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Gesundheitswesen

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Das deutsche Gesundheitswesen ist krank, Reformversuche meist Flickwerk, Gesundheitsminister sind ratlos, oft unfähig. Kostendämpfung ist angesagt, Kostenexplosion die Realität, die Leistungsbilanz des deutschen Gesundheitswesens ist allenfalls mittelmäßig. Die Zeche zahlt der Patient: Beiträge und Zuzahlungen steigen, die Leistungen sinken.

Günter Ederer legt den Finger wie so oft in die Wunde. Bei seiner Reise durch deutsche Wartezimmer, Kliniken und Krankenkassen (Paläste, die Unsummen an Beitragsgeldern gekostet haben) legt er die Absurdität der gegenwärtigen Situation offen ... Der Patient geht in die Praxis und wird behandelt. Er erfährt zwar, was alles mit ihm passiert, nicht aber, warum es passiert - vor allem nicht, was es kostet. Der Arzt empfängt den Kranken, muß aber eine ganze Latte von Vorschriften beachten, damit seine Leistungen bezahlt werden. Und er wird erfinderisch, gleich mehrfach läßt er seinen Patienten antreten, auch Laboruntersuchungen bringen immer gutes Geld ... Die Kassen wälzen die steigenden Kosten auf die Versicherten ab - ein nicht endender Teufelskreis.

Dieses System habe weite Teile unseres Gesundheitswesens kriminalisiert - so die provokante These des bekannten Wirtschaftsjournalisten. Die Zahl der wegen Unregelmäßigkeiten angeklagten Ärzte geht auf die 10.000 zu. Ederer sieht aus dem Dilemma nur einen Ausweg: Wettbewerb und Transparenz müssen auch im Gesundheitswesen gelten. Am Beispiel eines Schweizer Modells zeigt er, wie es anders geht ... Ärzte erhalten Fallpauschalen. Je schneller sie ihre Patienten mit vernünftigem Aufwand heilen, desto höher der Gewinn. In Deutschland spricht von diesen erfolgversprechenden Ansätzen kaum einer ...

Bei einem Besuch in einer Arztpraxis in Frankreich sollte es Ederer eigentlich die Sprache verschlagen haben ... Der Arzt behandelt seinen Patienten und nennt anschließend sein Honorar. Am Abend kann der Arzt immer sagen, wieviel er am Tag verdient hat und es zur Bank tragen. Vorschriften: ein daumendicker Ordner mit vieleicht 25 DIN A4 Seiten. Der Patient in Frankreich bekommt seine Auslagen innerhalb weniger Tage von der Krankenkasse rückerstattet ... Was ein Hausarzt in Deutschland verdient, kann er weder nach einem Vierteljahr noch am Jahresende genau sagen. Vorschriften: Unmöglich die Zahl genau zu benennen. Was eine Behandlung durch den Arzt in Deutschland kostet erfährt ein Kassenpatient niemals. Das Kartell läßt sich nicht in die Karten schauen. Niemand soll wissen, wo das Geld der Beitragszahler versickert.

Bei einer Gesundheitsreform sollte zentraler Ansatzpunkt die Krankenkassen sein. Denen muß gestattet werden, ihre Budgets selbst zu verwalten. Noch sind sie in planwirtschaftlichen Verordnungen wie dem "Risikostrukturausgleich" gefangen. Bürokratismen also: Kassen, die gut wirtschaften, müssen andere, denen das nicht gelingt, unterstützen. Den Krankenkassen sollte erlaubt werden, mit Ärzten, und anderen Leistungsanbietern frei über Preise und Honorare zu verhandeln. Noch wird die GKV durch die "Kassenärztlichen Vereinigungen" (sollten aufgelöst werden) geknebelt. Die Leistung dieser Standesorganisation besteht darin, vor den Kassen und ihren Mitgliedern die Behandlungskosten des einzelnen Patienten zu verschleiern. Kassen müssen erfahren, welcher Arzt welche Leistungen erbracht hat. Versicherte müssen wissen, was die Behandlung gekostet hat. Wie lange noch, soll es die kostenlose Mitversicherung von Familienmitgliedern geben. Soll eine kinderlose Ehefrau, die sich um vermietete Immobilien oder ähnliche Einnahmequellen kümmert, ihren Krankenversicherungsschutz weiterhin gratis von der Kasse des Ehemanns bekommen? Raucher, Alkoholiker, Motorrad- und Cabriofahrer, Gleitschirmflieger und Piloten sowie Sportler sollten Risikozuschläge zahlen.

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