www.tadema.de
Glossar

[ rt ]

[]

Attac: Die Organisation wurde 1998 in Frankreich gegründet. Sie ging aus einer Initiative hervor, welche die Besteuerung internationaler Finanztransaktionen forderte. Sie greift damit eine Idee des amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers James Tobin auf, der vorgeschlagen hatte, alle internationalen Finanztransfers mit einer Umsatzsteuer zu belegen. Weiterlesen.

ERT: European Round Table of Industrialists. Der ERT wurde 1983 gegründet. Er besteht aus 45 Mitgliedern, alles "Kapitäne der Industrie" der größten europäischen Konzerne: u.a. Investor AB, Bayer, British Petroleum, Daimler Chrysler, Ericsson, Fiat, Nestlé, Nokia, Petrofina, Philips, Renault, Shell, Siemens, Solvay, Total und Unilever. Der ERT hat ungehinderten Zugang zur Europäischen Kommission (EK), u.a. gibt es sogar eine enge Zusammenarbeit zwischen der EK und dem ERT. Der ERT hat nicht nur den europäischen Einigungsprozess seit Mitte der achtziger Jahre vorangetrieben, sondern auch die Richtung dieses Prozesses massgeblich bestimmt. Er hat sich von Anfang an für den Abbau nationaler Vetorechte eingesetzt und auf Deregulierung, und Liberalisierung gedrängt, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Konzerne zu fördern. ... Der Maastricht Vertrag trägt die Spuren des ERT. Die Kriterien für die Währungsunion gehen auf den ERT zurück. Der ERT trug schon vor 15 Jahren die Notwendigkeit der Osterweiterung der EU vor und legte die Strukturanpassungskriterien für die Kandidaten der Zentral und Osteuropäischen Länder fest, - nach dem Vorbild des IWF. Konkreter noch: Selbst die Grundlagen für die europäische Einigung sind zuerst vom ERT vorgeschlagen worden.

Die Menschen sind der Meinung, die Politik der EU wird von den Regierungen der Mitgliedsländer oder dem Europäischen Parlament gemacht. Man kann eher davon ausgehen, dass die Politik in der EU von der EU-Kommission, einem nicht gewählten Gremium, oder gar von einzelnen der dort sitzenden Kommissare gemacht wird.

Die Amsterdamer Gruppe CEO (Corporate Europe Observatory) beobachtet seit Jahren die Art und Weise, wie die politischen Entscheidungen der EU-Kommission tatsächlich zustande kommen und welche Rolle die Lobbyverbände der großen europäischen Konzerne bei diesem Prozess spielen. In ihrem Buch "EUROPE INC" (Firma Europa) beschreiben Belen Balanya, Ann Doherty, Olivier Hoedeman, Adam Ma'anit und Erik Wesselius in hervorragenden Analysen den Einfluß dieser Industrielobbies auf den ganzen Prozeß der europäischen Einigung und auf die wesentlichen makroökonomischen und gesellschaftlichen Entscheidungen in Europa.

G7/G8: Die G7-Gruppe besteht aus den sieben Industrieländern Vereinigte Staaten, Kanada, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan. Die Gruppe hat wegen ihrer wirtschaftlichen Stärke maßgeblichen Einfluß in den Gremien von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF). Ihre Finanzminister und Notenbankchefs tagen vor Beginn der Konferenzen von IWF und Weltbank. Hier tauschen sie ihre Meinungen über die Wirtschafts- und Währungsentwicklung aus und bereiten die IWF-Jahrestagung vor. Unabhängig von IWF und Weltbank treffen sich zudem alljährlich die Staats- und Regierungschefs der G7, wobei sich die G7-Länder als Gastgeber abwechseln. Die Tagungen werden Weltwirtschaftsgipfel genannt. Mittelpunkt der Konferenzen ist die Erörterung der globalen Wirtschafts- und Währungsfragen. Darüber hinaus werden zunehmend auch wirtschaftlich relevante Sonderprobleme und politische Themen behandelt. Auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Birmingham 1998 nahm Rußland erstmals als Vollmitglied teil: Aus der Group of Seven (G7) wird die Group of Eight (G8). Schon 1994 war der russische Präsident beim politischen Teil der Gespräche dabei.

G15: In dieser Gruppe haben sich Entwicklungsländer zusammengeschlossen. Sie wurde 1989 in Belgrad gegründet, um eine bessere Einbindung in den Welthandel durchzusetzen. In den Staaten dieser Gruppe lebt ein Drittel der Weltbevölkerung, sie sind aber nur zu 10 Prozent am Welthandel beteiligt. Mitglieder: Ägypten, Algerien, Argentinien, Brasilien, Chile, Indien, Indonesien, Jamaika, Malaysia, Mexiko, Nigeria, Peru, Senegal, Venezuela, Simbabwe, sowie Kenia (seit 1997) und Sri Lanka (seit 1998)

G20: Dieses im September 1999 gegründete Gremium befaßt sich mit der Verhinderung von Finanzkrisen. Neben den G8 sind die elf für die Weltwirtschaft wichtigsten Schwellenländer (Argentinien, Australien, Brasilien, China, Indien, Mexiko, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea und Türkei) ordentliche Mitglieder dieser Gruppe. Hinzu kommen ein Vertreter der Europäischen Union sowie ein gemeinsamer Repräsentant von IWF und Weltbank.

GATT: Auf der Handelskonferenz in Genf am 30. Oktober 1947 von 23 Staaten abgeschlossenes allgemeines Zoll- und Handelsabkommen (General Agreement on Tariffs and Trade - GATT). Das Abkommen sollte den multilateralen, d. h. mehr als zwei Parteien betreffenden Handel fördern und internationale Handelsstreitigkeiten schlichten. Das Abkommen wurde zu einer autonomen internationalen Organisation aufgewertet und zählt zu den Sonderorganisationen der UN.

GATS: So heißt das Abkommen der WTO über den grenzüberschreitenden Austausch von Dienstleistungen, das seit 1995 in Kraft ist. Sein Ziel ist die fortschreitende Öffnung aller Service-Sektoren auch für ausländische Anbieter. Das gilt für Verkehrs-, Bildungs- und Gesundheitswesen ebenso wie für Finanzwirtschaft, Stromversorgung oder Rundfunk. GATS ist ein Resultat des WTO-Vorläufers GATT (General Agreement on Tariffs and Trade). Seine Mitglieder haben die Absicht, ihre Dienstleistungswirtschaft zu liberalisieren.

» Mit dem GATS zum globalen Markt von Thomas Fritz und Andreas Wulf

Wenn Dienstleistungen unter die Kontrolle der WTO geraten, dann bedeutet das Billionen Dollar kommerzieller Transaktionen, denn fast jede menschliche Tätigkeit kann als Dienstleistung angesehen werden. Angefangen bei Verkauf, Bau, Architektur, Dekoration, Putz- und Ordnungsdienste, Ingenieurdienste, Finanz- und Bankdienste, Verwaltung, Verkehr, Post, Telekommunikation, Müllentsorgung, Wasserversorgung, Energieversorgung, Kultur, Bildung und Gesundheitsversorgung, um nur einige Dienstleistungsbereiche zu benennen. Worüber im Rahmen von GATS zur Zeit insbesondere verhandelt wird, ist a) der Gesundheitssektor und b) der Bildungssektor. Es geht um die volle Liberalisierung und das heißt Privatisierung dieser Sektoren. Amerikanische Gesundheitskonzerne stehen schon in den Startlöchern, um in das europäische Gesundheitsgeschäft einzusteigen. Es winken saftige Gewinne. Die europäische Bevölkerung ist überaltet. Die Kosten für Krankenhäuser, medizinische Versorgung und Medikamente explodieren. ... Die amerikanische Handelsministerin Charlene Barshefsky kämpft dafür, dass die Europäer den Gesundheitssektor für Privatisierungen öffnen, mehr Wettbewerb zulassen und die Anwendung der WTO-Klauseln über "Inländerbehandlung" akzeptieren. Ausländische Firmen können dann in den Gesundheitssektor einsteigen. Was die Folgen der Liberalisierung und Privatisierung des Gesundheitswesens, von Krankenhäusern, Pflege- und Betreuungsdiensten, von Verwaltung und öffentlichem Beschaffungswesen - denn das soll ja auch liberalisiert werden - sein können, ist den meisten Menschen, ja nicht einmal den Politikern heute klar, die dieser Liberalisierung und Privatisierung nach den Vorgaben des GATS, der WTO und der EU-Kommission zustimmen.
Wer geglaubt hat, der neoliberale Angriff auf kommunale Dienstleistungsbetriebe, Selbstverwaltung und die lokale Daseinsfürsorge würde unter sozialdemokratischen Regierungen in Europa gestoppt, der irrt. Besonders in England unter Tony Blairs "New Labour" und in Deutschland unter Gerhard Schröders SPD ist die Liberalisierung und Privatisierung des kommunalen Dienstleistungssektors schneller vorangeschritten als vorher. George Monbiot weist in seinem neuen Buch "Captive State" für England nach, wie der Einfluss der großen Konzerne auf die Regierungspolitik unter Tony Blair zugenommen hat. Durch die Private Finance Initiative der Regierung wurden im Gesundheitsbereich private Gesundheitstrusts gegründet, deren Ziel es ist, den Gesundheitssektor nach Profitgesichtspunkten umzustrukturieren. Der Erfolg: In Coventry z.B. wurde die Zahl der Krankenhäuser von fünf auf zwei, die Zahl der Betten um 20% reduziert, was einen entsprechenden Abbau von Arbeitsplätzen nach sich zog.
Skandalös an dieser Privatisierungspolitik in England - so Monbiot - ist jedoch, dass diese Privatisierungen die Steuerzahler 36 Millionen Pfund im Jahr kosten, und zwar über Jahrzehnte hinaus, weil die Verträge mit den Investoren Laufzeiten zwischen 30 und 60 Jahren haben. In Edinburgh bekommen vier Investoren im Gesundheitsbereich 990 Millionen Pfund aus dem öffentlichen Haushalt für ein Projekt, das sonst nur 180 Millionen gekostet hätte. Über ähnliche Geschäfte berichtet Monbiot in den Bereichen Straßenbau, Stadtentwicklung, den Bau der Skye-Brücke in Schottland und vor allem der großen Warenhausketten. An diesen Fällen wird klar, dass die sozialdemokratische Regierung Englands die Steuergelder benutzt, um die Profite großer Privatfirmen zu subventionieren (Monbiot, 2000).
Aus dem Buch von Maria Mies: "Globalisierung von unten", EVA/Rotbuchverlag

IWF: Der Internationale Währungsfonds wurde als Sonderbehörde der UN 1945 gegründet und dient dem Zweck, die internationale Zusammenarbeit auf den Gebieten Währungspolitik und Währungsbeziehungen zu fördern. Weitere Ziele sind ein ausgewogenen Wirtschaftswachstum sowie der Aufbau eines internationalen Zahlungssystems. In Relation zur Stellung des Landes in der Weltwirtschaft bemißt sich der Anteil, den dieses Land in den Fond einzahlen muß. Nach der Größe des Anteils wiederum wird das Stimmrecht des Landes bestimmt. Ähnlich der Weltbank ist auch beim IWF das höchste Organ der Gouverneursrat, in den jedes Mitgliedsland je einen Währungsbeamten entsendet. Die laufenden Geschäfte werden von dem aus zweiundzwanzig Exekutivdirektoren bestehenden Exekutivdirektorium erledigt. Sitz des IWF ist Washington D.C. Heute gilt der IWF als verlängerter Arm der US-Außenpolitik.

MAI (Freibrief für Multis) Hinter den verschlossenen Türen der OECD wurde über ein Multilaterales Investitionsabkommen (MAI) 1995-1998 verhandelt. Mit ihm soll eine neue Deregulierungsrunde in der Weltwirtschaft eingeleitet werden. Nachdem erste Entwürfe des Abkommens in die Öffentlichkeit gelangten, formierte sich weltweiter Widerstand. Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, Verbraucherverbände und Gewerkschaften schlugen Alarm. Sie warnten vor katastrophalen sozialen, ökologischen, aber auch ökonomischen Konsequenzen einer unkontrollierten Öffnung der Märkte für ausländische Investoren. Sie kritisieren, daß durch das MAI in seiner ursprünglichen Fassung vor allem transnationale Konzerne umfassende Rechte gegenüber den Staaten erhalten, ohne daß sie gleichzeitig für die ökologischen und sozialen Konsequenzen ihrer Aktivitäten zur Verantwortung gezogen werden können. Besonders umstritten sind die "roll-back" und "stand-still" Klauseln sowie das vorgeschlagene Streitschlichtungsverfahren. Multinationalen Konzernen, den Hauptinvestoren, wären quasi alle Freiheiten gewährt worden, um sich weiter zu entwickeln. Die potentiellen Vertragsstaaten dagegen wären in ihren Kompetenzen stark eingeschränkt worden, und ihre bisherigen Strategien der wirtschaftlichen Entwicklung blieben unberücksichtigt.

NAFTA Nordamerikanische Freihandelszone - North American Free Trade Agreement [ 1 ]. Kontakt: 14th Street, Constitution Avenue NW, Room 2061, Washington D.C., USA
Gründung: Am 17.12.1992 unterzeichneten die Präsidenten der USA, Kanadas und Mexikos in ihren jeweiligen Hauptstädten die Verträge über die Gründung der Nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA), die nach Ratifizierung durch die Parlamente der 3 Staaten am 1.1.1994 in Kraft traten. Während das am 1.1.1989 in Kraft getretene Freihandelsabkommen USA-Kanada (FTA) 2 Industriestaaten mit ähnlichen Wirtschaftsstrukturen umfaßte, wurde mit Mexiko ein Schwellenland des Südens integriert.
Ziele: Freihandelszone für 20.000 gewerbliche Güter, Dienstleistungen und für den Kapitalverkehr nach spätestens 15 Jahren durch Wirtschaftsabkommen nach Vorgabe Art. 24 GATT (siehe WTO). Durch stufenweisen Abbau der Zolltarife und Quoten seit 1994 (NAFTA) soll bis spätestens 2008 die zweitgrößte Freihandelszone der Welt - nach dem Europäischen Wirtschaftsraum.
Für Kanada und Mexiko bedeutet dies den schrankenlosen Zugang zur Wirtschaftsmacht USA. Für die USA zählen vor allem die Gebietserweiterung ihres Patentschutzes, der Abbau von Investitionshürden für US-dominierte multinationale Unternehmen sowie die Marktöffnung für elektronische und Printmedien-Erzeugnisse. Mexiko soll eine Brückenfunktion zwischen Nord- und Südamerika übernehmen. Darüber hinaus gehen die 3 Staaten von einer Erweiterung des Handelsaustauschs mit den Schwellenländern des Pazifik-Wirtschaftsgebietes, insbesondere der ASEAN und APEC, aus.
Organe: 3 Hauptkommissionen: für Wirtschaft, für Arbeit und für Umwelt.
Als Schiedsgericht zur Beilegung von Handelsstreitigkeiten dient die paritätisch besetzte Freihandelskommission.
Mitglieder: USA, Kanada, Mexiko mit zusammen über 380 Mio. Einwohnern auf 21,7 Mio. km2. Die NAFTA steht weiteren Mitgliedern offen, beitrittsinteressiert ist Chile.

TRANSATLANTIC BUSINESS DIALOGUE (TABD) Wie der Name schon sagt, geht es dem TABD nicht nur um europäische Industrieinteressen, sondern ebenfalls um die us-amerikanischen und kanadischen Konzerne. Außerdem findet dieser Dialog zwischen den Vertretern der größten transnationalen Konzerne und den jeweiligen Regierungsvertretern diesseits und jenseits des Atlantik und vor allem mit dem Handelskommissar der Europäischen Kommission statt. Dieser bestimmt ja maßgeblich die europäische Handels- und Wirtschaftspolitik. Die Initiative zur Gründung des TABD ging 1995 von dem damaligen Vizepräsidenten und Handelskommissar der Europäischen Kommission, Sir Leon Brittan, dem Industrie-Kommissar Martin Bangemann und dem US-Wirtschaftsministerium aus. Auch der ERT war eine treibende Kraft zur Gründung des TABD. Es ist interessant, wie Sir Leon Brittan die Notwendigkeit des TABD begründet: "Da Firmen und Finanzinstitute immer größere Spieler werden, müssen sie sich auch ihrer politischen Verantwortung bewusst werden. Wir sollten weiterhin neue Wege überprüfen, wie die Führer des privaten Sektors in die Diskussion um die Prioritäten der internationalen ökonomischen Politik einbezogen werden können. Ein Forum, wo dieses mit Erfolg praktisch umgesetzt werden kann, ist der TABD". Ähnlich wie im ERT sind auch im TABD die Bosse der größten europäischen Konzerne versammelt: Jan Timmers (Phillips), Jürgen Schrempp (Daimler -Chrysler), Jerome Monod (Suez Lyonnaise des Eaux) waren Vorsitzende dieses Vereins. Ferner sind Bayer, Asea Brown Bovery (ABB), Bertelsmann, Ericsson, ICI, Olivetti, Pirelli, Siemens, Solvay, Unilever und andere dort vertreten. Auf der anderen Seite des Atlantiks sind Boeing, Enron, Federal Express, Ford, IBM, Motorola, Nokia, Pfizer, Procter & Gamble, Time Warner, Westinghouse und Xerox Mitglied im TABD. Die im TABD versammelten Konzernchefs setzten sich das Ziel, zusammen mit den USA die europäischen Regierungen so unter Druck zu setzen, dass sie noch bestehende Regelungen, die dem Freihandel im Wege standen, so weit wie möglich abbauen. In der Chicago Erklärung des TABD von 1996 wird als das Ziel des TABD angegeben "einen echten transatlantischen Marktplatz dadurch zu schaffen, dass durch einen Aktionsplan Hemmnisse abgebaut werden, die den freien Handel und den Fluss von Investitionen quer über den Atlantik behindern". Der Dialog zwischen den Konzernchefs und den Regierungschefs findet auf regelmäßigen Treffen statt. Auf diesen Treffen legt der TABD den Politikern die Wunschliste der europäischen und nordamerikanischen Konzerne vor, die diese bei ihren Gipfeltreffen - z.B. den EU-Gipfeln oder den G7-Gipfeln aber auch bei ihrer nationalen Politik beachten sollen. Dabei hat der TABD keine formale Struktur, keine Befehlszentrale und keine Jurisdiktion. Er ist ein loser, informeller Haufen von Industriebossen aus Europa und den USA. Doch der Einfluss dieses weitgehend unbekannten Lobbyverbandes auf die Politik ist ungeheuer groß ... In den vergangenen Jahren ist der TABD immer unverschämter mit seinen Forderungen an Politiker herangetreten. Er legt ihnen nicht nur Wunschlisten mit eigenen Prioritäten vor, sondern setzt ihnen auch ein Zeitlimit innerhalb dessen sie diese Forderungen erfüllt haben müssen.

UNICE: (Union of Industrial and Employers' Confederations of Europe) Der Europäische Arbeitgeber- und Industrieverband, wurde 1958 gegründet und vertritt die Interessen ihrer 34 Mitgliedsverbände aus 27 Ländern. Unter der Flagge von UNICE wollen die europäischen Unternehmen, dass die Regierungen der EU und die Europäische Kommission die sozialen Sicherungssysteme in Stücke hauen; die Krankenversicherung, die Familienbeihilfe, die gesetzliche Rente, die öffentlichen Dienste, die Arbeitslosenversicherung, das Recht auf Arbeit, ein existenzsicherndes Einkommen ... Sie wollen: Flexibilität, gestutzte Löhne, Ausgrenzung, Senkung von Steuern und Abgaben, und als Krönung die Beibehaltung der Steuerparadiese - eine ständige Steuerflucht. ...

Während der ERT eher grundsätzliche Vorstellungen und Langzeitperspektiven der Industrie in die Diskussionsprozesse der EU-Gremien einschleust, ist UNICE der offizielle Lobbyverband der Unternehmer - mit ungehindertem Zutritt zu den EU-Institutionen. Die wichtigsten Ziele sind - genau wie beim ERT: Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit, Vollendung der Wirtschafts- und Währungsunion, Osterweiterung sowie Liberalisierung des Welthandels und der Investitionen. Besondere Anliegen von UNICE sind:
- Volle Liberalisierung der öffentlichen Versorgung und Öffnung des Dienstleistungssektors für mehr Wettbewerb;
- Permanente Verringerung der öffentlichen Ausgaben, vor allem auf dem Gebiet von Altersvorsorge, Gesundheitswesen, Sozialleistungen und Staatssubventionen;
- für die Industrie; scharfe Zurückweisung von Steuererhöhungen für Energie, Kapitalerträge;
- Flexibilisierung der Arbeitsmärkte, Senkung der Arbeitskosten;
- Das Projekt Osterweiterung, unter der Voraussetzung, dass die Beitrittskandidaten in der Lage sind, jeden Aspekt der Binnenmarkt-Gesetzgebung durchzuführen.
- Der Vorrang der Liberalisierung vor sozialen und ökologischen Aspekten in der Gesetzgebung; in Sachen Umweltschutz propagiert UNICE die freiwilligen Leistungen der Industrie;
- Besonders energisch betreibt UNICE den Abschluss von Abkommen über Investitionen und über geistige Eigentumsrechte.

Wie erfolgreich ist UNICE bei der Durchsetzung seiner Ziele? Bei der EU-Gesetzgebung zum Vorteil der Industrie ist UNICE sehr erfolgreich. (CEO)

VFA: 44 im Verband Forschender Arzneimittelhersteller organisierten Pharmafirmen (1993 gegründet). Diese Pharmafirmen haben Ende 2001 dem deutschen Bundeskanzler persönlich zugesagt: Wenn seine Regierung den Plan aufgebe, die Medikamentenpreise per Ukas um vier Prozent zu senken, dann bekämen die Krankenkassen 200 Millionen Euro als Kompensation von der Industrie. Von den 44 VFA-Firmen sind nur drei oder vier originär deutsch, der Rest ist von ausländischen Müttern beherrscht. Die interessiert deutsche Kostendämpfungspolitik überhaupt nicht. Sie drücken die industriepolitischen Vorstellungen internationaler Konzerne durch. Wenn denen durch Arzneifestbeträge Einbußen drohen, setzen sie den amerikanischen Botschafter zum Wirtschaftsminister in Bewegung.

Die Weltbank: (Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) ist eine Sonder-organisation der UN und wurde schon 1944 gegründet, mit dem Ziel, durch die Bereitstellung von Kapital Wiederaufbau und Entwicklung der Mitgliedsländer zu fördern. Die Kredite wurden anfangs meist an die im Zweiten Weltkrieg zerstörten europäischen Länder vergeben, seit den 60er Jahren vermehrt an Entwicklungsländer in Asien, Afrika und Südamerika. Das Leitungs-gremium der Weltbank ist der jährlich tagende Gouverneursrat, in dem jedes Mitgliedsland einen Sitz hat. Die laufenden Aufgaben werden von einundzwanzig geschäftsführenden Direktoren wahrgenommen, die regelmäßig am Hauptsitz der Bank in Washington D.C. zusammenkommen. Die Mittel zur Kreditvergabe schöpft die Weltbank aus dem Verkauf von Anteilsscheinen, die jedes Mitgliedsland entsprechend der Stärke seiner Volkswirtschaft kaufen muß.

WTO: Die Welthandelsorganisation (World Trade Organization)ist die Nachfolgeorganisation der Gatt-Verhandlungen. Sie wurde im Januar 1995 gegründet und hat ihren Sitz in Genf. Ziel der WTO ist in erster Linie die Förderung des freien Welthandels durch den Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen. Die WTO überwacht die internationalen Handelspraktiken, bei Streitigkeiten tritt sie als Schlichter auf. Organisatorisch besteht die WTO aus der Ministerkonferenz und dem Allgemeinen Rat. Die Ministerkonferenz tagt alle zwei Jahre, sie bestimmt den Generaldirektor und bildet Auschüsse für spezielle Sachgebiete. Der Allgemeine Rat besteht aus Experten auf Beamtenebene; er tagt monatlich. Zu seinen Aufgaben gehören Streitschlichtung und Überwachung der Handelspraktiken.

[ 1 ] NAFTA, kürzlich in Kraft getreten und alles andere als ein Freihandelsabkommen. Vielmehr ist es hochprotektionistisch und soll nur dazu dienen, die asistische und europäische Konkurrenz draußen zu halten.

Seitenanfang

©Tadema 99-2009 [ www.tadema.de ] [ ... ]