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Dualismus


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Das Beschäftigungsproblem

In 50 Jahren werden zwischen 9 und 12 Milliarden Menschen auf diesem Planeten leben bei gleichzeitig immer weniger Jobs. In absehbarer Zeit werden 2 Prozent der Bevölkerung genügen, um alle nötigen Güter zu produzieren und 2 % für die Dienstleistungen. So wie schon jetzt 2 % für die Landwirtschaft ausreichen. Bleiben 94 Prozent Arbeitslose, denkt nun jeder ... Nein, man muss nur die vorhandenen Einnahmen besser verteilen und die Arbeitszeit verkürzen, meint Jeremy Rifkin [ 1 ]. Innerhalb von 5 Jahren wird die 35-Stunden-Woche in der ganzen EU eingeführt sein, danach sind die USA dran ... In den folgenden Jahren wird die Wochenarbeitszeit von 35 auf 30, 25 und 20 Stunden reduziert. Zwischen 1880 und 1950 sank die Wochenarbeitszeit von 70 auf 40 Stunden bei steigenden Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen.

Wenn der normale Lohnempfänger vier Stunden täglich arbeitet, hätte jederman genug zum Leben und es gäbe keine Arbeitslosigkeit. (Bertrand Russell, englischer Mathematiker und Philosoph)

1994 waren weltweit mehr als 800 Millionen Menschen unterbeschäftigt oder arbeitslos, heute sind es eine Milliarde. Millionen Arbeitsplätze sind einer technologischen Revolution zum Opfer gefallen. In fast allen Wirtschaftszweigen sind Maschinen an die Stelle der menschlichen Arbeitskraft getreten.

Die Auswirkungen der Dritten Industriellen Revolution , die ihren Anfang gleich nach dem Zweiten Weltkrieg nahm, bekommen wir heute zu spüren. Roboter und Computer übernehmen nun auch das Denken für den Menschen. Computerprogramme übernehmen Planungs-, Steuerungs- und Verwaltungsaufgaben, sie können Produktionsabläufe von der Gewinnung der Rohstoffe bis hin zur Vermarktung und Verteilung der Endprodukte und Dienstleistungen überwachen. Wurde in den ersten beiden Industriellen Revolutionen die Muskelkraft durch Maschinen ersetzt, so verdrängen Computerprogramme heute den menschlichen Verstand.

Gingen in der Vergangenheit in einem Wirtschaftssektor durch eine technologische Revolution Arbeitsplätze verloren, entstand ein neuer Sektor, der die überschüssigen Arbeitskräfte aufnahm. Die durch die Mechanisierung der Landwirtschaft arbeitslos gewordenen Menschen fanden Tätigkeitsbereiche in der aufblühenden Industrie. Die durch die Automatisierung in der Industrie arbeitslos gewordenen Menschen wanderten in den Dienstleistungsbereich. Jetzt ist auch dieser Sektor durch Automatisierung und Umstrukturierung bedroht. Es gibt keinen Bereich mehr, der die Abermillionen Arbeitslosen aufnehmen könnte. Arbeit wird in der Zukunft in den Händen einiger weniger liegen. Im Jahre 2050 wird es keine Arbeiter mehr geben.

In den letzten vier Jahrzehnten fanden Menschen, die von der Industrie wegrationalisiert wurden, einen Arbeitsplatz im Dienstleistungssektor (Niederlande). Doch auch der riesige Dienstleistungssektor steht zu großen Teilen kurz vor einer ähnlich dramatischen Umwälzung, wie sie die Industrie bereits hinter sich gelassen hat.
Immer mehr Kundenanrufe werden von einem Voice-Mail-System erledigt. Einige Firmen lassen schon jetzt nur noch Computer sprechen. Der Zahlungsverkehr mit Kunden- und Kreditkarten wird immer selbstverständlicher. Vieles kann über Homebanking erledigt werden, was wiederum menschliche Arbeitskraft einspart.

Die Welt wird im zunehmenden Maße von Dualismus - hier die Gewinner, da die Verlierer - beherrscht werden. Die Gewinner werden die sein, die sich in der High-Tech-Welt etablieren, eine verschwindend kleine Gruppe von Monopolkapitalisten und Symbolanalytiker (hochqualifizierte Wissensarbeiter), eine neue Aristokratie. Die neue Elite der Symbolanalytiker wird zu einer neuen Herrschaftsklasse werden, einer, die an keinen bestimmten Ort, an keinen Arbeitsplatz gebunden, sich zu Mitgliedern eines Stammes von High-Tech-Nomaden entwickelt. Kosmopoliten, die mehr mit ihresgleichen zu tun haben als mit ihren Landsleuten. Ihr Wissen und ihre Dienste lassen sich überall auf der Welt verkaufen. Rifkin schätzt, dass diese neue Gruppe von High-Tech-Internationalisten im Jahre 2020 60% des gesamten US-amerikanischen Einkommens auf sich vereinigen wird. Gleichzeitig jedoch werden sie sich sämtlichen Bürgerpflichten zu entziehen suchen und ihr Geld nicht mit dem Rest des Landes teilen wollen.

Die "Verlierer" werden mit Streß, niedrigen Gehältern, zunehmende soziale Kälte und Rücksichts-losigkeit am Arbeitsplatz leben müssen. Für viele wird die schöne neue Welt das gänzliche Aus bedeuten.

[ 1 ] Der Gesellschaftskritiker Jeremy Rifkin berät Konzernchefs und Politiker in aller Welt. Seine Antwort auf das Beschäftigungsproblem: Ende der staatlichen Jobvermittlung und radikal kürzere Arbeitszeiten.

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