. Beispielsweise, wenn sie von einem Arzt stammen, bei dem der Versicherte schon früher in Behandlung war. Dann wird Befangenheit unterstellt. Oft argumentiert die Versicherung auch, die Berufsunfähigkeit sei nur von begrenzter Dauer, da sich der Gesundheitszustand ja bessern könne. Für die Erkrankten heißt das immer neue Gutachten und kein Geld.

Der dritte Schritt: Verweisung auf eine andere Tätigkeit. Läßt sich der medizinische Befund nicht mehr abstreiten, nutzen viele Versicherer die so genannte Verweisungsklausel . Dies bedeutet: Wer seinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben kann, wird auf eine andere vergleichbare Tätigkeit verwiesen. Auch dann gibt's keine Rente.

Der vierte Schritt: Vorwurf der arglistigen Täuschung. Läßt sich die Berufsunfähigkeit nicht leugnen und ist keine Verweisung möglich, versuchen Gesellschaften dem Erkrankten im Nach-hinein eine arglistige Täuschung bei Antragstellung nachzuweisen. Damit würde der Vertrag rückwirkend nichtig, der Versicherungsschutz entfallen und ebenso der Anspruch auf die Berufs-unfähigkeitsrente. So muß jeder Berufsunfähige damit rechnen, daß die Versicherung so lange in alten Arztunterlagen gräbt, bis sie eine Vorerkrankung aufstöbert, die der Kunde möglicher-weise bei Antragstellung verschwiegen hat.

Rund 13 Millionen Deutsche haben eine private Berufsunfähigkeits- oder Invaliditätszusatz-versicherung. Im vergangenen Jahr zahlten sie dafür rund fünf Milliarden Mark an Prämien. Ausgezahlt wurden aber allenfalls Renten von rund zwei Milliarden Mark. In kaum einem Versicherungszweig ist das Mißverhältnis von Beiträgen und Leistung so augenfällig wie bei der Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Überschüsse dienen als Reserven zur Abdeckung des erheblichen und lange laufenden Risikos.

Bereits heute wird jeder vierte Arbeitnehmer berufs- oder erwerbsunfähig, im Schnitt mit 52 Jahren. Der gesetzliche Invaliditätsschutz, ohnehin noch nie besonders üppig, ist in diesem Jahr kräftig zusammengestrichen worden. Breite Schichten sind nun auf private Berufsunfähigkeits-versicherungen angewiesen. Ob diese Privatisierung des Invaliditätsrisikos aber wirklich funktioniert, hängt nach Meinung unabhängiger Experten vor allem davon ab, ob sich die Assekuranz auch weiterhin mit allerlei Hintertürchen und Tricks um die Zahlungspflicht drücken kann.

Mit anderen Worten: Werden die für den Normalkunden undurchschaubaren Versicherungs-bedingungen endlich auf breiter Front so umgestaltet, daß die Versicherungen nicht nur viel versprechen, sondern im Ernstfall auch wirklich zahlen? Und: Wie kann ein Kunde schon heute erkennen, welche Versicherung ihn später fair behandeln wird?

Drei Beispiele:
1. Eine kundenfreundliche Versicherung verzichtet generell auf die Verweisungsklausel. Wer dann in seinem ausgeübten Beruf nicht mehr arbeiten kann, bekommt die vereinbarte Rente. Die Versicherung kann ihn nicht etwa auf den Job eines Verkäufers im Baumarkt verweisen und die Rente verweigern.
2. Nach 6 Monaten Arbeitsunfähigkeit sollte die Versicherung automatisch die Berufsunfähigkeit anerkennen. Mit solch klarem Kriterium entgehen Erkrankte einem langwierigen Gutachterstreit und können einen problemlosen Nachweis führen.
3. Fahrlässige Verstöße sollten nicht zum Ausschluß des Versicherungsschutzes führen. Sonst würde schon ein Straßenverkehrsunfall wegen eines mißachteten Rotlichts bereits zur Verweigerung der Rente führen.

"Menne" erkämpfte sich in einem sieben Jahre dauernden Rechtsstreit und drei Gerichts-verfahren seine regelmäßige Rente.

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