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Ein Sonntag in Berlin

"Wer is das?" frage ich mit Blick auf Jutta, meine Frau als ich das Eßzimmer betrete.
"Frag Susanne ...", sagt die.
"Das ist Guido, Papa ...", sagt meine Tochter Susanne. Meine Älteste sitzt mit einem Mann am Frühstückstisch der mindestens zehn Jahre älter ist als sie.
"Westerwelle, oder wer?" frage ich.
"Nein Papa, Podgorni."
"Wie kann man nur so heißen, ... und was will er hier?"
"Wir arbeiten zusammen ..."
"Und vögelt miteinander, doch kein Grund ihn mit nach Hause zu bringen", sage ich.
( ... )
"Herr Podgorni hat bei uns übernachtet, weil ...", sagt meine Frau.
"Um meine Tochter zu vögeln, sag ich doch!"
"Herr-mann ...", wieder meine Frau.
"Halt den Mund, ... hat Susanne beim Oralverkehr letzte Nacht ihre Zähne verloren, oder warum macht nicht sie den Mund auf?" frage ich grob.
"Papa, wie kannst du nur ...?"
"Papi, was ist Oralverkehr?" fragt meine Jüngste.
Mir bleibt mein erster Bissen im Halse stecken und ich huste. Blümchen ist erst acht und ein später Unfall mit einer anderen Frau, die nach Blümchens Geburt das Weite suchte.
"Frag deine Schwester, Blümchen ...", sage ich und trinke schnell meinen Tee.
( ... )
"Papa, Guido arbeitet wie ich im Kanzleramt", beginnt Susanne von neuem.
"Als was?" frage ich.
"Ich bin stellvertredender Pressesprecher", sagt der Typ mir gegenüber.
"Is nich wahr?"
"Doch, es ist so."
"Beim Ich-tu-nix-Kanzler?"
"Wenn sie so wollen?"
"Sie geben also zu, Gerhard Schröder, der Genosse der Bosse tut nix?" sage ich.
"Nein, das bestimmt nicht. Wir leben einfach in einer schwierigen Zeit", sagt er.
"Der 11. September ist Schuld, was?"
"Unter anderem auch der."
"Billige Ausrede, das. Wie kann es sein, daß all unsere Nachbarn weniger Arbeitslose und einen Wachstum von 2,5 Prozent vorweisen können. Wir aber sind Schlußlicht in Europa mit bald 4,2 Millionen Arbeitslosen, wenn man die ABM mitrechnet sind es mehr als 6 Millionen und unser Wachstum liegt bei 0,7 Prozent, wenns stimmt. Ich glaub nämlich nicht mal das!"
"Sie können Portugal und Spanien nicht mit Deutschland vergleichen."
"Bah, Kanzlerworte. Mann, haben sie auch eine eigene Meinung?"
"Ich heiße Guido Podgorni", sagt mein Gegenüber.
"Ist mir scheißegal wie sie heißen", brumme ich.
"Herr-mann ..."
"Papa ..."
"Wat is denn?" frage ich und sehe in entsetzte Gesichter bei Frau und Tochter.
( ... )
"Was haben sie gegen mich?" fragt mein Gegenüber.
"Nichts, nur gegen die, für die sie und meine Tochter arbeiten hab ich was."
"Was haben sie gegen unseren Arbeitgeber?"
"Mann, gerade einem Pressesprecher der rot-grünen Scheißregierung kann doch nicht entgangen sein, daß der Kanzler keines seiner Versprechen, die er vor den Wahlen gemacht hat, gehalten hat. Die waren alle am Tag nach der Wahl vergessen."
"Papa, das stimmt doch gar nicht ...", sagt meine Älteste.
"Und ob das stimmt. Der Kerl hat uns alle belogen und uns hinters Licht geführt und macht es noch. Und seine Minister, diese Mistkerle machens genauso."
"Interessant!" sagt Guido Nicht-Westerwelle.
( ... )
" Neoliberale , eben ...", sage ich. [ 1 ]
"Wie bitte?" sagt mein Gegenüber stirnrunzelnd.
Ich überlege kurz und sage: "Die Idee vom Dritten Weg kennen sie doch, oder nicht?"
"Nee, noch nie gehört. Was soll das sein, der 'Dritte Weg'?"
"Ich erklärs ihnen", sage ich, obwohl ich glaube, daß der Kerl lügt.
"Das wäre schön", mein Gegenüber.
"Neoliberale Grundsätze fanden ihren ersten Ausdruck im Thatcherismus und Monetarismus der 80er-Jahre. Heute haben sie Eingang in die Ideen des »Dritten Weges« gefunden, die sich führende europäische Sozialdemokraten wie Tony Blair und Gerhard Schröder zu eigen gemacht haben. Sie sind verkörpert in der Politik großer internationaler Institutionen wie IWF, Weltbank und WTO. Sie liegen all den Wirtschaftsreformen und Modernisierungsprogrammen zugrunde, die von Politikern und Verfechtern gängiger Wirtschaftstheorien vorangetrieben werden."
"Was sie nicht sagen!"
"Die Grundidee, die der Neoliberalismus predigt, lautet: Der Staat solle in der modernen Gesellschaft keine wirtschaftliche Rolle spielen. Es bedürfe einer Rückkehr zu jener Wirtschafts-lehre, die bis zur Krise der Dreißiger Jahre vorherrschte. Die Lehre war bekannt als Wirtschaftsliberalismus. Seine Wiedergeburt ist der Neoliberalismus .
Im Zentrum steht die Freiheit von Kapitalisten vor Einmischung. Um Armut zu überwinden, müsse man hartnäckig daran arbeiten Begrenzungen zu beseitigen. Dafür seien die Aktivitäten von WTO, IWF und Weltbank notwendig.
Alles, was Regierungen tun sollen, die sich um das Wohl ihrer Bevölkerung sorgen, ist: Unternehmen bestmögliche Arbeitsbedingungen bereitzustellen, also niedrige Steuern, einen flexiblen Arbeitsmarkt, schwache Gewerkschaften, minimale Regulierung."

Jutta wendet das Fleisch, das in der Backröhre vor sich hinbruzzelt und gießt Wasser nach. Susanne sieht verliebt ihren Nicht-Westerwelle an und Blümchen hat sich verzogen.

"Sind sie auch dafür, daß ihr zerstrittener, zudem unfähiger Regierungshaufen deutsche Soldaten in diese gefährliche Mission nach Afghanistan schickt?" will ich von dem Pressefuzzi wissen.
"Natürlich sind wir dafür, nicht wahr Guido?" antwortet meine Tochter.
"Hab ich dich gefragt, du blöde Kuh? Laß ihn gefälligst selbst antworten", fauche ich meine Tochter an.
"Haben sie kein Mitgefühl mit den vielen Opfern des Terroranschlags vom 11. September?" fragt mich der Fuzzi.
"Klar hab ich, gar keine Frage wie der Kanzler zu sagen pflegt. Ich habe Mitleid mit den Opfern, aber nicht mit den Amerikanern. Die Amis haben zwei Wahrzeichen weniger, na und? Haben sie mal an Dresden gedacht, an die Napalmopfer in Vietnam, an die vielen Tote in Somalia. Die Amis müssen für ihre Arroganz büßen und wir mit ihnen, leider", sage ich.
"Die Amerikaner erwarten Unterstützung von uns Deutschen", wagt der Presseheini zu sagen.
"Glaub ich nicht", sage ich.
"Wieso nicht?" fragt Susanne.
"Weil ich glaube, das der Kanzler lügt", sage ich.
"Wie kommen sie denn darauf?" fragt der Nicht-Westerwelle.
"Das will ich ihnen sagen: Der Kriegsminister Donald Rumsfeld hat nichts davon wissen wollen, was der Kanzler der Öffentlichkeit weis machen wollte, daß es eine amerikanische Anforderung für einen militärischen Beitrag gegeben habe."
"Woher wollen sie das wissen?" fragt er.
"Aus der Zeitung, ... aber eigentlich glaube ich das auch nicht. Bismarck hat vor mehr als hundert Jahren schon gesagt: Es wird nie so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd. Haben sie das Papier gesehen?"
"Nee."
"Na sehen sie, Westerwelle, Merz und Glos auch nicht."
"Sie müssens ja wissen", sagt der Tintenquäler.
"Nun werden sie mal nicht frech, junger Mann", sage ich.
"Papa, wer provoziert hier eigentlich wen?" fragt meine Tochter.
"Sag mal, was mischt du dich dauernd ein und überhaupt, du riechst nach Schweiß und sonstwas. Wie wärs, wenn du duschen oder baden gingest? So will ich dich nachher beim Mittagessen nicht am Tisch haben."
"Herr-mann, es reicht", sagt meine Alte.
"Schon gut, ... wollen sie auch ein Bier vor dem Essen", frage ich den Kanzler-Muschkoten.
"Ja, gerne."

Ich bin auf dem Weg in den Keller. Auf dem Flur läuft mir vollkommen nackt Susanne in die Arme: "Verdammt, kannst du deine Titten nicht bedecken?" fauche ich sie an.
"Das hat dich doch sonst nicht gestört. Sag blos, bei dir in der Hose tut sich noch was?" fragt mich meine Tochter frech.
Ich nutze die Gelegenheit, sie von oben bis unten zu betrachten. Nicht ein Schamhaar vor dem Möseneingang. Meine Tochter ist ein Prachtweib, eine Schönheit.
"Du bist verdammt hübsch, ich bin richtig stolz auf mich", sage ich grinsend.
Susanne umarmt, küßt mich und sagt: "Und du bist und bleibst ein Ekel, aber ich liebe dich trotzdem."
Ich sage: "Danke, ich dich auch, geh jetzt duschen."

"Der Blair und der Schröder führen Soldaten in einen Krieg, der nur böse enden kann", sage ich, als ich wieder in die Küche komme.
"Was meinen sie mit böse?" fragt der Tintenquäler.
"Na, sie wissen doch sicher, daß noch nie ein Feldzug durch die afghanischen Berge siegreich beendet wurde", sage ich.
"Eigentlich ist es ja gar kein Krieg, sondern eher eine Polizeiaktion mit militärischen Mitteln", meint der Pressesprecher.
"Ein Picknick mit Terroristenschießen, bei dem hunderte vielleicht tausende Afghanen ihr Leben lassen, ich weiß. Der Krieg lenkt natürlich wunderbar ab von dem obzönen privaten Reichtum, einer beschämend unnötigen Armut und Massenarbeitslosigkeit hier bei uns und auf der Insel. Anstatt hier Abhilfe zu schaffen, führen Blair und Schröder unsere Jungs in den Krieg der Amerikaner. Der Kanzler nutzt den verdammten Afghanistan-Krieg um über die negative innenpolitische Bilanz seiner Regierung hinwegzutäuschen, das wird ihm aber nicht gelingen."
"Amerika und die internationale Koalition gegen den Terrorismus haben das einzig Richtige getan", sagt mein Gegenüber blöde grinsend. Er hat einen kleinen Finger in den Flaschenhals gesteckt und kriegt ihn nicht mehr raus. Gottlob ist ihm das bei meiner Tochter nicht passiert.
"Da bin ich anderer Meinung, ich denke man hat unklug gehandelt. Amerika geht es nur ums Öl. Die Terroristen waren keine Afghanen und keine Taliban sondern Saudis und Leute aus den Emiraten. Nichts rechtfertigt das Töten unschuldiger Menschen in Amerika am 11. September, und nichts rechtfertigt das Töten unschuldiger Menschen irgendwo anders".
( ... )
"Wenn Amerikaner und Briten die Taliban aus dem Land jagen und Afghanistan befreien, so wäre das schon in ihrem Sinne, oder?"
"Die Amerikaner haben die Taliban geschaffen und nun schaffen sie sie mit Bomben wieder ab. Das sind so ihre bösen Spielchen."
"Sie sagen das, als käme das Böse aus Amerika", sagt Podgorni.
"Wer weiß das schon so genau. Ich weiß nur, daß die Mehrheit der Islamisten keine Terroristen, sondern Opfer der Ausbeutung der Ressourcen ihrer Länder durch den Westen sind. Würde wirklich ein Krieg gegen Terrorismus geführt, so sollten Spezialeinheiten die Strände Floridas stürmen, wo mehr von der CIA bezahlte Terroristen und ehemalige Lateinamerikanische Diktatoren und Folterer leben, als irgendwo sonst auf der Welt Zuflucht gewährt wird", sage ich.
"Ich hoffe vor allem, daß verhindert werden kann, daß diese Akteure einen weiteren Anschlag verüben", sagt Podgorni.
"Auch das kann nicht in Afghanistan, sondern nur in den USA und in Europa geschehen. Was ich nicht verstehe ist, warum die Terroristen diesen Weg gegangen sind. Haben sie mal daran gedacht, was geschehen wäre, wenn die die Ölförderanlagen in Saudi-Arabien in die Luft gejagt hätten anstatt die Flugzeuge in die Schwurfinger des Geldes zu lenken", frage ich.
"Diese wieder aufzubauen würde sicher Jahre dauern", sagt mein Gegenüber.
"In dieser Zeit läge die westliche Wirtschaft am Boden und würde sich nur ganz langsam erholen. Keine Sau könnte mehr Auto fahren ", sage ich.
"Rufen sie so ein Unglück lieber nicht herbei."
"Und wenn die Terroristen sich nun so in die Enge getrieben fühlen, daß sie diesen einen Schritt über den wir gerade nachdenken doch noch gehen?"
"Hört auf zu spekulieren, wir können Mittagessen. Holst du die Mädchen Herr-mann?" bittet mich meine Alte.
"Ja. ... Essen sie mit uns?" frage ich Podgorni.
"Wenn sie mich einladen?"
"Hoffentlich hält er wenigstens beim Essen die Klappe ", flüstert meine Alte.
Ich hab es gehört.

"Deutschland ist nicht Portugal, Irland oder die Niederlande, sagt der Kanzler. Da hat er recht! Der Unterschied besteht darin, daß diese Länder Wachstum, Wohlstand und Jobs schaffen, seit Jahren schon.
( ... )
Wachstum ist bei uns nahe Null angekommen, Wohlstand ist Armut gewichen und Jobs entstehen nur noch per Zufall."
( ... )
"Ich sehe unsere Politiker immer nur überheblich grinsen. Ihre Schwächen aber lassen einfach keine Entscheidungen zu", sage ich kauend.
( ... )
"Sie übertreiben", sagt mein Gegenüber, dem das Essen meiner Frau zu schmecken scheint.
"Nee bestimmt nicht!"
"Papi ..."
"Ja was is, mein Schatz?"
"Gabri -ück ... ele, meine beste Freundin, kennst du doch?"
"Klar, kenn ich die. Was is mit ihr?"
"Die -ück ... wächst auch nicht -ück ... mehr. Ich bin schon einen Kopf größer -ück ..."
"Siehst du, so ist das, wenn man nicht richtig ißt, oder beim Mittagessen quatscht."
( ... )
"Ich sag ihnen: Nicht Angst legt die Konjunktur lahm, sondern der Bundesfinanzminister und Konjunkturbremser Hans Eichel. Seine Lehrbuch-Theorien, rechnen kann er auch nicht, sind dumm und falsch. Die Entlassungen und Gewinneinbrüche des vergangenen Sommers waren erst der Anfang seiner falschen Politik. Vier Pfennig Tabaksteuer mehr vernichtet tausend Arbeitsplätze. Das mußte ihm erst gesagt werden.
( ... )
Siemens, SAP und IBM - man liest nur noch von Entlassungen und Gewinneinbrüchen. An eine Krise bei den Banken glaube ich nicht, die verdienen doch daran. Banken verlieren nie. Große Krise auch bei High Tech, weil kaum noch einer ein Handy oder Computer kauft - es sei denn bei Aldi", sage ich.
"An eine Bankenkrise glaub ich auch nicht", sagt Susannes Freund.
( ... )
"Die Rot-Grünen lassen Probleme, wie die Millionen von Arbeitslosen und die Probleme des Mittelstand einfach links liegen. Reformen werden halbherzig und gegen den Mittelstand umgesetzt. Eichel und Schröder versuchen sich damit herausreden, die schlechte Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und bei der Konjunktur habe ihre Ursachen in der weltpolitischen Lage. Nein, Deutschlands letzter Platz in Europa ist ihr Werk. Die größte europäische Volkswirtschaft hat versagt, weil weder Schröder, noch Eichel, noch Müller und Riester erst recht nicht, auch nur die blasseste Ahnung von Ökonomie haben."
( ... )
"Die Arbeitslosenzahlen werden schon noch sinken, Herr-mann. Schröder hats versprochen, oder nicht?" sagt meine Frau.
"Quatsch nicht, das er sich daran messen lassen will hat er gesagt", sage ich und nehme mir noch Fleisch und Kartoffeln.
"Wir werden die Berechnungsmethoden für die Erwerbslosenstatistik ändern und den Standards anderer westeuropäischer Länder anpassen. Schon haben wir 500.000 Arbeitslose weniger. Und dann lassen wir Arbeitslose, die älter sind als 58 eine Erklärung unterschreiben, daß sie nicht mehr vermittelt werden wollen und unser Arbeitsminister will im Wahljahr massiv neue ABM-Jobs schaffen, hat er gesagt. Ich denke, wir kommen noch unter die dreieinhalb Millionen", sagt Susanne.
Ich werfe mein Besteck auf den Tisch. Erschrocken sehen mich alle an.
"Stimmt das, was Susanne sagt?" frage ich den Presseheini.
( ... )
"Zumindest fordert das der sozialpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus Brandner. Diejenigen, die faktisch gar keine Arbeit suchen, sollten in der Statistik auch nicht mehr erscheinen, meint er."
"Ihr wollt die Arbeitslosenstatistik schönen damit Schröder im Wahljahr gut dasteht und sagen kann: Seht her, ich hab die Arbeitslosen ..."
"Schönen ist wohl nicht das richtige Wort", sagt mein Gegenüber.
"Nee, gefällt ihnen Wählerbetrug besser?" frag ich ihn.
"Arbeitsmarktstatistiken sollten schon korrekt dargestellt werden dürfen."
( ... )
"Sparen auf Teufel komm raus, aber Steuergeschenke für Reiche und Unternehmen", sage ich.
( ... )
"Es gibt Investitionsbedarf, das gebe ich zu, zum Beispiel in der Infrastrukturstruktur, im Transportwesen oder im Bauwesen. Diese Finanzspritzen sollte die Regierung sofort einsetzen. Man kann sie stoppen, wenn sie konjunkturell nicht mehr notwendig sind. Wenn ich die Regierung wäre, würde ich nach solchen sofortigen und zeitlich begrenzten, steuerpolitischen Anreizen suchen", sagt Susannes Freund.
"Herr Podgorni, sie müssen doch zugeben, man hat in den letzten drei Jahren zuviel versäumt. Die Vermögenssteuer, ein Steuergeschenk an die Reichen in Höhe von 30 Milliarden Mark pro Jahr. Rot-Grün ließ sie fallen. Hätte man die 30 Milliarden in Investitionsprogramme gesteckt, wären 150 bis 200.000 Arbeitsplätze entstanden. Die Tatsache, daß unsere Regierung darauf verzichtet hat, an der Vermögenssteuer festzuhalten, übrigens gegen ihr Wahlversprechen, kann ich mir nur so erklären, daß sie Angst vor Konflikten mit den Reichen und Vermögenden hat. Die Vermögenssteuer gehört doch zu den normalen steuerpolitischen Instrumentarien, in allen großen Industrieländern gibt es sie. Die Gewinnsteuern der Kapitalgesellschaften, die sogenannte Körperschaftsteuer: Erst wollten die rot-grünen Heinis die Körperschaftssteuer bei 40 Prozent festmachen. Tatsächlich wurde sie ohne Not auf 25 Prozent gesetzt. Ein Steuergeschenk für Unternehmen von 13 Milliarden Mark pro Jahr. Das Geld nehmen die Reichen und die Unternehmen, nicht um es in Arbeitsplätze zu investieren, sondern um auf nationalen und internationalen Finanzmärkten zu spekulieren. Nehmen wir die Steuerhinterziehung. Dagegen geht diese Scheißregierung, entgegen ihren Wahlversprechen nicht rigoros vor. Steuerausfälle in Höhe von mindestens 30 Milliarden pro Jahr. Wie schon bei der Vermögensteuer könnten mit dieser gewaltigen Summe durch Investitionen 200.000 neue Arbeitsplätze in zirka drei Jahren entstehen. Dazu kämen aus der Körperschaftsteuer 70.000 Arbeitplätze in drei Jahren. Und die Gelder aus der Vermögenssteuer hätten 200.000 Arbeitplätze gebracht, auch in drei Jahren. Das sind fast ne halbe Million verschenkte Arbeitsplätze in eurer Regierungszeit."
"Hier kann ich schlecht wiedersprechen, weil sogar Herbert Ehrenberg, ehemaliger Arbeits- und Sozialminister der SPD sagt: Bleiben wir bei dieser Sparpolitik so sind wir dabei nicht kurzfristig, aber mittelfristig auf den Weg in eine tiefe Wirtschaftskrise hinein zu kommen. Mit der gesellschaftlichen Folge, sagt er: Daß das Vertrauen in den Staat verloren geht."
Das sagt Podgorni und ich staune.
"Schröder und seine Minister haben in einer viertägigen Debatte kein Wort dazu gesagt, wie sie die Probleme im Land lösen wollen, sondern nur ihre verfehlte Politik verteidigt", sage ich.
( ... )
Ich warte gedankenversunken, bis alle mit dem Essen fertig sind. Dann stehe ich auf und sage: "Ich leg mich ne Stunde aufs Ohr."

[ 1 ] Neoliberalismus und Globalisierungstheorien sind Ideologien, die die tatsächliche Funktionsweise der Welt in der wir leben, die tatsächlichen Beziehungen zwischen Unternehmen und Staaten, zwischen Industrie und Finanzen verschleiern.

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