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Lügen, hoffen und Schulden machen

Die Finanzkrise hat die BRD im Griff. Die Politik versucht Zeit zu schinden und hofft, das die Krise vorbeigehen möge. Selbst in den USA ist man weiter. Dort hat man mit einer strafrechtlichen Bewertung der Vorgänge im Finanzsektor längst begonnen. Der kürzlich zum Staatssekretär beförderte Jörg Asmussen, zimmert derweil einen Schutzschirm für die gesamte deutsche Finanz- branche. Inkompetenz, Verschweigen und Lügen sollen nach Möglichkeit nicht geahndet werden. Auch weshalb die Bankenaufsicht versagt hat, soll ein Geheimnis bleiben. Was die Garantieerklärung von Merkel/Steinbrück wert ist, erfahren deutsche Sparer heute: Der Millionär bekommt seine Millionen gesichert, der Normalbürger seine 20000 Euro. So kann man das Gleichheitsprinzip auch auslegen.

[...] Das Strafrecht ist offenbar ... nicht in der Lage, das Kapitalversagen der Banken, den kapitalen Zusammenbruch der Kapitalmärkte, also die Vernichtung von Geld in ungeheuerem Ausmaß zu erfassen ... Im Strafgesetzbuch gibt es etliche Straftatbestände, die einem in diesen Tagen bei jeder Nachrichtensendung einfallen: Betrug und Untreue vor allem. Von einschlägigen Ermittlungsverfahren hat man nichts gehört. Der hölzerne Handschuh des Strafrechts taugt offenbar nicht, um in windigen Bilanzen zu blättern, um sich Prospekte und Expertisen auf den Tisch zu legen, in denen schäbige Schuldverschreibungen als werthaltiges Anlageprodukt angepriesen wurden ... Es ist wohl so, daß das gesamte System, daß die Banken, Geldhäuser und Investmentfirmen so verflochten sind, daß man sehr feine Instrumente bräuchte, um den Knoten aufzudröseln. Das Strafrecht sucht ja nach individueller Verantwortlichkeit, es kann nicht ein System, sondern nur einzelne Menschen strafen. Offenbar ist es derzeit dazu nicht in der Lage ... Es fehlt an der notwendigen Power, am juristischen Personal, also an Staatsanwälten und Richtern, um mit den kapitalen Ungeheuerlichkeiten fertig zu werden, es fehlt womöglich auch am juristisch-politischen Willen ... Dem Strafrecht ist seit jeher vorgeworfen worden, es sei ein Klassenstrafrecht, es strafe den Eierdieb, den Straßenräuber und den Heiratsschwindler, es sei ein Recht gegen Mikrokriminalität, aber keines, das sich der Makrokrimi- nalität auch nur nähere. Das ist nicht falsch ... In diesen Tagen kriegen die Wörter "Kapitaldelikte" und "Kapitalverbrechen" eine neue Bedeutung. Wenn mit dubiosen Machenschaften erst ungeheure Summen verdient werden, anschließend der Markt zusammenbricht, so daß der Staat mit ungeheuren Summen eingreifen muß - sind das nicht die wahren Kapitaldelikte? [...] (Heribert Prantl, SZ)

>> Sündenregister von Rot-Grün bis zur Großen Koalition

Die Krise erreicht die deutsche Realwirtschaft

08.10.2008 | Nach Daimler hat nun auch Opel weitere Produktionskürzungen angekündigt. Das Unter- nehmen gab am Dienstag in Rüsselsheim bekannt, im thüringischen Eisenach werde die Fertigung ab Montag für drei Wochen eingestellt. In Bochum stehen die Bänder bereits seit dem 29.September still. Auch andere Autobauer planen Produktionskürzungen. BMW will in diesem Jahr 20000 bis 25000 Autos weniger bauen und das Leipziger Werk für vier Tage stillegen. Ford bestätigt eine Drosselung des Ausstoßes im Werk Saarlouis. Die VW-Tochter Skoda will in diesem Jahr 13000 Fahrzeuge weniger bauen, Daimler 80000. Auf die für 2009 vorgesehene Produktionssteigerung um 90000 Einheiten soll verzichtet werden. Statt Kurzarbeit, bei der die Beschäftigten ergänzende Leistungen von der Bundes- agentur für Arbeit beziehen würden, plant Daimler offenbar erneut Personalabbau. Der könnte anders als Kurzarbeit den Aktienkurs beflügeln.

Bankenrettung (III)

06.10.2008 | Der Fall Hypo Real Estate zeigt, daß das Finanzministerium aus Sicht der Banken kaum mehr als die Rolle des Zahlaugusts einnimmt, schreibt Hans von der Hagen in einem Kommentar auf sueddeutsche.de.. Die Deutsche Bank hat den Job der Bundesregierung gemacht. Sie hat Wirtschafts- prüfer losgeschickt, sich die Bücher der Hypo-Real-Estate-Tochter Depfa zeigen lassen und die sahen, daß alles noch weit schlimmer war als zunächst behauptet wurde: Die Hypo Real Estate brauchte deutlich mehr Geld. Warum wußte die Bundesregierung davon nichts? Warum erfährt sie als Letzte von dem zusätzlichen Finanzbedarf? Und: Bürgt sie für ... Milliarden Euro, ohne auch nur einmal in die Bücher zu schauen? Die Antwort auf die letzte Frage heißt: ja. (siehe Bankenrettung II) Der Fall HRE zeigt, daß die Politik mit der Finanzindustrie nicht Schritt halten kann und darum Hase und Igel spielt.

Muß ein Schädiger nur dreist genug und der Schaden nur groß genug sein, damit der Staat das De- saster nobilitiert?, fragt Heribert Prantl in einem Kommentar ebenfalls auf sueddeutsche.de.. Wenn die Familie Huber schlecht wirtschaftet, kommt der Gerichtsvollzieher. Wenn die Firma Maier schlecht wirtschaftet, kommt der Konkursrichter. Wenn eine Großbank katastrophal wirtschaftet - dann kommen die Spitzenpolitiker mit dem Milliarden-Geldsack.

Die HRE bekennt sich zum Leistungsprinzip und honoriert überdurchschnittlichen Einsatz. Überdurch- schnittlich ist HRE-Vorstandschef Georg Funke. Laut Geschäftsbericht war seine Gesamtvergütung 2006 3,1 Millionen Euro hoch. Funke (53) - sehr wahrscheinlich bald im Ruhestand - wird 46666 Euro Rente im Monat erhalten, 70 Prozent seines Festgehaltes, weiß Bild zu berichten. Ein Durchschnitts- verdiener kann eine solch hohe Rente niemals erarbeiten.

Ein britischer General gibt Afghanistan-Krieg verloren

07.10.2008 | Londons Botschafter in Islamabad soll sogar gesagt habe, der einzige Ausweg sei die Installation eines "akzeptablen Diktators". (Spiegel-online)
Der Bundestag hat heute in erster Lesung über die Aufstockung des deutschen Truppenkontingents in Afghaistan um 1000 auf 4000 Mann beraten - die Abstimmung ist für den 13. Oktober vorgesehen. Politiker, Diplomaten und ein hoher britischer General sind mittlerweile der Meinung, daß die NATO sich aus Afghanistan zurückziehen sollte. Rußland zog sich 1989 zurück. USA und NATO nahmen die Attentate vom 11. September 2001 in New York zum Anlaß, in Afghanistan einzumarschieren. Keines der Attentate ist von Afghanistan ausgegangen. Die Attentäter kamen aus Europa und den USA und hatten mit Afghanistan nichts zu tun. Daß die Talibanregierung von den Attentatsplänen Osama bin Ladens überhaupt wußte ist bis heute nicht bewiesen. Einen Krieg gegen den Terrorismus kann man nicht gewinnen, ebenso wenig wie den Krieg gegen das Verbrechen.

Bundeswehreinsätze auch im Inneren beschlossen

6. Oktober 2008 | Die große Koalition hat sich auf einen Einsatz der Bundeswehr im Inneren zur Ab- wehr von Terrorangriffen (Terrorangriffe, wo?) geeinigt. Um solche Einsätze möglich zu machen, muß das Grundgesetz geändert werden. Dann soll es möglich sein, die Polizei mit Kräften der Luftwaffe oder Marine zu unterstützten - "zum Schutz der Bürger in Deutschland", heißt es. Erst am Hindukusch, nun auch noch im Inneren. Die Luftwaffe düst bekanntlich in Afghanistan umeinand und die Marine vor der Küste Somalias. Überall auf der Welt ist die Bundeswehr auf Verbrecherjagd. Nur fängt sie keine, ebensowenig die Amerikaner. Dafür potenziert sich die Zahl der inhaftierten und getöteten Zivilisten.

Wenn die Polizei zur Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung nicht mehr reicht, muß eben die Armee ran. Eine denkwürdige Duplizität: Nicht nur die Finanzkrise erinnert an das Ende der Weimarer Zeit, nun auch noch Ermöglichung des Einsatzes der Armee als innenpolitisches Machtinstrument, wie damals die Reichswehr. Wir groß muß die Sorge der Regierenden vor einer inneren Instabilität sein. Vielleicht hängen ja die panischen Reaktionen auf die Finanzkrise und der Einsatz der Bundeswehr zur Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit zusammen. (Wolfgang Lieb, NDS)

Schäuble kämpft seit 15 Jahren dafür, jetzt kann ihn nur noch die Opposition verhindern: Den Einsatz der Bundeswehr im Inland. (Heribert Prantl, SZ, 7.10.08) ... Nur in absoluten Ausnahmefällen soll die Bundeswehr im Inneren eingesetzt werden, heißt es beschwichtigend. Der Mechanismus dieser ab- soluten Ausnahmefälle ist bekannt: Aus ihnen wird über kurz oder lang, meist über kurz, eine Regel. Bei ganz vielen Sicherheitsgesetzen war das schon so. Daher muß es bei dem ehernen Verbot bleiben: Innere Sicherheit ist eine Sache der Polizei, nicht des Militärs. Das Militär ist keine Hilfspolizei, so- lange es eine gut funktionierende Polizei gibt; und die gibt es in Deutschland.

Das Demokratieverständnis der großkoalitionären Weimaraner ist berauschend ... Es geht um den Einsatz der Bundeswehr im Innern, worin die größte Bedrohung der Demokratie seit Gründung der Bundesrepublik besteht. Ernsthaft halten die völlig überflüssigen Tölpel der SPD es für einen Erfolg, daß die Bundeswehr nicht "zum Objektschutz" eingesetzt werden soll, sie wollen dafür aber dem bewaffneten Einsatz der Armee gegen das eigene Volk zustimmen ... Es gab seit Bestehen der BRD keinen einzigen Fall, in dem die Bundeswehr hätte eingesetzt werden müssen. Es ist hingegen eine massive Bedrohung des inneren Friedens und der Bürgerfreiheit, wenn befürchtet werden muß, daß die Armee gegen Demonstranten aufmarschiert. Vor allem aber ist es ein kreischendes Signal der Politeska ans Volk: Ihr seid uns unheimlich und wir werden euch mit Waffengewalt im Zaum halten, wenn ihr aufbegehrt ... Daß es eine ehemalige Sozialdemokratie fertig bringt, nach der Erfahrung von 1933 diesen Schritt in Richtung Diktatur mitzugehen, ist erschreckend und demprimierend - nicht nur für Sozialdemokraten. (feynsinn)

>> Jürgen Rose Amtshilfe per Schützenpanzer

Bankenrettung (II)

Sonntag, der 05.10.2008 | Ab heute rettet die Merkel die Banken - als erste, die Hypo Real Estate, sicher ohne deren Geschäftsberichte gelesen zu haben? Davon muß man wohl ausgehen. Wie heißt es so schön, die Spatzen pfeifen es längst von den Dächern: Der noch vor einer Woche festgestellte Kreditbedarf von 35 Milliarden Euro bis Ende 2009 ist voraussichtlich nicht ausreichend. Am Samstag kursierten Schätzungen, wonach die Bank allein dieses Jahr noch bis zu 50 Milliarden Euro benötigt. Bis Ende 2009 könnten es sogar bis zu 100 Milliarden Euro sein. In Wahrheit geht es um ganz andere Summen. Kurzfristig geht es um mindestens 184 Mrd Euro! Langfristig sogar um 350 Mrd Euro - man muß nur mal einen Blick in die Bücher der HRE wagen (weissgarnix.de)!
Angela Merkel, die Bundeskanzlerin ließ durch die Bildzeitung am Sonnabend mitteilen, die deutschen Sparer müßten ihr Geld nicht von der Bank holen, sie tue das auch nicht. Am Sonntag wurde mit ihr über das Umlegen aller Kosten auf Kleinsparer und Normalverbraucher nachgedacht. Erst wurden von einer SPD/Grünen-Regierung per Gesetz Millionen Menschen bei uns in die Armut geschickt, damit die Steuern für Millionäre gesenkt werden konnten und nun wurden deren Privilegien auch noch gesichert, dafür garantiert der Staat. Der Staat will für Spar-, Giro- und Termineinlagen natürlicher Personen haften. Mit dieser Garantie werden auch die Einlagen von Börsenzockern abgesichert also von Leuten, die dieses Desaster insziniert haben. Heiner Flassbeck, Chef-Volkswirt der UNCTAD (United Nations Conference on Trade and Development).

>> Sahra Wagenknecht Das nächste Fressen

Bankenrettung (I)

04.10.2008 | In der Nacht hat der Finanzsektor es doch noch (nicht) geschafft, das Rettungspaket von 8,5 Milliarden für die Hypo Real Estate zu schnüren. Die Banken hatten anfangs Probleme damit, zusammen mit der Bundesregierung, mit einer 35 Milliarden Euro Bürgschaft die HRE zu stützen, wobei 26,5 Milliarden vom Staat und die restlichen 8,5 Milliarden von den Banken kommen sollten.

04.10.2008 | Das US-Repräsentantenhaus hat das milliardenschwere Rettungspaket für die Finanz- branche gebilligt. Präsident George W. Bush unterzeichnete das Gesetz - das auch beachtenswerte Zusätze inne hat - umgehend. Mit 263 Stimmen für den 700-Milliarden-Dollar-Rettungsplan und 171 Gegenstimmen gelang im zweiten Anlauf, was nach dem gescheiterten ersten für weltweite Ver- unsicherung an Börsen und Märkten gesorgt hatte: die Zustimmung zum größten Regierungs-Bailout der US-Geschichte.

Deutschlands dümmste Bank

04.10.2008 | [...] Auf 28 Seiten hat die Wirtschaftsprüfergesellschaft Pricewaterhouse Coopers PwC bis ins kleinste Detail notiert, wie es zu der Panne kommen konnte (das Geldhaus KfW hatte der US- Investmentbank Lehman Brothers kurz vor deren Pleite im Rahmen eines Devisengeschäfts schnell noch 319 Millionen Euro überwiesen) und zahlreiche Mängel gerügt. Der Bericht wurde nach Angaben der KfW für den Verwaltungsrat angefertigt, der die Staatsbank beaufsichtigt und dem viele Minister aus Bund und Ländern angehören. Geleitet wird das aus 37 Mitgliedern bestehende Kontrollgremium von den Bundesministern für Wirtschaft sowie Finanzen, Michael Glos (CSU) und Peer Steinbrück (SPD) ... Fehler auf Fehler sind in dem PwC-Report aufgelistet ... Die KfW hat am 15. September frühmorgens ihr betreffendes Konto bei der Bundesbank erst auffüllen müssen, um die 319 Millionen Euro überhaupt überweisen zu können. Wenige Stunden später war Lehman Brothers insolvent. [...] >> Weiterlesen? >> Auch das Lafontaine Interwiev ist lesenswert!


>> Oberstleutnant Jürgen Rose über das Märchen von Entwicklung und Wiederaufbau
>> Elmar Altvater Der amerikanische Patient
>> Nicholas Kristof von der New York Times schreibt über Vorstandsvergütungen NachDenkSeiten-Unterstützer Roger Strassburg hat den Text übersetzt


Das USA-Syndrom

Die US-Forderungen an die Welt nach neoliberaler Globalisierung, Deregulierung und Privatisierung klingen angesichts der jetzigen Eingriffe und Verstaatlichungen wie Hohn. Das System der USA scheint unaufhaltsam in den Selbstzerstörungsmodus übergegangen zu sein. Es zieht alle, die es übernommen haben, in den Abgrund. Dagegen kommen all jene Länder, die sich wie China, Rußland oder Vietnam den neoliberalen Reformen verweigert haben, relativ ungeschoren davon ... Die Amerikaner werden (nun) selbst für ihren aufgeblähten Militärapparat und ihre Kriege aufkommen müssen.. (Rainer Rupp, jW vom 1.10.2008)

Sandra Maischberger

In der Fernsehsendung "Menschen bei Maischberger" (ARD) haben drei alte Männer, Hans Jochen Vogel (SPD), Bernhard Vogel (CDU) und Olaf Henkel (Ex-BDI-Präsident), sich am Dienstagabend (30.9.2008, 22.45 UHR) so richtig lächerlich gemacht. Die Drei (kein bischen Weise) hatten vor, die Maischberger-Seher so richtig für dumm und dämlich zu verkaufen. Verwunderlich, daß sich Peter Gauweiler (CSU, bekannt wegen seiner Kritik am Afghanistaneinsatz der Bundeswehr und wegen seiner Verfassungsklage gegen die EU-Verfassung, aber auch wegen seines guten Verhält- nisses zu Oskar Lafontaine) und Ulrich Maurer (Die Linke, "Wer Sozialdemokrat bleiben will, muß die SPD verlassen") dafür hergaben mit solchen Figuren einen solchen Polittalk (sonst doch immer recht anspruchsvoll) zu gestalten.

Die ganze Welt ist in Geiselhaft der Finanzkonzerne

Das ist die Realität. Regierungschefs und Regierungen sind überfordert. Sie versuchen zu reagieren, das ist aber auch schon alles. Es gelingt ihnen nicht, den Zusammenbruch von Banken zu verhindern. Wachovia, Fortis, Dexia, Bradford & Bingley, Hypo Real Estate hat es zu Wochenbeginn erwischt. Es wollen Banken gerettet werden, die auf der Straße niemand kennt.
Das amerikanische Repräsentantenhaus hat am Montag (29.9.08) die Vorlage über die geplante Finanzhilfe zugunsten notleidender Banken abgelehnt. Mit einer Bürgschaft über 26,6 Mrd. Euro be- wahrt die Bundesregierung den Dax-Konzern Hypo Real Estate vor der Pleite. Die Bundesregierung hat kein Geld für Armutsbekämpfung, höhere Hartz-IV-Sätze, Bildung, eine bessere Infrastruktur, für die Bahn - aber für die Rettung von Hypo Real Estate werden mir nichts, dir nichts 26,5 Milliarden Euro über den Tisch geschoben. Finanzminister Peer Steinbrück (hat Deutschland zum größten Finanz- zockermarkt Europas werden lassen) verspottet seinen Amtskollegen Paulson und steht jetzt selbst vor einem Desaster. Banken stehen Schlange am Abgrund und uns wollte der Finanzminister weis- machen die Finanzmarktkrise sei vor allem ein amerikanisches Problem.

01.10.2008 | Die potenzielle Belastung der privaten Banken durch das Rettungspaket ist offenbar geringer als bislang angenommen. Der Bankenverband bestätigte Informationen aus Finanzkreisen, wonach die Geschäftsbanken lediglich 3,0 Mrd. Euro der ausgehandelten Ausfallbürgschaften stellen. Dies sei bei den Krisengesprächen am Wochenende so vereinbart worden. Die Bundesregierung hatte am 29. September noch mitgeteilt, die Privatbanken gäben Garantien über insgesamt 8,5 Mrd. Euro. Von Seiten BaFin und Bundesbank heißt es hingegen, die Belastung des Finanzsektor sei "auf maximal 8,5 Mrd. Euro begrenzt". Deutsche Steuerzahler haben momentan 35 Milliarden Euro ohne erkennbare Gegenleistungen an der Backe. Und da kommt noch mehr: die BayernLB wackelt wieder. Die Krise dort kommt gerade richtig in Fahrt. Fazit: Finanzministerium und Bankenaufsicht hatten zu keiner Zeit und haben heute noch keinen Durchblick.

Für Sozialklimbim fehlt das Geld

Die Installation von Hartz IV wurde so begründet. Inzwischen (September 2008) wissen wir, wie verlogen diese Begründung war. Inzwischen wissen wir, daß Geld in jeder nur denkbaren Menge vorhanden ist, natürlich nicht für die sozial Schwachen, sondern nur für die materiell Starken - die Banken.

US-Präsident George W. Bush hat mit seinem Veto ein Gesetz verhindert, das deutlich mehr Staats- zuschüsse für die medizinische Versorgung sozial schwacher Kinder in den USA bedeutet hätte. Der von Demokraten und Republikaner gemeinsam getragene Entwurf sah vor, für ein entsprechendes Programm über die nächsten fünf Jahre 35 Milliarden US-Dollar (24,8 Milliarden Euro) zusätzlich bereitzustellen. Bush lehnt das Gesetz als zu teuer ab. Er plant lediglich eine Aufstockung um 5 Milliarden Dollar. Das staatliche Programm subventioniert in den USA Krankenversicherungen für 6,6 Millionen Menschen, die meisten von ihnen Kinder. Sie stammen aus Familien, die zuviel für eine Mitgliedschaft in der staatlichen Krankenversicherung für die einkommensschwächsten Amerikaner Medicaid verdienen, aber zuwenig, um sich eine private Versicherung leisten zu können, schreibt der Tagesspiegel. Mit der Abdeckung der Verluste seiner Casino-Freunde (dreistellige Milliardenbeträge) hat Bush kein Problem.

Wall Street

Die chinesische Regierung hat die Banken des Landes angewiesen, US-Finanzinstitutionen kein Geld mehr zu leihen. US-Bürger sind gegen die Subventionierung der Wall-Street-Finanzhaie. Sie fordern Hilfe für die Millionen in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Hausbesitzer. Am Donnerstag (25.9.08) schien es zunächst so, als sei der Paulson-Rettungsplan in trockenen Tüchern, doch im letzten Moment hat der House Minority Leader, John Boehner seine Unterstützung verweigert und einen neuen Plan vorgelegt. Die Hausbesitzer sollen gerettet werden und nicht die Finanzhaie. Auf diese Weise würden die Schrotthypotheken saniert und auch die Banker wieder zu ihrem Geld kommen. Boehner kann auf die Unterstützung der Mehrzahl der Republikaner (Bushs Partei) im Kongreß zählen.

US-Finanzminister Henry Paulson arbeitete von 1974 bis 2006 für die Investmentbank Goldman Sachs, die inzwischen einzige überlebende Investmentbank der USA - sein Vermögen wird auf 600 Millionen US-Dollar geschätzt. Paulson ist Teil der herrschenden Klasse und in derselben Vertreter des Finanzkapitals. Werden den Finanzinstituten die unglaubliche Summe von 700 oder 2000 Milliarden US-Dollar ohne Gegenleistung geschenkt, dann können diese ihre riskanten Spiele erneut betreiben. (Winfried Wolf, jW)

Cross-Border-Leasing-Geschäfte

27.09.2008 | In vielen deutschen Städten wurde städtisches Eigentum an amerikanische Fonds ver- kauft und dann wieder zurückgepachtet. Die Verträge wurden meistens von der US-Versicherung AIG abgesichert. Nachdem der Konzern fast Pleite gegangen wäre müssen die Städte neue Versicherungs- verträge für die Leasing-Abschlüsse abschließen und das wird sicher teuer.
Fragt sich eigentlich niemand, warum in Deutschland immer nur über angelsächsische Investment- firmen privatisiert wurde? Albrecht Müller von den NachDenkSeiten hat eine Antwort auf die Frage: Deutschlands politische und wirtschaftliche Eliten sind mit der angelsächsischen Finanzindustrie ver- bandelt und verfilzt. Ackermann, Steinbrück, Merkel, Kauder, Asmussen, Späth und Merz sind wie eine Reihe anderer eingewoben im Geflecht der internationalen Finanzindustrie. NachDenkSeiten

In der öffentlichen Märchenversion ist Cross Border Leasing (CBL) folgendes, schreibt Werner Rügemer auf jungewelt.de am 30.9.08: Städte verkaufen für mindestens 30 Jahre ihre wertvolle Infrastruktur an US-amerikanische Investoren und mieten die Anlagen zurück. Die Investoren erhalten in den USA für diese staatlich geförderte Auslandsinvestition 30 Jahre lang einen Steuervorteil. >> Weiterlesen auf jungewelt.de? !!!Hochinteressant!!!

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