Die Firma - Kurzinhalt

Teil 3

Dienstag, 18. Juli

Seit Sonnabend sind Veronique und Rick auf der grünen Insel. Sie sind zu Gast bei James Scott, dem Buchautoren, auf seinem Landsitz in Cornwall. Cornwall dem Land von König Arthur.

Windumtoste Klippen, unzählige goldgelbe Sandbuchten, in grün gebettete Flussmündungen, mittelalterliche Burgen, das ist Cornwall. Seine grünen Hügel, auf denen Schafe, Pferde und Kühe zwischen gelbbraunen stacheligen Ginsterbüschen grasen, das ist auch Cornwall. Beinahe mit Mittelmeer-Botanik. In den Hügeln mannshohe Hecken, und zwischen den Hecken die kurvigen Landstraßen.

Die Königin der Briten ist in Berlin um das neue Konsulat zu eröffnen. Die Tour de France 2000, das Sportereignis des Jahres bewegt sich in Richtung Freiburg.

Ein Hoch hängt über der Insel und sorgt für angenehmes Wanderwetter. Das Veronique gut zu Fuß ist, hatte Rick in Paris gemerkt. Eine Woche lang hatten sie sich dort aufgehalten. Den Fremdenführer spielte Marc Duquesne, der Maler. Es war lustig. Wenn Veronique und Marc ihre Späße trieben, dann blieben die Leute stehen und sahen ihnen zu. Die Franzosen hielten Veronique für eine der Ihren. Rick hatte schnell eingesehen, dass nur die Zöpfe, die ein jedes Mädchen mit langen Haaren im Internat hatte tragen müssen, sie wie eine Indianerin hatte aussehen lassen. Das Farbfoto hatte auch getäuscht. In Wirklichkeit war ihre Haut viel heller. Veronique hatte Rick erklärt, dass die Farbe ihrer Haut von ihrem Aufenthaltsort abhänge. Natürlich sei sie ein Halbblut, eine Métis, ein Mischling indianisch-europäischer Abstammung.

Die Reise nach Paris hatte Rick Veronique für das bestandene Abitur zum Geschenk gemacht. Nach dieser Reise war seine Nichte dann nach Bergen aan Zee umgezogen. Grete konnte ihr Glück kaum fassen. Sie betrachtet Veronique als Gottesgeschenk. Veronique folgte ihr überall hin. Nach wenigen Tagen schon, fuhr sie für Grete mit dem Fahrrad ins Dorf zum Einkaufen, und oft musste Rick sich Gretes Gejammere anhören: >>Wo bleibt das Kind nur, sie ist nun schon so lange fort?<< Rick musste sie dann beruhigen. Veronique wurde einfach nur von den Jungs oder beim Kaufmann aufgehalten.

Rick hatte in Ruhe arbeiten können. Gemeinsam wanderten sie oft vor oder nach dem Mittagessen durch die Dünen zum Strand. Auf ihren Wanderungen wurden auch ernste Dinge besprochen: Sarahs Schwangerschaft, das Baby, das vor Weihnachten kommen sollte. Rick äußerte den Wunsch Sarah zu heiraten.

Veronique hatte mit Rick ganz offen über ihre Pläne gesprochen. Ein naturwissenschaftlich-technisches Studium strebte sie an. An Regentagen verschlang sie ein Buch nach dem Anderen. Bücher hatte Rick nun wirklich genug. Seine Nichte würde Jahre brauchen, sie alle zu lesen.

Gemeinsam hatten sie an einem Tag, bei besserem Wetter, eine Kutterfahrt gemacht, und draußen die Asche ihres Vaters ins Meer gestreut. Veronique hatte gebetet, und als letzten Gruß hatten sie Blumen ins Meer geworfen. Diese waren von den Wellen fortgetragen worden, und als sie nicht mehr zu sehen waren, hatte das Schiff kehrt gemacht und war in den Hafen zurückgekehrt. Beim Verlassen des Kutters hatte der Skipper von Rick ein Kuvert empfangen. Wieder zu Hause, war Veronique in ihr Zimmer gegangen und mit ihrer Gitarre ins Wohnzimmer zurückgekehrt. Sie hatte sich ans Fenster begeben und sich dort mit gekreuzten Beinen am Boden niedergelassen. Sie brachte die bauchige Sologitarre zum weinen, und sie hatte sie fröhlich klingen lassen. Veronique hatte gesungen: I‘ ve been missing you ... und Say goodbye to it all, Say goodbye, Say goodbye ... Von Alexandra hatte sie „Das Glück kam zu mir wie ein Traum“ auf deutsch gesungen. Rick hatte still im Sofa gesessen und ihrem Gesang zugehört. Er konnte nicht sagen, ob das ihr Abschied vom Vater gewesen war. Leise hatte sie danach die Gitarre bei Seite gelegt, und sich zu ihm aufs Sofa gesetzt. Rick hatte den Arm um sie gelegt, und dann war sie in seinen Armen eingeschlafen. Auch ihr machte die Nordseeluft zu schaffen.

Sonntag waren sie zu dritt in Lynton und Lynmouth gewesen. Diese Orte befinden sich an der Nordküste im Devonschen-Teil des Exmoor-Nationalparks. Lynton und Lynmouth sind durch eine Seilbahn verbunden, die zwischen dem hochgelegenen Lynton und dem am Strand gelegenen Lynmouth verkehrt. James, Rick und Veronique hatten den Fußweg von Lynton nach Lynmouth gewählt, wegen der Aussicht auf die Bucht, in die der Fluss Lyn mündet. Rick hatte es Veronique freigestellt sich am Hafen an den Kieselstrand zu legen, oder einfach nur durch Lynton oder Lynmouth zu bummeln.

Am Montag waren sie in dem Künstlerstädtchen St. Ives. Die Maler standen mit ihren Staffeleien am Porthmeor Beach. Sie hatten einen Hafenspaziergang gemacht und das mediterrane Licht genossen. In einer der vielen Badebuchten, war Veronique ins Wasser gegangen, um sich zu erfrischen. Dabei hatten die Surfer, die faul am Strand lagen sie nicht aus den Augen gelassen. Einer war so mutig, zu ihr zu gehen und sie anzusprechen. Mit ihm hatte sie sich lange Zeit unterhalten.

Man sitzt an diesem Dienstagmorgen im Garten und frühstückt. James fragt: >>Du warst einige Male in Deutschland. Was gibt es denn so für Neuigkeiten aus Oldgermany?<<

>>Ach, James, da hat sich nicht viel verändert. Egoisten sind nach wie vor an der Macht. Abhängig Beschäftigte haben die Wiedervereinigung bezahlt. Weil es so einfach war ihnen das Geld aus der Tasche zu nehmen, lässt man sie weiter bluten.<<

>>Wie ist die neue Regierung so?<<

>>Unter dem Vorwand, sie müssten die Schulden ihrer Vorgänger abbauen, wird der Bevölkerung immer mehr Geld abgeknöpft. Dazu hat man neue Steuern erfunden. Die Konzerne sind von der Steuer befreit. In den so genannten Neuen Bundesländern haben große namhafte deutsche Unternehmen neue Fabriken gebaut. Das Geld dazu holten sie sich vom Staat. In Japan, oder in den USA wäre so etwas undenkbar. Arbeitsplätze wurden wie nicht anders zu erwarten war, kaum geschaffen.<<

>>Hm ...<<

>>Die Deutschen sind mächtigen supernationalen Kapitalinteressen nahezu wehrlos ausgeliefert.<<

>>Eine schlimme Entwicklung. Wie zum Teufel haben die ihr Ziel erreicht?<< fragt James.

>>Du kennst doch die griechische Sage vom trojanischen Pferd?<<

>>Ja, natürlich!<<

>>Na siehst du! ... Sag mal James, um auf ein anderes Thema zu kommen, was macht deine Arbeit?<< will Rick wissen.

>>Im Moment arbeite ich kaum. Worüber soll ich schreiben? Der Kalte Krieg ist vorüber. Mein letztes Buch wird gekauft, ist aber kein Bestseller geworden.<<

>>Das tut mir leid.<<

>>Macht doch nichts ...<<

>>Ich hatte Besuch von einem befreundeten Journalisten. Der hat Sarah und mir von seiner Arbeit erzählt. Hast du schon mal von der National Security Agency, von dem globalen Abhörnetzwerk ECHELON, von einem europäischen Abhörnetzwerk ENFOPOL und von der europäischen Geheimpolizei EUROPOL - seit 1999 im Einsatz - gehört oder gelesen?<<

>>Ich habe davon gelesen ... Sag, was hat dein Freund herausgefunden?<<

>>Das ist eine ganze Menge und reicht allemal, um ein Buch darüber zu schreiben. Er will es nicht tun und deshalb fragte er mich. Ich wiederum sagte ihm, das sei eher Stoff für dich.<<

>>Und du sagst, das Internet ist voller Informationen darüber?<<

>>Ja, ich fand eine unglaubliche Menge an Informationen.<<

>>Komm, zeig mir das am Computer<<, bittet James und sie gehen ins Haus.



Britischer Geheimdienst MI-5 liest E-Mails ... Ein neues Gesetz verabschiedet ... Überwachung schon seit Oktober 2000 ...



>>Das ist ein starkes Stück<<, murmelt James Scott.

>>Das ist nur eine Seite.<<



Die britische Polizei überwacht ab Oktober E-Mails im Internet und kann verschlüsselte Nachrichten beschlagnahmen. Die Regierung lobt das jetzt verabschiedete Gesetz als Bollwerk gegen das organisierte Verbrechen. Datenschützer sehen es als Einstieg in den Orwellschen-Überwachungsstaat. Im Ober- und Unterhaus nahm das Gesetz zur Regulierung der Ermittlungsvollmachten die letzten parlamentarischen Hürden. Nach der königlichen Unterschrift tritt es im Oktober in Kraft. Internet-Anbieter müssen dem MI-5 - dem britischen Geheimdienst - sichere Kanäle zu seiner eigens dafür errichteten Abteilung öffnen. Für das Aufstellen so genannter Black-Boxen wird die Regierung 20 Millionen Pfund zur Verfügung stellen.

Auch das FBI kann E-Mails mitlesen: US-Behörde nutzt neuartiges Abhörsystem „Carnivore“. Das FBI hat mit Carnivore ein mächtiges Ermittlungsinstrument. Das Programm findet innerhalb kürzester Zeit unter Millionen von E-Mails den Brief eines Verdächtigen. Das System heißt Carnivore, Fleischfresser, weil es das Filetstück in den Weiten des Datennetzes findet, in dem es innerhalb einer Sekunde angeblich Millionen von Nachrichten liest. Dazu muss die US-amerikanische Bundespolizei FBI das System auf Servern direkt bei den Internet-Providern einsetzen. Dort überprüft es Absender-, Empfänger- und Betreffzeile der ein- und ausgehenden E-Mails. Verdächtige Botschaften werden komplett kopiert. Die Kontrolle liegt beim FBI, nicht bei den Providern. Erst kürzlich wurde bekannt, dass das Programm bereits seit einem Jahr Spuren im Cyberspace verfolgt. Das FBI darf nur mit richterlicher Genehmigung vorgehen. Die Behörde versichert, dass ausschließlich die E-Mails des Verdächtigen gespeichert werden. Datenschützer vergleichen Carnivore mit dem Echelon-Abhörsystem der NSA.



>>Echelon, da haben wir‘s<<, murmelt James Scott.

>>Du wirst sehen, wenn du dich dort richtig umsiehst, hast du im Nu Stoff für ein Buch zusammen. Du wärest nicht einmal auf das Material von Peter angewiesen, obwohl er es dir zur Verfügung stellen will. Letztendlich ist es doch egal, ob es um Spionage zwischen den Großmächten, oder um Industriespionage geht<<, sagt Rick.

James, der die Internetverbindung kappt, nickt und sagt: >>Ja, sicher, ich werde mir von dem, was ich da eben gesehen habe einiges noch einmal ansehen, es lesen und mir Gedanken machen. Einen Journalisten zum Hauptdarsteller zu machen, wäre doch was, oder was sagst du?<<

>>Peter würde sich sicher geehrt fühlen.<<

>>Lass uns wieder in den Garten gehen<<, sagt James.

Auf dem Weg dorthin sagt Rick: >>Wusstest du, das hier auf der Insel, Arbeitslose überwacht werden?<<

>>Ist nicht wahr?<< staunt James.

>>Doch. Ich muss gerade an Peters Worte denken, er sagte nämlich: Wo Großbritannien führt, folgen andere bald nach. Bei derzeit neunzehn Millionen Arbeitslose in Europa, leuchtet mir das durchaus ein.<<



Dr. Alexander Simon betritt das Polizeipräsidium in Frankfurt. Er braucht nur wenige Minuten bis an die Tür zu Bruns Büro. So oft ist er vor wenigen Monaten diesen Weg gegangen, wissend, dass er nicht willkommen war. An der Tür hält er einen Augenblick inne, dann drückt er den Türgriff hinunter und tritt ein. Am Schreibtisch stehen Bloch und Bruns.

>>Hallo, Alexander<<, sagt Bruno.

>>Tag, Dr. Simon<<, sagt auch Harald Bloch und drückt ihm einen großen Strauß Blumen an die Brust. >>Willkommen in meiner, ... unserer Abteilung.<<

>>Danke<<, sagt Dr. Alexander Simon und gibt ihm die Hand.

>>Du siehst gut aus, alter Junge<<, sagt Bruno.

>>Du auch<<, antwortet der bewegt und fasst unbewusst an sein Barett, die seine Verletzung am Kopf verdecken soll. >>Macht jetzt blos nicht so viel Trara um meine Person. Ich bin ja nicht zum ersten Mal in diesem Büro<<, sagt er.

Heute soll Alexanders erster Arbeitstag sein. Nachdem Dr. Simon von Ärzten des BKA untersucht worden war, und diese ihn für Dienstuntauglich erklärt hatten, war Bruno auf die Idee gekommen es bei der Polizei in Frankfurt zu versuchen. Nach Tagen und Wochen voller Niedergeschlagenheit wurde er in Frankfurt noch einmal untersucht. Diese Untersuchung war nicht nur gründlicher gewesen, sondern auch positiv ausgefallen. Dr. Simon hätte auch als Dozent zur Polizeischule gehen können, doch er hatte sich für den Polizeidienst entschieden. Bei der Frankfurter Kriminalpolizei werden in nächster Zeit zwei neue Abteilungsleiter gebraucht. Bloch und der Leiter vom Rauschgiftdezernat werden in den verdienten Ruhestand gehen. Das Rauschgiftdezernat soll Dr. Alexander Simon leiten. Bruns die Mordkommission.

>>Wo ist Sidne?<< fragt er.

>>Der macht einen Lehrgang bei deinem alten Verein.<<

>>Und Rosa ist wieder bei der Staatsanwaltschaft?<<

>>Rosa ist lange wieder drüben<<, sagt Bruno.

>>Tja, dann werde ich mal wieder in mein Büro gehen. Wenn ihr mich braucht, ihr wisst ja wo ihr mich findet?<< sagt Bloch.

>>Dr. Simon und ich sehen die Unterlagen von Europol durch<<, sagt Bruno.

Bloch verlässt das Büro. Alexander und Bruno setzen sich, um die von Europol zugestellten Unterlagen zu sichten und zu besprechen.

Bruno holt seine Aktentasche, die er jeden Morgen - meistens leer - zwischen zwei Schränke schiebt und sagt: >>Hier hab ich noch was. Sieh‘s dir mal an, und sag mir, was du davon hältst<<, bittet Bruno.

Alexander nimmt den Ordner entgegen und sieht hinein. Nach einigen Minuten fragt er: >>Woher hast du das Material?<<

>>Von den Amerikanern<<, sagt Bruno leicht hin.

>>Du hast also die Amis doch noch um Hilfe gebeten, wie du es Ostern schon angedeutet hast.<<

>>Ja, wenn es dieses die Welt umspannende Spionagesystem schon gibt, warum sollten wir nicht davon profitieren.<<

>>Das BKA hat dich, obwohl ich deswegen im März extra nach Wiesbaden gefahren bin, nicht mit Hinweisen versorgt?<<

>>Von denen ist nicht ein Fetzen Papier bei uns angekommen.<<

>>Und vom LKA aus Bayern, ist denn von dort was gekommen?<<

>>Von denen habe ich seit Gutzeit abgehauen ist, nie mehr was gehört. Wir haben es Weber zu verdanken, dass Ebert geschnappt werden konnte. Dem LKA-Bayern wäre auch der durch die Lappen gegangen. Manchmal denke ich, das war beabsichtigt.<<

>>Was lässt dich zu so einer Annahme kommen?<<

>>Na, erinnere dich doch mal. In Bayern ist doch die Staatsanwaltschaft wegen dubioser Waffengeschäfte und Schmiergeldzahlungen hinter dem Vogel Strauss her. Die letzte Meldung darüber war doch, dass die beschlagnahmten Festplatten spurlos verschwunden sind. Ich kann mir nicht helfen, aber wenn ich an so was und an die Spendenaffäre denke, die einen ganzen verdammten Bundestagsausschuß beschäftigt, dann denke ich an die, ... na du weißt schon, die da die Fäden ziehen.<<

>>Darüber habe ich in der Klinik auch gelesen.<<

>>Rosa hat den Ebert vernommen, wie du weißt. Der sprach auch von Leuten im Hintergrund. Demnach gibt es mehr Gutzeits.<<

>>Hier steht, Gutzeit hält sich in Florida auf. Er telefoniert häufig mit einem gewissen Marquard in Münster.<<

>>Sehen wir doch mal nach, ob ähnliches auch in den Unterlagen von Europol zu finden ist<<, sagt Bruno.

>>Warte ...<<

>>Nichts, oder?<< fragt Bruno.

>>Doch! Laut Europol hält er sich in Mexiko auf. ... Hier! Was er dort treibt, davon steht hier nichts<<, sagt Alexander.

>>Hier steht noch was über Marquard. Der arbeitet bei der Telekom in Münster. Überhaupt ist die Liste, die ich hier in der Hand halte ganz interessant. Sieh mal, Alexander. Das hier ist die Liste mit den Namen ehemaliger Tschekisten, die ich den Amis gegeben habe als ich sie um Hilfe bat. Sieh dir an, was die Amis alles über diese Leute wissen. Sogar die Tarnnamen kennen die. Ich habe da irgendwo mal so eine Liste gesehen, wo auch nur Tarnnamen aufgeführt waren. Ich seh mal, ob ich die finde.<< Bruno reicht die Liste, die er in der Hand hält, an Alexander weiter.

>>In den Unterlagen von Europol erscheint auch ein Gerhard Marquard, allerdings mit Wohnsitz in Eisenach, Thüringen. Es heißt, er habe Kontakte zur rechtsextremistischen Szene. Telefoniert viel im Ausland herum, Chattet viel im Internet, hauptsächlich auf Homepages die von Neonazis ins Netz gestellt wurden. Hier, das ist auch interessant! Hier wird von einem Dokumentencenter DOCE mit Sitz in Luxemburg berichtet. Das Dokumentencenter bietet Interessenten Stasi-Unterlagen an. Ich vermute mal, für sehr viel Geld.<<

>>Denke ich auch<<, antwortet Bruno, der die Liste mit den Tarnnamen inzwischen gefunden hat. >>Lässt du mich mal die Tarnnamen sehen?<< Bruno beugt sich über Alexander, um die vor ihm liegenden Listen zu vergleichen. >>Keine Übereinstimmung, so viel ich sehen kann. Steht da auch etwas über den Inhaber der Firma, ich meine wer verbirgt sich hinter DOCE?<< will Bruno wissen.

>>Nein, ich seh nichts.<<

Es klopft und Bloch tritt ein. >>Ich habe hier was für euch<<, sagt er. >>Das kam eben von der Gauck-Behörde.<<

>>Und was steht drin?<< fragt Bruno.

>>Lies selbst<<, sagt Bloch und reicht Bruno das Fax. Ohne weiteren Kommentar er das Büro wieder.

>>Was wollen die?<< fragt Alexander.

>>Nun, hier steht, dass die Gauck-Behörde einen Mann in die Türkei geschickt hatte. In Istanbul habe der Mann die von uns angegebene Adresse aufgesucht. Der Container sei nicht mehr da gewesen. Dafür habe ihn die Polizei verhaftet. Er wurde erst wieder freigelassen, nachdem das deutsche Konsulat bestätigt hatte, dass er Abgesandter einer deutschen Behörde ist. ... Der Ärmste! Ein türkisches Gefängnis, soll ja nicht gerade ein Vergnügen sein dort einzusitzen. ... Weiter, steht hier, dass der Inhaber der Lagerhalle ermordet wurde. ... Das ist alles<<, sagt Bruno.

>>Hm<<, hört Bruno Alexander sagen und sieht zu, wie dieser nach dem Telefon greift. Alexander wählt eine lange Telefonnummer.

Muss wohl eine Auslandsnummer sein, denkt er und hört, was Alexander sagt.

>>Ruf mich an, wenn du herausgefunden hast, wer dahinter steckt<<, bittet Alexander und gibt dem Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung Brunos Telefonnummer.

>>Habicht, Franz<<, murmelt Bruno, >>wohnt in Frankfurt. Ihm werden Kontakte zur KoKo nachgesagt. Er soll früher Antiquitäten und Kunstwerke sowie NS-Symbole verramscht haben. Hat Waffen für Guerilla beschafft. Habicht ist Ehrengeneral der kubanischen Armee. Donnerwetter! Was es so alles gibt. ... In den 50er Jahren wurde er wegen Spionage und Anstiftung zum Mord gesucht. Fragt sich nur von wem? 1996 war er an einem Raub eines Gemäldes im Westen beteiligt. ... Andreas Lindner und Fritz Heemsroth, zwei Offiziere plünderten die Firmen-Kasse. Wahrscheinlich mehr als einhundert Millionen Mark in verschiedenen Währungen. Lindner wohnt in Darmstadt, und Heemsroth in Neu-Isenburg. ... Dass hier ist ja interessant: Inoffizielle Mitarbeiter und die so genannten Offiziere im besonderen Einsatz, befinden sich heute in den Chefetagen neuer Holdings und GmbHs. Es haben sich überall im Land kleine Sicherheitsdienste aus der alten „Firma“ heraus gebildet. Noch vor der Wiedervereinigung kaufte sich die „Firma“ unter Decknamen in Treuhandfirmen ein, erwarb so wertvolle Grundstücke und Immobilien.<<

Das Telefon macht sich bemerkbar. Bruno langt umständlich nach dem Hörer, und meldet sich. Nach wenigen Augenblicken reicht er den Hörer weiter und sagt: >>Für dich.<<

Alexander meldet sich und sucht sofort nach Papier und Bleistift. Dann fängt er an, mitzuschreiben. Als er nach einiger Zeit den Hörer wieder aufs Telefon zurücklegt, fragt ihn Bruno: >>Na, was ist?<<

>>Otto Hartmann gründete die DOCE. Er lebt seit Anfang der 90er Jahre in einer Villa am Genfer See, genauer gesagt in Villeneuve, etwa viezig Kilometer von Lausanne. Inzwischen ist er Schweizer Staatsbürger. Früher Beschaffer von Embargowaren. War beteiligt an KoKo-Holdings in ganz Europa. Er führte ein Netz von Tarnfirmen in der BRD, Österreich, Schweiz, Luxemburg und Dänemark. Günter Haas, Mitinhaber der gleichnamigen Firma sitzt in Berlin in Untersuchungshaft wegen des Verdachts, zur Wende mehr als 30 Millioneno Mark verschoben zu haben. Ein Teil des Geldes konnte auf Konten in Luxemburg sichergestellt werden<<, berichtet Alexander.

>>Das sind ja Früchtchen<<, sagt Bruno. >>Hier ist noch so einer, Michael Reinders: KGB-Agent, aber auch Mitarbeiter der „Firma“. Der hatte früher in Ostberlin eine eigene Firma für nachrichtentechnisches Gerät und wurde in den 80er Jahren wegen Spionage und Anstiftung zum Mord gesucht. Ich frage mich: von wem wurde er gesucht. Vom Westen, oder vom Osten?<<

>>Steht bei dir etwas über Kontakte, die er unterhält?<<

>>Nein.<<

>>Aber hier! In den Unterlagen von Europol steht, dass Reinders oft bei Marquard in Münster und bei einem Franz Habicht anruft.<<

>>Habicht, das ist doch dieser Antiquitätenhändler, der jetzt in Frankfurt lebt. Von dem Habicht habe ich doch gerade noch gelesen? Ja, stimmt. Der war im Westen an einem Raubüberfall beteiligt. Aber weiter im Text! Hier wird es wieder interessant: IM Harald Bach, alias Dr. Robert Sandmann. Hat zu DDR-Zeiten geheime Obduktionen an von der „Firma“ ermordete vorgenommen und dann die Ergebnisse gefälscht. Trotz seiner Enttarnung wurden ihm nach der Wende von Polizei und Justiz in den Neuen Bundesländern jede Menge Aufträge für medizinische Gutachten erteilt. Von Ämtern, die bereits Ermittlungen gegen ihn geführt haben. Unglaublich! ... Sandmann lebt und arbeitet seit 1997 in Frankfurt. Er beteiligt sich an Repression gegen Opfer von einst. Hat u. a. Gauck-Mitarbeiter bedroht. Arbeitet nachweislich daran, das Alt- Tschekisten sich vernetzten. Organisiert konspirative Treffs. Der US-Geheimdienst CIA, glaubt beweisen zu können, dass ein 1998 bei einem Verkehrsunfall in Berlin getöteter Ex-Oberstleutnant der „Firma“ einem Anschlag zum Opfer fiel. Der Anschlag sei von Sandmann befohlen worden. Anschläge gegen Verräter befiehlt Sandmann fast täglich. So wurde ein Anschlag auf einen Tschekisten verübt, der sich beim BND gemeldet hatte um zu plaudern. Morddrohungen gegen ehemalige DDR-Sportler, die wegen Dopings gegen Ärzte und Trainer aussagen wollten, wurden von Sandmann oder seiner Seilschaft veranlasst. Im Untersuchungsausschuss des Bundestages zur „Firma“ sollten drei Zeugen zur Geldwäsche einiger Milliarden befragt werden. Wenige Tage vor ihrer Vernehmung sind diese Zeugen unter ganz merkwürdigen Umständen gestorben. Karl-Georg Platt, Geschäftsführer der MANAMA GmbH in Aachen kam im Leipziger Interhotel Stadt Leipzig unter ungeklärten Umständen zu Tode.<<

>>Habicht und Sandmann werden wir uns mal näher ansehen<<, meint Alexander.

>>Ja, aber weist du was? Mir reicht es fürs Erste. Das Zeug hier, ist ganz einfach unappetitlich<<, sagt Bruno.

>>Es ist Mittag, wollen wir was essen?<< fragt Alexander.

>>Gut, gehen wir was essen<<, sagt Bruno.



>>Im Wolfswinkel 12, die Adresse passt irgendwie zu Sandmann, was meinst du?<< fragt Bruno.

>>Teure Wohngegend hier, oder?<<

>>Eine von vielen<<, antwortet Bruno und betätigt die Türglocke. Im Haus wird eine Melodie hörbar, die nicht enden will. Nach kurzer Zeit öffnet eine ältere Dame die Haustür und fragt: >>Sie wünschen?<<

>>Wir möchten bitte zu Dr. Robert Sandmann<<, sagt Bruns und sieht an der Frau vorbei in den Eingangsbereich.

>>Mein Bruder ist sehr beschäftigt, was wollen sie?<<

>>Wir sind von der Polizei und möchten ein Paar Fragen an Dr. Sandmann richten<<, sagt Bruns.

>>Polizei, was hat mein Bruder mit der Polizei zu tun? ... Na, schön. Kommen sie rein und warten sie. Ich hole meinen Bruder.<<

>>Danke, sehr freundlich<<, sagt Bruns.

Die beiden Kommissare treten ein, und sehen der Frau nach, die eine breite Treppe hocheilt.

>>Dem muss es ja richtig gut gehen<<, sagt Alexander.

>>Solchen Leuten geht es immer gut, es sei denn wir können sie hinter Gitter bringen<<, sagt Bruns.

>>Was kann ich für sie tun?<< fragt ein Mann, der die Treppe herunterkommt. Sandmann ist etwa fünfundfünfzig Jahre alt, hat graue, fast weiße Haare, ist schlank und sportlich gebaut.

>>Wir haben ein Paar Fragen. Würden sie uns einige Minuten ihrer kostbaren Zeit schenken?<< fragt Bruns.

>>Kommen sie mit, wir gehen auf die Terrasse.<<

Auf der Terrasse angekommen, stellt Bruno sich vor und sagt: >>Das ist übrigens mein Kollege Dr. Alexander Simon.<<

>>Ein Kriminalbeamter mit einem Doktortitel. Das ist ja ganz was Neues<<, sagt der Hausherr grinsend.

>>Herr Dr. Simon ist einer der besten Kriminologen in Frankfurt, vielleicht bedauern sie die Bemerkung irgendwann einmal<<, sagt Bruno ebenfalls grinsend.

>>Entschuldigen sie, Herr Dr. Simon<<, sagt Sandmann schnell.

>>Sie sind Gerichtsmediziner?<< fragt dieser.

>>Ja, warum?<<

>>Sie haben in der ehemaligen DDR studiert und gearbeitet?<<

>>Ja, das ist korrekt.<<

>>Womit verdienen sie heute ihr Geld?<<

>>Als Gerichtsmediziner natürlich.<<

>>Hier in Frankfurt, am Gerichtsmedizinischen-Institut?<< fragt er weiter.

>>Ihr Name ist uns vom Institut her nicht bekannt. Sind sie dort schon länger angestellt?<< fragt Bruns.

>>Nein.<<

>>Wie, nein?<< fragt Alexander.

>>Ich erstelle ab und zu Gutachten für die Gerichte und andere Institutionen. Nur dann arbeite ich im Institut.<<

>>Was sind das für Institutionen?<<

>>Das können die Behörden oder aber auch Unternehmen sein.<<

>>In den neuen Bundesländern wurden sie beschuldigt, zu DDR-Zeiten geheime Obduktionen an von der „Firma“ ermordete vorgenommen, und die Ergebnisse gefälscht zu haben<<, sagt Alexander.

Sandmann wird blass, antwortet aber sofort: >>Das waren Verleumdungen, wie sie sich denken können.<<

>>Ja, natürlich. Sagen sie, wie kann man von ein Paar Obduktionen und Gutachten für die Gerichte so leben?<< Alexander macht eine entsprechende Handbewegung und fährt fort: >>In der Einfahrt stehen ein Porsche und ein Mercedes der gehobenen Klasse.<<

>>Auf was wollen sie hinaus?<< Zornesröte wird im Gesicht von Sandmann sichtbar.

>>Wir sind gleich fertig, Herr Dr. Sandmann. Regen sie sich nicht auf. Kennen sie einen Herrn Gutzeit?<< fragt Bruns.

>> ... Nein, wer soll das sein?<< fragt Sandmann wieder gefasst und lächelnd.

>>Kennen sie einen Herrn Günter Haas?<< fragt Alexander.

>> ... Nein.<<

>>Otto Hartmann?<< fragt Bruns.

>> ... Nein.<<

>>Das wars schon, oder hast du noch eine Frage, Alexander?<<

>>Ja, eine Frage noch. Sagen sie Dr. Sandmann, was glauben sie, warum werden sie vom amerikanischen Geheimdienst CIA überwacht?<<

Sandmann wird noch blasser und stammelt: >>Sie, ... sie sind ja verrückt.<<

>>So, glauben sie?<< Sagt Dr. Simon schneidend. >>Sie beteiligen sich an Repression gegen Opfer von einst. Sie sollen Gauck-Mitarbeiter bedroht haben. Sie arbeiten nachweislich an einer Vernetzung von Alt-Tschekisten. Sie organisieren konspirative Treffs. Der US-Geheimdienst CIA glaubt beweisen zu können, das ein 1998 bei einem Verkehrsunfall in Berlin getöteter Ex-Oberstleutnant der „Firma“ einem Anschlag zum Opfer fiel. Der Anschlag sei von ihnen befohlen worden, heißt es. Anschläge gegen Verräter befehlen sie auch, heißt es weiter. ... Morddrohungen gegen ehemalige DDR-Sportler, die wegen Dopings gegen Ärzte und Trainer aussagen wollten, wurden von ihnen veranlasst. Im Untersuchungsausschuss des Bundestages sollten Zeugen befragt werden. Wenige Tage vor ihrer Vernehmung sind diese Zeugen unter ganz merkwürdigen Umständen gestorben. Sie als Arzt wissen natürlich, wie man zu Tode kommen kann, ohne das ein unfreiwilliges Ausscheiden aus dem Leben nachgewiesen werden kann. Sollte mich nicht wundern, wenn sie die Obduktion an diesen Toten durchgeführt haben.<<

Dr. Sandmann ist aufgestanden. Sein Gesicht wird vom Schatten eines großen Sonnenschirmes abgedunkelt. Die Stimme hat sich zu einem krähen verändert, als er sagt: >>Verlassen sie sofort mein Grundstück. Sie, sie werden noch von mir hören. Sie sollen mich kennen lernen. Geheimdienst, ... CIA, ... das wird sie ihren Job kosten, ... Mann.<<

>>Kommen sie bitte morgen um zehn Uhr ins Polizeipräsidium<<, unterbricht ihn Bruns.

>>Warum, wozu?<< will Sandmann wissen.

>>Formalitäten, Fingerabdrücke undsoweiter. Sie können einen Anwalt mitbringen. Mordkommission, zehn Uhr. Nicht vergessen, sonst müssen wir sie holen kommen<<, sagt Dr. Simon mit bitterem Lächeln. Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen fasst er kurz an den Hosengürtel, wo Handschellen in einem hellbraunen Lederköcher sichtbar werden.



>>Ist dir aufgefallen, wie er gezögert hat als ich ihn nach Gutzeit, Haas und Hartmann fragte?<<

>>Ja, er hat gelogen. Er kennt alle drei<<, sagt Bruno.

>>Was glaubst du, wird er jetzt tun?<<

>>Ich weiß es nicht. Eine Telefonüberwachung kriegen wir nicht genehmigt. Aber vielleicht können noch einmal Freunde von mir helfen<<, sagt Bruno.

>>Wer sind diese Freunde?<< fragt Alexander.

>>Israelis!<<

>>Bei Sandmann wissen wir nicht, ob er mit Neonazis zu tun hat.<<

>>Macht doch nichts. Wichtig ist nur, was bei einer Überwachung durch die Israelis herauskommt. Wenn wir das BfV bitten, ist sofort einer da, der eine Überwachung verhindert. Die von der „Firma“ haben auch beim BfV ihre Leute. Wollen wir wetten?<<

>>Ich wette nicht. Ich fürchte nur, du hast recht.<<

>>Wie, recht?<<

>>Als ich noch in der Klinik lag, und mir mein Notebook von Weber gebracht wurde, habe ich so manche Stunde im Internet verbracht. Vieles von dem, was ich da über die „Firma“ fand und las, habe ich heruntergeladen. ... Sag mal, wo fährst du eigentlich hin, Bruno?<<

>>Zu einem Waschsalon, Alexander. Wir sind gleich da.<<

>> ...<<

>>Seven-Day, Waschsalon<<, murmelt Alexander.

>>Komm steig aus.<<

>>Was soll ich in einem Waschsalon?<<

>>Die Inhaber kennen lernen.<<

Gemeinsam betreten Bruno und Alexander den Waschsalon. Zielstrebig geht Bruno ganz nach hinten und betritt ein Büro. Alexander bleibt in der Tür stehen und wartet ab, was geschieht.

>>Tag, Herr Bruns<<, sagt der Mann am Schreibtisch freundlich, >>sie haben sich ja lange nicht sehen lassen.<<

>>Hallo, Müller-Zwei. Wie geht es ihnen?<<

>>Gut! Wollen sie zu Ash?<<

>>Ja.<<

>>Und wer ist das?<< will Müller-Zwei wissen.

>>Das ist mein Freund und Kollege Dr. Alexander Simon.<<

>>Schön wenn man Freunde hat, nicht wahr?<< sagt Müller-Zwei und drückt auf einen Knopf. Während Bruno unbeeindruckt wartet sieht Alexander wie sich der Fußboden öffnet und eine Treppe sichtbar wird.

>>Komm <<, sagt Bruno zu Alexander.

Unten, am Ende der Treppe angekommen wirft Alexander einen Blick zurück und er sieht, wie die Decke sich wieder schließt.

>>Ich gehe mal voraus <<, sagt Bruno.

Am Ende des Ganges öffnet sich eine Panzertür, so dick, wie Alexander sie nur von Banken her kennt. Nun befinden sich Bruno und Alexander in einer Schleuse.

>>Hier werden wir gecheckt. Wäre ich nicht bei dir, so wäre für dich hier Endstation. Weiter würdest du nicht kommen <<, sagt Bruno und muss lachen, denn Alexander macht einen äußerst angespannten Eindruck. Darum sagt er: >>Entspann dich Alexander.<<

Eine zweite Tür öffnet sich und ein Soldat, der militärisch grüßt tritt ihnen entgegen. Sie folgen ihm, bis dieser sich vor eine Kamera postiert, und die Besucher ankündigt. Eine weitere Panzertür öffnet sich, und ein Raum wird sichtbar, so groß wie ein Tennisfeld. Vor lauter technischem Gerät sieht man die Menschen nicht die hier arbeiten. Sie stehen in einer militärischen Leitzentrale.

>>Ist der dritte Weltkrieg ausgebrochen, und ich weiß es nur noch nicht?<< fragt Alexander.

>>Soll das ein Witz sein? Natürlich ist dort oben, von wo wir eben gekommen sind Krieg<<, sagt Bruno, >>ein erbarmungsloser Krieg sogar.<<

>>So kenne ich dich ja gar nicht<<, flüstert Alexander, >>ich bin erschrocken.<<

Bruno grinst.

>>Hallo, ihr zwei Hübschen. Ist das dein neuer Partner?<< werden sie gefragt.

>>Hallo, Ash<<, sagt Bruno zurückblickend. Auch Alexander hat sich umgedreht.

>>Darf ich dir Ash, einen alten Freund vorstellen, Alexander? ... Das ist mein Partner Dr. Alexander Simon, Ash.<< Die Männer geben sich die Hand.

>>Kommt, gehen wir in mein Büro. Dort habe ich Gebäck und Erfrischungen<<, sagt Ash.



Bruno hält den Dienstwagen an und sagt: >>Dort drüben, auf der anderen Straßenseite, müsste der Laden von Habicht sein. Wir lassen das Auto stehen, und sehen nach, ob er da ist<<, sagt Bruno.

>>Sieht nicht gerade einladend aus<<, sagt Alexander, als sie vor dem Antiquitätenladen von Franz Habicht stehen. Hinter der Türscheibe hängt ein Schild mit der Aufschrift: Open.

>>Gehen wir mal hinein und sehen uns um<<, sagt Bruno leise.

Lautes Glockengeläut ertönt beim Betreten des Ladens. Bruno geht vor, und Alexander schließt die Ladentür hinter sich. Im Laden stehen nur alte Möbel. Mutters Küchenschrank von 1955, alte Kommoden, Spiegel und alte Bilder werden bei schlechtem Licht sichtbar. Bruno geht, da niemand kommt um sie zu bedienen, auf einen schweren Vorhang am Ende des Raumes zu. Mit der linken Hand zieht er die eine Hälfte des Vorhangs zur Seite. Vor ihm steht Franz Habicht. Um sicher zu gehen fragt er: >>Sind sie der Ladeninhaber?<<

>>Ja<<, antwortet der Gefragte.

>>Franz Habicht?<<

>>Ja, was kann ich für sie tun? ... Ihr seid Bullen, nicht wahr?<<

>>Ja, wir sind von der Polizei. Konnten sie das riechen?<< fragt Bruns.

>>Ja, Bullen rieche ich auf hundert Meter.<<

>>Hab ich mir fast gedacht. Mein Name ist Bruns, und das ist Dr. Alexander Simon. Wir sind von der Mordkommission.<<

>>Was habe ich mit der Mordkommission zu tun?<<

>>Das wissen wir so genau auch noch nicht. Aber, vielleicht beantworten sie uns ein Paar Fragen?<< sagt Alexander.

>>Gut, fragen sie<<, sagt Habicht.

>>Klauen sie immer noch Bilder?<< fragt Bruns. >>Deswegen sind wir aber nicht hier. Wir wollen wissen, ob sie Sandmann kennen? Dr. Sandmann, um genau zu sein.<<

>>Sandmann, Dr. Sandmann, sagen sie? Kenn ich nicht.<<

>>Michael Reinders, vielleicht?<<

>>... Den kenne ich auch nicht.<<

>>Dürfen wir ihr Lager sehen?<< fragt Alexander.

>>Warum wollen sie mein Lager sehen? Da ist nichts, was sie interessieren dürfte.<<

>>Dürfen wir nun?<< fragt Alexander noch einmal.

>>Haben sie einen Durchsuchungsbefehl? Nur wenn sie den haben, lasse ich sie ins Lager.<<

>>Was haben sie zu verbergen?<< fragt Bruns lächelnd.

>>Ohne richterliche Anordnung lasse ich sie nicht in mein Lager.<<

>>Lassen sie mich raten! Das Lager ist voller Nazisachen, volksverhetzendes Material? Vielleicht sogar „Hitlers Mein Kampf“, frisch aus den USA?<< fragt Bruns unerbittlich.

Wie eisig Bruno fragen kann, denkt Alexander.

>>Bitte gehen sie, und kommen sie nicht wieder?<< sagt Franz Habicht. In seiner Stimme liegt Angst.

>>Na schön, wir gehen. Woher kommt nur das Gefühl, das wir uns sehr bald wiedersehen?<< Bruns schüttelt den Kopf, und sieht erst Alexander und dann wieder Habicht fragend an. Dann wendet er sich um und geht zum Ausgang. Alexander folgt ihm.

>>Wovor hat der Kerl solche Angst, und hat er gelogen, als du ihn nach Reinders gefragt hast?<<, fragt Alexander laut, als sie zum Wagen zurückgehen.

>>Das möchte ich auch gern wissen. Jedenfalls war er nicht vorgewarnt. Er wusste nicht, das wir kommen, oder was ist dein Eindruck?<< fragt Bruno.

>>Ganz richtig. Mag sein, dass es reicht, wenn wir den Namen Sandmann erwähnen. ... Was meinst du, wollen wir da hinten in der Imbissstube einen Kaffee trinken?<< fragt Alexander.

>>Von mir aus <<, sagt Bruno und kratzt sich den Hinterkopf. >>Was wir brauchen, Alexander, das sind mehr Informationen. Etwas Licht, um die Hintermänner sichtbar, und ihre Tschekistennester ausfindig zu machen.<<

>>Dein Telefon klingelt<<, sagt Alexander.

>>Mein Telefon klingelt? Sieh an, ich bin auf dem Wege der Besserung. Ich dachte, ich hätte das verdammte Ding im Auto gelassen<<, grinst Bruno.

>>Nun geh schon ran, das bimmeln nervt!<<

>>Ja doch, ... Bruns!<< meldet er sich.

>>Hallo, mein Schatz. ... Rosa<<, sagt er zu Alexander.

>>Ist ja toll<<, sagt er, >>okay, wir sehen uns nachher.<<

Alexander sieht Bruno fragend an.

>>Frau und Tochter von Ebert sind in der Schweiz.<<

>>Wie das?<<

>>Rosa hat einen Brief an das Bundeskanzleramt geschrieben. Nun, es gab doch vor wenigen Wochen ein Treffen der G-7, da muss der Kanzler den Russen die Ausreise abgerungen haben.<<

>>Und was bedeutet das für uns?<<

>>Ebert verrät uns ein Paar Namen.<<

>>Wirklich?<<

>>Ja, hoffentlich. Gesagt hat er's.<<

Nach ner Currywurst, und nem Becher Kaffee, fahren sie ins Büro zurück. Auf seinem Schreibtisch findet Bruno eine Pressemitteilung vor.

>>Da, lies<< sagt er zu Alexander und reicht die Mitteilung an ihn weiter.



Gutzeit ist, nach vermeintlicher Flucht, in sein Haus zu Ehefrau und Tochter zurückgekehrt. Von allen seinen Ämtern zurückgetreten, bekennt er sich zu seiner DDR-Vergangenheit. Die Staatsanwaltschaft München erhebt vorläufig keine Anklage.



Nachdem Alexander die Pressemitteilung gelesen, und diese dann bei Seite gelegt hat, fragt ihn Bruno: >>Wo wohnt eigentlich dieser Reinders?<<

>>Da muss ich nachsehen!<< Alexander sucht und sagt schließlich: >>Seine Anschrift haben wir nicht, aber die Telefonvorwahlnummer steht für Berlin.<<

>>Dann lass uns noch einmal die Liste der Sicherheitsdienste, und der Unternehmen durchgehen. Die mit Sitz in Frankfurt und Umgebung, den Lindner in Darmstadt, den Heemsroth in Neu-Isenburg besuchen wir dann morgen, einverstanden?<< fragt Bruno. Dr. Simon nickt.



>>Wie war dein Tag, Schatz?<< fragt Bruno.

>>Gar nicht aufregend<<, antwortet Rosa.

>>Ist das wenigstens aufregend?<< fragt er und beißt zärtlich in die Brustwarze ihrer linken Brust.

>>Ja, das ist sehr aufregend. Ich muss gestehen, dass ich heute mehrmals daran gedacht habe, dass du zärtlich zu mir bist. Ich habe mich danach gesehnt, und es mir vorgestellt. Ich musste mich zwingen an etwas anderes zu denken. Jetzt bin ich glücklich, dass ich in deinen Armen liege und dich fühlen kann. Komm<<, sagt Rosa, >>ich will dich.<< Rosa öffnet sich für Bruno. Sie lieben sich zärtlich und lange ...

Bruno seufzt und sagt: >>War das schön. Ich liebe dich so sehr.<<

>>Ich liebe dich auch.<< Glücklich liegt Rosa an Brunos Seite. So verstreichen die Minuten. Dann richtet sie sich auf, und sieht ihm in die Augen.

>>Was willst du fragen, ich sehe doch, dass du was auf dem Herzen hast?<<

>>Was hält der Herr Kommissar von Mutters Idee, das Haus ein wenig umzubauen? Wir würden so planen, dass dieses Zimmer unser Schlafzimmer bleibt.<<

>>Möchtest du gerne hier wohnen bleiben?<<

>>Ja.<<

>>Rosa, willst du meine Frau werden?<<

>>Ja, ja, ja <<, freut sich Rosa.

>>Dann soll deine Mutter den Architekten, von dem sie gesprochen hat, anrufen. Mit deiner Mutter werde ich mich hoffentlich weiter so gut verstehen, was glaubst du?<<

>>Keine Bange, Mutter zeigt dir kein falsches Bild von sich. Sie wird sich unseretwegen, oder deinetwegen nicht ändern. Das gilt auch für meine Brüder. Mit denen kannst du Pferde stehlen, so wie mit mir.<<

>>Ich denke, du hast recht.<<

>>Sag mal, fühlt Alexander sich wohl, bei dir in der Abteilung?<<

>>Ich denke schon. Wir verstehen uns gut, sogar ohne Worte.<<

>>Und Ursula? Fühlt sie sich wohl in Frankfurt, an der Uniklinik?<<

>>Ich weiß nicht. Ich will auch nicht danach fragen.<<

>>Ich werde sie anrufen, gleich morgen.<<

>>Tu das, sie wird sich freuen.<<

>>Bruno?<<

>>Ja, mein Lieb?<<

>>Hast du eine Idee, wann unsere Hochzeit sein soll?<<

>>Vielleicht, wenn der Umbau fertig ist. Oder, was meinst du?<<

>>Ja, vielleicht dann.<<

>>Glaubst du, dass Sarah noch in diesem Jahr heiratet?<<

>>Da bin ich mir ganz sicher.<<

>>Wollen wir, an einem der nächsten Abende zu ihr fahren?<<

>>Ja, gerne. Sarah wird sich freuen.<<

>>Gute Nacht, Bruno.<<

>>Gute Nacht, Liebes.<<

Mittwoch, 19. Juli

Als Bruno sein Büro betritt, findet er Alexander im Nebenzimmer, an Houstons Schreibtisch sitzend vor. Den Kopf in die linke Hand gestützt, klickt er sich am Computer durch von Sidne Houston angelegte Listen. Sidne hat ganze Arbeit geleistet. Verweise, und Querverweise hat Sidne mit Textmarken und Hyperlinks versehen.

>>Genau so, sollten wir weitermachen<<, sagt er zu Bruno der ihm über die Schultern sieht. >>Wenn wir weiterhin alle Namen und Anschriften in so eingeben, und sie mit Links und Textmarken versehen, dann finden wir uns besser zurecht. Das Suchen in den Aktenstößen hat dann ein Ende.<<

>>Nur, wer soll das machen?<< fragt Bruno.

>>Ich könnte die Dateien auf mein Notebook übertragen, und aktualisieren. Ursel hat diese Woche Nachtschicht. Die Abende sind lang und langweilig. Ich müsste die Unterlagen natürlich mit nach Hause nehmen. Ich kann mich aber auch am Abend hier hinsetzen und das machen.<<

>>Such mal irgendeinen Namen<<, sagt Bruno.

>>Den ganzen Namen, oder nur einen Anfangsbuchstaben?<<

>>Anfangsbuchstaben, wie meinst du das?<<

>>Na, zum Beispiel G, für Gutzeit. Oder P, für Peter.<<

>>Gib mal ein P ein. Mal sehen, was passiert.<<

Karl-Georg Platt erscheint in einer Reihe von anderen Namen, allerdings markiert.

>>Platt? Warte mal, der kann doch da noch gar nicht aufgeführt sein. Den Namen habe ich zum ersten Mal in den gestern gesichteten Unterlagen gesehen. Wie ist das möglich?<<

>>Dieser Name muss schon in einer anderen Akte gestanden haben. Sidne wird sich den Namen nicht aus den Fingern gesogen haben.<<

>>Du hast recht.<<

>>Der Name ist unterstrichen und blau unterlegt, siehst du?<<

>>Ja, was bedeutet das?<<

>>Das ist ein Hyperlink. Wenn ich den jetzt anklicke, dann führt das zu einer anderen Seite. Siehst du?<<

>>KoKo, und dort Unten erscheint der Name Platt erneut. Das ist ja interessant<<, sagt Bruno.

>>Und wenn ich Platt noch mal anklicke, dann erscheint wieder die vorherige Seite, mit dem Hinweis: Ungeklärter Tod.<<

>>Bei ungeklärten Todesfällen muss ich immer gleich an Sandmann denken.<<

>>Ich auch << antwortet Alexander.

>>Ob da eine Verbindung besteht?<< fragt Bruno.

>>Das müssen wir rausfinden.<<

>>Wer ist dieser Winkelmann?<< fragt Bruno.

>>Winkelmann, mal sehen?<<



Winkelmann verstarb am 19. Januar nach einem Autounfall in der Schweiz. Bei den zuständigen Schweizerbehörden ist man sich sicher, das die Lenkung des von Winkelmann gefahrenen Mercedes manipuliert wurde.



>>Weiter<<, bittet Bruno.

Der Ingenieurbetrieb Gerätebau GmbH z.B. belieferte vor der Wende die „Firma“ mit Spitzeltechnik. Nach der Wende wurde sie von den ehemaligen Offizieren der „Firma“ Günter Tetzlaff und Roland Winkelmann übernommen und mit Treuhandkrediten über Wasser gehalten.



>>Die Informationen stammen aus den Unterlagen, die dieser Engländer Rick van Straaten zukommen ließ<<, murmelt Bruno.

>>Richtig!<< sagt Alexander.

>>Da gab es einen Doktor, oder war er Professor? Der wurde von einem Scharfschützen in London erschossen. Jetzt erinnere ich mich.<<

>>Wie hieß der Mann?<<

>>Das weiß ich nicht mehr.<<

>>Doktor, oder Professor sagtest du?<<

>>Ja.<<

>>Ist er das?<<



Dr. Mark Mason, Universitätsdozent im nordenglischen Hull. Kundschaftete Studenten, Professoren und Freunde aus. Motivation: Kommunistische Überzeugung. Wurde am 16. Januar 2000 von einem Scharfschützen in London erschossen.



>>Nicht schlecht, was Sidne da gemacht hat<<, meint Bruno.

>>Sag ich doch. Wir sollten unbedingt diese Listen aktualisieren.<<

>>Irgendwer aus dem Haus soll das übernehmen. Ich regel das.<<

>>Wie du willst<<, sagt Alexander, >>denk bitte daran, dass du diesen Sandmann her bestellt hast!<<

>>Den soll Bloch übernehmen. Wir machen Hausbesuche, wie wir das gestern besprochen haben. Ist dir doch recht?<<

>>Na, klar!<< erwidert Alexander.

>>Die Dateien, alles, was uns auch unterwegs weiterhelfen könnte, solltest du vielleicht doch auf dein Notebook übertragen. Ich telefoniere inzwischen<<, sagt Bruno und geht in sein Büro zurück.



>>Wen wollen wir zuerst besuchen?<< fragt Bruno.

>>Heemsroth in Neu-Isenburg, und danach nach Darmstadt<<, bestimmt Alexander.

>>Okay, dann mal los.<<

In Neu-Isenburg beginnt die Sucherei nach Heemsroth. Bruno und Alexander müssen sich durchfragen. Als sie die Adresse endlich gefunden haben, ist niemand da. In Darmstadt angekommen, sucht Bruno in einem Fach der Fahrertür nach einem Stadtplan. Bis Bruno fündig wird, befürchtet Alexander, es könnte einen Verkehrsunfall geben. Erleichtert darüber, dass doch nichts passiert, nimmt er den Stadtplan von Darmstadt entgegen. Von nun an dirigiert er Bruno durch die Stadt bis vor die Haustüre von Lindner. Auch hier öffnet niemand. Ratlos stehen sie am Auto. Ein Rentner mit Handstock und Hund kommt auf sie zu. Er sieht Bruno und Alexander und fragt: >>Suchen sie jemanden?<<

>>Wir wollten zu dem Lindner<<, sagt Alexander.

>>Der wird mit seiner Familie in den Rheinauen sein<<, sagt der Alte freundlich.

>>Wie kommen wir dort hin?<< fragt Alexander.

Bereitwillig erklärt der Alte ihnen den Weg.

>>Was meinst du, sollen wir hinfahren?<< fragt Alexander Bruno.

>>Wenn wir ihn dort nicht finden, fahren wir nach Frankfurt zum Westhafen, zu diesem Sicherheitsdienst.<<

>>In Ordnung. Fahren wir. ... Vielen Dank für die Auskunft<<, sagt Alexander zu dem alten Herrn.

>>Schon recht<<, sagt dieser, und hebt den Stock zum Gruß.

Bei dem Anwesen in den Rheinauen handelt es sich eher um einen früheren landwirtschaftlichen Betrieb, das wohl aufgegeben wurde. Sie fahren auf das Grundstück, und Bruno bringt den Wagen neben dem Wohnhaus und neben einem VW-Golf der Briefpost zum stehen. Aus einem Nebengebäude - eine Scheune - kommt der Briefträger heraus. Verlegen rückt er sein Barett zurecht, als er zu Bruno ans offene Fenster tritt.

>>Irgendetwas stimmt hier nicht<<, sagt er. Sich umdrehend zeigt er zurück zu der Tür, aus der er herausgetreten ist, und sagt: >>Da drin liegt Rex, ein Schäferhund, ... verblutet und wenn man dichter ans Wohnhaus herangeht, dann ist da dieser Geruch.<<

>>Wir sind von der Polizei<<, sagt Bruns und zeigt dem Briefträger seinen Ausweis. >>Sie bleiben hier. Wir gehen hinein und sehen nach.<<

Bruns, aber auch Dr. Simon, beide nehmen sie ihre Dienstwaffe aus dem Schulterhalfter und so gehen sie auf das Wohnhaus zu. Sie treten ein, und stehen in einem Flur. Die Treppe, die nach oben führt, lassen sie zunächst links liegen. Sie gehen auf eine Tür mit einer Glasscheibe zu.

>>Was sagt deine Nase?<< fragt Bruno.

>>Das wir Tote finden.<<

Bruns hat vorsichtig die vermeintliche, und nur angelehnte Küchentür aufgestoßen und ist eingetreten. Dr. Simon folgt ihm. Bruns nimmt aus einem Schrank neben der Spüle Handtücher und macht diese nass. Eines reicht er an Alexander weiter. Beide halten sich die nassen Tücher vor Mund und Nase. Bruns verlässt die Küche wieder, und macht sich auf den Weg zum Obergeschoß, wo er die Schlafzimmer vermutet. Auch die Schlafzimmertür ist nur angelehnt.

>>Man hat ihnen keine Chance gegeben. Das war eine Hinrichtung. Keiner wurde verschont. Mein Gott, wozu Menschen doch fähig sind<<, sagt Bruns.

>>Komm, hier können wir nichts mehr tun. Lass uns an die frische Luft gehen<<, sagt Dr. Simon, sichtlich erschüttert.



Eine Stunde später ist die Mordkomission aus Darmstadt am Tatort. Die Spurensicherung und die Gerichtsmediziner kommen wenig später.

>>Nicht einmal die Kinder hat man verschont<<, sagt einer der Kollegen. >>Drei Erwachsene, drei Kinder. Warum, warum nur?<<

>>Bei den erwachsenen männlichen Leichen, handelt es sich vermutlich um Lindner und Heemsroth, Offiziere der „Firma“, die angeblich die eigene Hauskasse geplündert haben <<, versucht Bruns eine Antwort zu geben.

>>Wie viel?<< will der Kollege wissen.

Bruns zuckt die Schultern: >>Etwa einhundert Millionen in verschiedenen Währungen.<<

Der Kollege aus Darmstadt pfeift durch die Zähne.

>>In der Scheune liegt noch ein toter Schäferhund. Der arme Kerl kann dort nicht liegen bleiben<<, sagt Dr. Simon.

>>Wenn sie erlauben, dann werde ich ihn begraben<<, meldet sich der Briefträger zu Wort.

>>Das ist eigentlich nicht erlaubt<<, sagt der Beamte aus Darmstadt.

>>Rex hat es verdient ordentlich begraben zu werden, hier auf dem Hof. Ihr steckt ihn in Darmstadt doch nur in so einen Ofen, oder er wird zu Tiermehl verarbeitet.<<

>>Also gut, begraben sie ihn.<<

Der Briefträger geht auf das Nebengebäude zu, und schließt die grüne Holztür hinter sich.

>>Wir fahren zurück. Bekomme ich einen Bericht?<<, fragt Bruno.

>>Natürlich, ist ja ihr Fall.<<

>>Jetzt nicht mehr. Danke und auf Wiedersehen.<<

>>Wiedersehen.<<

Es ist drei Uhr am Nachmittag, als sie den Hof und die Rheinauen verlassen. Bruno fährt zum Präsidium nach Frankfurt zurück. Im Büro angekommen, versucht er Harald Bloch zu erreichen. Der ist schon nach Hause gegangen, wie die Leitzentrale mitteilt. Alexander hat sich wieder an den Computer in Sidnes Büro begeben. Nach nur wenigen Minuten, hat er festgestellt, dass die Listen aktualisiert wurden. Er aktualisiert die Einträge Lindner und Heemsroth betreffend. Beide sind ja nun tot. Dann überträgt er die Daten auf sein Notebook.

Donnerstag, 20. Juli

Sie treffen sich in Blochs Büro. Bruno berichtet von den gestrigen Leichenfunden. >>Schrecklich<<, sagt Bloch.

>>Ich hab hier ein Fax von Ebert.<<

>>Und, was steht drin?<< fragt Bloch.

>>Nur Namen.<<

>>Namen?<<

>>Das Fax kam bei Rosa an. Sie nahm es mit nach Hause.<<

>>Weiß Lade, ihr Chef das?<<

>>Nein. Staatsanwalt Dr. Frank, das ist der Kollege den Rosa besonders mag, weil der sie ständig mit den Augen ...<<

>>Was ist mit ihm?<<

>>Er steht auf der Liste, dem Fax <<, sagt Bruns.

>>Und was hat das genau zu bedeuten?<<

>>Dr. Frank war Mitarbeiter der „Firma“, was sonst?<<

>>Um Gotteswillen, ein Maulwurf in der Staatsanwaltschaft.<<

>>... Jedenfalls hat er Kenntniss vom Haftprüfungstermin von van Stratens gehabt.<<

>>Was soll ich machen, soll ich Lade anrufen?<<

>>Lade, oder den Richter.<<

>>Was ist mit den anderen Namen?<<

>>Es sind nur vier.<<

>>Ja, und?<<

>>Die müssen erst noch überprüft werden.<<

>>Was macht euch so sicher, das es der Frank am Gericht ist?<<

>>Rosa hat das mit überprüft.<<

>>Ich rufe erst Lade an.<<

>>Nur zu.<<

>>Kann ich eine Kopie von dem Fax haben?<<

>>Ja.<<

>>Ich melde mich bei euch, sobald ich was ...<<

>>Ist gut<<, sagt Bruno.

Er verlässt mit Dr. Simon Blochs Büro.

>>Alexander, weißt du, ob die Anfrage beim Gewerbeamt was gebracht hat?<<

>>Wenn ja, dann liegt das auf deinem Schreibtisch.<<

Brunos Büro ist erreicht, und sie treten ein. Am Fenster steht eine junge Frau, die Bruno herzlich begrüßt: >>Anne, was führt dich zu uns? Alexander, das ist Frau Anne Momberger. Sie hat gestern unsere Listen am Computer aktualisiert.<<

>>Sehr erfreut<<, sagt Alexander.

>>Ich freue mich auch ... Bruno, ich habe dir Post vom Gewerbeamt auf den Tisch gelegt.<<

>>Danke, gerade habe ich danach gefragt.<<

>>Der Chef meint, ich könne euch helfen. Wie du weißt, bin ich vorige Woche mit der Polizeischule fertig geworden.<<

>>Dann bist du jetzt Kommissarin?<<

>>Ja, ich bin so froh, dass ich das geschafft habe.<<

>>Dann möchte ich ihnen gratulieren<<, sagt Alexander und reicht ihr noch einmal die Hand.

Inzwischen hat Bruno den Umschlag, den Anne Momberger gebracht hat, aufgerissen und sichtet die Unterlagen. Ein Blatt, und das Fax behält er in der Hand, und die restlichen Unterlagen legt er zurück auf den Schreibtisch.

>>Sieh dir das an, Alexander. So ein Zufall. Der Name des Geschäftsführers dieser Security-Firma deckt sich mit einem Namen auf dem Fax. Dann bleiben nur noch zwei Namen übrig.<<

>>Bank-Security GmbH, Frankfurt-Westhafen. Geschäftsführer Oliver Bank<<, murmelt Alexander. Er reicht die Bögen an Anne Momberger weiter.

>>Dr. Frank, Oliver Bank, Manfred Reich, Daniel Orliff. Reich, Orliff, die Namen habe ich schon mal gelesen<<, sagt Anne Momberger.

>>Wo, Anne?<<

>>Na, gestern am Computer.<<

Bruno sieht Alexander an. Der macht sich daran, sein Notebook zu starten. Nach einer Weile sagt er: >>Sie hat recht, Bruno, die Namen haben wir in der Liste. Auch Bank ist unter Security GmbH, Ffm.-Westhafen mit Verweis auf die Liste, die wir von den Amerikanern haben, gespeichert.<<

>>Und was steht da über Reich und Orliff?<< will Bruno wissen.

>>Dieser Dan Orliff ist bei den US-Streitkräften.<<

>>Und Reich?<<

>>Moment! ... Verweis zu Max van Stratens Terminkalender. Mehr haben wir nicht über ihn.<<

>>Wir haben - wenn ich das richtig sehe - von dem Reich keine Anschrift?<<

>>So sieht es aus<<, sagt Alexander.

>>Wenn er in Max van Stratens Terminkalender erwähnt wird, dann sollte man annehmen, dass er mit ihm einen Termin vereinbart hatte. Sehen wir also mal nach!<<

>>Das geht schneller am Computer von Sidne. Da ist der ganze Lotuskalender drauf mit einer Adressdatenbank. Ich gehe mal nach nebenan<<, sagt Alexander.

Wenige Minuten später, ruft Alexander aus Sidnes Büro: >>Ich habe ihn gefunden. Wenn stimmt, was hier steht, dann ist er Staatssekretär im Verteidigungsministerium.<<

Bruno telefoniert mit dem Hausmeister des Präsidiums. Per Handzeichen gibt er Alexander zu verstehen, dass er verstanden hat. Ihm ist da eine Idee gekommen: Er bittet den Hausmeister eine Schulungswandtafel in sein Büro zu schaffen. Noch während des zweiten Telefonates, das er mit der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf führt, wird die Tafel gebracht. Von dem Staatsanwalt, den er in Düsseldorf bei der Durchsuchung von Schröters Büro und Wohnung kennenlernte, will er wissen, was aus den weiteren Untersuchungen geworden ist. Bruno erfährt, dass die Untersuchungsergebnisse an die Staatsanwaltschaft Frankfurt weitergeleitet wurden. Bruno bedankt sich und ruft als nächstes bei Rosa an. Rosa, die es eilig hat zu einem Termin zu kommen, verspricht, sofort Nachforschungen nach dem Verbleib der Akte Schröter anzustellen, sobald sie die Zeit dazu findet.

>>Hilf mir mal, Anne. Wir bringen die Tafel ans Fenster.<<

Gemeinsam mit Anne wird die Wandtafel an ihren Bestimmungsort geschoben, und von Bruno auseinander geklappt. Der Hausmeister hat sogar an Kreide gedacht und es finden sich mehrere Farben. Bruno tritt an die Tafel, und schreibt mitten auf die Tafel: Seilschaft. Drunter schreibt er: Reich, Sandmann, Gutzeit, Frank?. An den oberen linken Rand der Tafel, beginnt er Namen zu schreiben, wie Schröter, M.v.Str., bis hin zu Hartmann und Haas. Am unteren linken Rand, beginnt er mit Platt, Reich, Orliff bis hin zu Bank-Security zu schreiben. Hinter mehreren Namen malt Bruno ein Kreuz: für verstorben ... Bruns tritt zurück, und sieht sich an, was er geschrieben hat.

Dr. Simon, der zugeschaut hat, tritt nun seinerseits an die Wandtafel und vervollständigt einige Namensspalten. Anne, die aus der Ferne zusieht, und Dr. Simons Notebook auf dem Schoß hält spricht ihn an und sagt: >>In die Spalte Bank sollten sie noch schreiben, dass Reinders stiller Teilhaber ist, und dort arbeitet.<<

>>Woher weißt du das nun wieder?<< fragt Bruno.

>>Steht alles in den Akten, Bruno.<<

Alexander schreibt in die Spalte Reinders: KGB-Agent und Agent der Firma. In die Spalte Bank trägt er das was Anne sagte, ein. Er fügt seitlich rechts unten einen Kreis ein und schreibt hinein: Mordkommando Reinders.

>>Bei Lindner und Heemsroth hast du Einhundert Millionen hinzugefügt. Das soll ein Hinweis auf ein Motiv sein, nicht wahr? Bei Sandmann heißt es: Platt, Fragezeichen, und Zeugen im St.-Ua-Bundestag. Glaubst du, Sandmann hat diese Leute umgebracht?<< fragt Bruno.

>>Was weiß ich? Wir werden es ihm beweisen müssen. Als Motiv trage ich mal Unterlagen der Firma, und Angst vor Entdeckung ein. Über den Platt wissen wir ja nicht viel. Wenn, ich nun noch hier bei Reinders hinzufüge: Lindner, Heemsroth und Winkelmann, so ergibt sich doch langsam ein Bild, oder?<<

>>Bei der Seilschaft, ist das Motiv klar: Die Unterlagen sollen nicht öffentlich gemacht werden. Aber was meinst du mit zweistelliger Milliardenbetrag?<<

>>Na ja, es könnte doch sein, dass es hierbei auch um die verschwundenen Milliarden geht <<, meint Dr. Simon.

>>Und was fällt dir zu Habicht, Gutzeit und Marquard ein?<< fragt Bruno.

Alexander tritt an die Tafel und schreibt. Dann macht er um das Geschriebene einen unvollendeten Kreis.

>>Nazis/DDR<<, murmelt Bruno. >>Na, ich weiß nicht?<<

>>Fällt dir was besseres ein?<< fragt Alexander.

>>Nein! Sag mal, Anne, dieser Sandmann, war der gestern hier?<<

>>Ja, das war vielleicht ein Theater.<<

>>Kann ich mir denken<<, grinst Bruno.

Es ist längst Mittag, als Rosa das Büro betritt.

>>Hallo, mein Schatz<<, sagt Bruno.

Rosa gibt Bruno einen Kuss auf den Mund, und begrüßt Anne und Alexander. Wie bei jeder Begrüßung seit dem Besuch in der Münchner Klinik erhält auch Alexander einen Kuss. Wie immer greift Alexander sich an den Kopf, um die schräg sitzende Barett festzuhalten. Noch nie hat er auch nur einen Arm um sie gelegt.

>>Ich habe hier, wonach du suchst. Man hat es im Büro von Dr. Frank gefunden. Keine Ahnung wie der an die Akte Schröter gekommen ist. Er wird im Moment noch von Lade und dem Richter befragt.<<

>>Hast du Hunger?<< fragt Bruno seine zukünftige Ehefrau.

>>Oh, ja!<<

>>Kommt, gehen wir was essen<<, sagt Bruno, und er sieht in die Runde. Lächelnd bemerkt er Annes fragendes Gesicht.



>>Die Verkehrsüberwachung wurde durch die britische Regierung wegen der Ereignisse im April 1992 eingeführt. Vielleicht erinnerst du dich: Eine Lastwagenbombe hat damals zwei Büroblöcke im Finanzzentrum Londons - mitten in der City - in Stücke gerissen. Das Baltic Exchange, wo der weltweit größte Markt für den Schiffshandel angesiedelt ist und das Gebäude der Commercial Union<<, sagt James Scott.

>>Ja, ich erinnere mich<<, sagt Rick

>>Vier Jahre später erfolgte ein Angriff auf ein Einkaufszentrum in Manchester. Nur Monate später traf die IRA das Londoner Finanzzentrum mit einer tausend Pfund-Bombe. Eine weitere Lastwagenbombe zerstörte die Redaktionsbüros an der Canary Wharf. Seit dem werden die Hauptstadt und ihre Zufahrtswege kontinuierlich von Kameras und automatisierten Aufnahmegeräten, die an Brücken und anderswo angebracht wurden überwacht. Im Mai 1999 hat der Innenminister Jack Straw in London erklärt, dass inzwischen mehr als eine Million Sicherheitskameras über die Bahnhöfe, Straßen und Einkaufszentren des Landes wacht. An einem Tag in London werden seine Menschen und Besucher von 300 Kameras gefilmt.<<

>>Dann sieht es aber mit der Privatsphäre und der Freiheit in diesem Land nicht sonderlich gut aus<<, meint Rick.

>>Lass dir das mal erklären: Anders als bei euch auf dem Festland, sind die Briten nicht Bürger des Landes in dem sie geboren wurden. Sie sind keine freien Männer und Frauen, sondern Untertanen der Krone. Verstehst du? Sie sind den Launen und rechtlichen Ausnahmeregelungen der Regierung nach Belieben ausgeliefert. Was auch mit ihnen geschehen mag, geschieht gerade so, wie es der Exekutive passt. Diesen Zustand, nennt man bei uns „Crown Prerogative“, Vorrecht der Krone. Die Briten sind anders als die meisten modernen Nationen nicht durch eine schriftliche Verfassung geschützt. Es gibt kein Gegenstück zum US-amerikanischen First Amendment, keine Commission nationale de l'informatique et des libertés wie in Frankreich, keine Grundrechte, die nach dem Krieg in die Bonner Verfassung geschrieben wurden. Stattdessen handeln die Engländer im Sinne einer ungeschriebenen Gewaltenteilung, die sich über das Parlament, die Regierung, die Justiz und die Krone erstreckt. Alle genannten Institutionen werden nach ungeschriebenen Konventionen, Interpretationen, „understandings“ und Präzedenzfällen geregelt und verwaltet.<<

>>Wie sieht es mit dem Rechtsschutz der Briten aus?<< will Rick wissen.

>>Die ganze Hoffnung der Briten auf Rechtsschutz liegt beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Seine Konvention, eingesetzt in einem neuen britischen Gesetz, soll im Oktober in Kraft treten.<<

>>Das erklärt vielleicht, warum sich hier bei euch auf der Insel so viele einflussreiche Personen gegen eine bessere Einbindung ihres Landes mit den Nachbarn in der EU sträuben.<<

>>So ist es<<, antwortet James Scott.

>>He, sieh mal, da kommt Veronique. Sieht sie in Reithosen und Stiefel nicht hinreißend aus?<< fragt Rick.

>>Veronique ist ein entzückendes Mädchen. Ach, wäre ich doch nur dreißig Jahre jünger<<, sagt James Scott.

>>Redet ihr über mich, Onkel Rick?<< fragt Veronique, hochrot im Gesicht.

>>Ja, so ist es! James wünscht sich noch einmal dreißig zu sein. In dem Alter würde er dir den Hof machen. Du musst wissen, Veronique: Engländer finden Frauen nur begehrenswert, wenn sie im Reitdreß eine gute Figur abgeben.<<

>>Hör nicht auf ihn, mein Kind. Wie war euer Ausritt?<< fragt James Scott.

>>Toll, Sir James. Ihr Verwalter ist nett, er hat mir wunderschöne Geschichten erzählt.<<

>>Ja, das kann er: Geschichten erzählen. Ich denke, das Essen wird gleich aufgetragen. Du kommst grad rechtzeitig.<<

>>Dann geh ich mich schnell umziehen und frisch machen<< sagt Veronique und eilt auf das Haus zu.



In Bad Nauheim sitzen sich die Heimleiterin und Sarah gegenüber.

>>Wie geht es dir Sarah?<<

>>Gut, warum fragst du?<<

>>Ich kenn dich lang genug, um zu erkennen, dass mit dir etwas nicht stimmt. Montag, oder Dienstag ist mir schon aufgefallen, dass du ständig abwesend bist. Auch die Mädchen haben's bemerkt, und sehen dir immer voller Sorge hinterher. Was ist los?<<

>>Er fehlt mir so. Ich meine, Rick fehlt mir so. Ich, ... es tut mir leid, dass ich euch Kummer mache.<<

>>Keinen Kummer, Sarah. Wir machen uns Sorgen. Aber wenn es so ist, wie du sagst, dann möchte ich dir einen Vorschlag machen. Deine Nachfolgerin ist schon sehr gut eingearbeitet, und ich bin ja auch noch da. Wie wär's, wenn du dich jetzt ein wenig hinlegst? Danach packst du und am späten Nachmittag bring ich dich zum Flughafen. Du fliegst einfach das Wochenende zu ihm.<<

>>Das würdest du tun?<< fragt Sarah mit Tränen in den Augen.

>>Aber, ja.<<

>>Es wird nicht gehen. Rick ist mit Veronique bei einem Freund in Cornwall, ich meine, in England.<<

>>Was spielt es für eine Rolle, ob du nun nach Amsterdam, oder nach London fliegst? Ruf ihn an, und bitte ihn dich vom Flughafen abzuholen.<<

>>Meinst du wirklich?<<

>>Sarah, geh nach Oben und ruf ihn an.<<



>>Sir, Telefon für sie<<, sagt Mae, eine Bedienstete zu Rick. Sie hält das Telefon in der rechten, den Hörer in der linken Hand und zieht am Kabel. Rick nimmt den Hörer: >>Sarah, Liebes. Ist etwas passiert? Nein, ... mir fällt ein Stein vom Herzen.<<

Rick sieht seinen Freund, der ihm an dem langen Tisch gegenüber sitzt an und er legt eine Hand über die Sprechmuschel: >>Sarah!<<

>>Sag ihr, dass wir uns freuen, und dass sie willkommen ist.<<

Rick sieht seine Nichte an, und die nickt heftig den Kopf.

>>Hast du gehört, was James sagte? ... Ja, tut mir leid, ich hatte es vergessen. ... Ja, ich werde pünktlich sein<<, sagt Rick und weiter: >>Sarah, ... Sa-rah, Liebes, ich freue mich, nein, wir freuen uns.<<

Rick gibt den Hörer zurück, und sagt: >>Danke, Mae!<< Zu James Scott sagt er: >>Ich hab nicht dran gedacht, dass Sarah kein englisch spricht.<<

>>Macht doch nichts! Wann wird sie in Heathrow ankommen?<< will James wissen.

>>Zwischen acht und neun am Abend.<<

>>Dann ist ja noch Zeit. Ich werde einen alten Bekannten bitten, dich nach Heathrow zu fliegen. Kostet allerdings ne Kleinigkeit.<<

>>Das macht nichts. Hauptsache, wir müssen nicht dort übernachten. Ist das zu schaffen?<<

>>Ich denke <<, sagt James, >>ich werde gleich telefonieren.<<



Das Telefon auf Brunos Schreibtisch läutet. Anne Momberger hebt ab, meldet sich und reicht den Hörer weiter: >>Bruno, für dich!<< sagt sie.

>>Bruns<<, sagt Bruno. Nach einer Minute, legt er den Hörer zurück und sagt: >>Dr. Frank hat zugegeben, für die „Firma“ gearbeitet zu haben. Er wurde vom Dienst suspendiert.<<

>>Und weiter?<< fragt Alexander.

>>Weiter nichts. Mehr hat Bloch nicht gesagt.<<

Wieder läutet das Telefon. Bruno ist dem Telefon am nächsten, und nimmt das Gespräch an: >>Ash, schön das du anrufst. Habt ihr was herausgefunden?<< Bruno schaltet den Lautsprecher ein.

>>Hör zu<<, sagt Ash >>du kannst einen ersten Bericht haben. Wir haben das Treiben im Hause Es nun zwei Tage beobachtet und wir haben zwei Insekten in das Haus gebracht. Die verfolgen ihn auf Schritt und Tritt in den eigenen vier Wänden und senden Live-Bilder. Auch sein Telefon hören wir ab. Telefonischen Kontakt hatte er zu Reich, Gutzeit, Frank und Bank-Security. Dieser Frank hat ihm eben mitgeteilt, dass er aufgeflogen ist. Wer Frank ist, weißt du ja?<<

>>Ja, wir haben einen Tipp bekommen.<<

>>Weißt du auch, wer Reich ist?<<

>>Ja.<<

>>Es und Reich haben Verbindungen zu Schröter und zu Hartmann in der Schweiz. Den Telefonaten war zu entnehmen, dass die Bank-Security im Auftrag von Hartmann, etwas aus der Türkei zurückgeholt hat. Ich denke, wir wissen beide, um was es sich handelt. Gutzeit ließ er wissen, er wolle von dem ganzen Nazimist nichts wissen. Wenn er die Neonazis in den neuen Bundesländern finanzieren wolle, so solle er das von seinem Geld tun. ... Wusstest du, das Es Toxikologe ist?<<

>>Nein, ist er das als Gerichtsmediziner nicht automatisch?<<

>>Mag sein! Bruno, wir bleiben selbstverständlich an ihm dran. Das liegt auch in unserem Interesse. Allerdings werden einige meiner Leute abgezogen und zur Olympiade geschickt. Dort sind Aktivitäten im Gang, davon bekommt man Albträume.<<

>>Willst du andeuten, dass sich München wiederholen könnte?<<

>>Ja, aber wir werden alles tun, um das zu verhindern. Bis bald, alter Junge. Ende und Aus.<< Die Leitung ist nach einem knacken tot und Bruno legt den Hörer zurück.

>>Ihr habt es gehört<<, sagt Bruno.

>>Dann ist das, was wir an die Tafel geschrieben haben gar nicht so abwegig<<, meint Alexander.

>>Was machen wir?<< will Anne wissen.

>>Was haltet ihr davon, die Steuerfahndung einzuschalten?<<

>>Das kann dauern, bis die was tun. Außerdem sollten die dann bei all unseren Kunden gleichzeitig auf der Matte stehen. Wie ihr wisst, sind die zur Zeit mit Banken beschäftigt und haben keine Leute. Aber versuchen sollten wir's<<, meint Alexander.

>>Das denke ich auch<<, sagt Bruno.

>>Dann zieh Ash besser ab<<, sagt Alexander.

>>Warten wir, bis wir einen Termin von der Steuerfahndung bekommen. Ich werde Bloch bitten, die Sache vorzubereiten<<, sagt Bruno.



Auf der Insel, in Cornwall, macht Rick van Straaten sich auf den Weg nach London um Sarah vom Flughafen Heathrow abzuholen. Rick muss sich bei diesem Flug mit einer Postmaschine begnügen und akzeptieren, dass er und Sarah eine Nacht in London verbringen werden. James hat es nicht geschafft, einen Rückflug für den Abend zu beschaffen.

Nach der Ankunft in Heathrow begibt sich Rick zum Schalter der Lufthansa und erkundigt sich nach der Ankunft der Maschine, in der seine Sarah eigentlich sitzen sollte. Man teilt ihm freundlich die Ankunftzeit mit, fügt aber hinzu, dass die Maschine sich eine Stunde verspäten wird. Rick kauft sich deutsche Zeitungen und begibt sich in das Flughafenrestaurant.



Sarah indes fiebert nach einem Zwischenstop in Amsterdam der Landung in Heathrow entgegen. Sie kann es kaum erwarten, ihren Rick in die Arme zu schließen. Eine Flugbegleiterin bemerkt ihre roten Flecken im Gesicht und erkundigt sich fürsorglich nach ihrem Wohlbefinden. Sarah versichert, dass es ihr gut geht und fragt nach der Ankunftszeit. Ihr wird mitgeteilt, dass sie sich etwas verspäten.



Die Zeit des Wartens hat ein Ende. Rick vernimmt durch die Lautsprecher im Restaurant die Ankunft der Flugnummer, auf die er gewartet hat. In der Ankunfthalle gesellt er sich zu den Wartenden und beobachtet herumtobende Kinder. Nach einer Weile, und in Gedanken versunken, bemerkt er die Unruhe unter dem bunt gemischten Völkchen. Seine Augen suchen Sarah. Als er sie entdeckt, gibt es für ihn kein Halten mehr und er läuft ihr entgegen. Rick breitet die Arme aus, und Sarah fliegt vor Freude weinend in seine Arme. >>Oh Rick, wie sehr habe mich danach gesehnt, dich zu fühlen.<< Rick sagt nichts. Er hält sie nur fest umschlungen.

>>Du sagst ja gar nichts?<< flüstert Sarah.

>>Ach Liebes, was soll ich sagen? Ich bin einfach nur glücklich, dass du da bist. Komm, nehmen wir dein Gepäck. Wir müssen leider für eine Nacht ins Hotel.<<

>>Leider, sagst du! Ich bin froh darüber. Eine ganze Nacht mit dir allein, das wird schön<<, sagt Sarah.

>>Wie geht es dem Baby?<<

>>Dem geht es gut. Wir müssen uns keine Sorgen machen, sagt der Arzt.<<

>>Hast du Hunger?<<

>>Ja, schon, doch das hat Zeit, bis wir im Hotel sind.<<

Sie sind begeistert von dem Zimmer, welches sie für eine Nacht gemietet haben. Die Einrichtung strahlt Wärme aus, und die Nacht, die nun über London hereinbricht, vermittelt mit seinen Neonlichtern etwas von Abenteuer. Sarah und Rick treten auf den Balkon hinaus, und sie werfen einen Blick auf diese wundervolle Stadt bei Nacht. Nach Minuten des Schweigens und Genießens dieser Stadt fasst Sarah Rick am Arm, und sie zieht ihn sanft zurück ins Zimmer. Am Bett angekommen, macht Sarah das Licht aus, und sie lassen sich hineinfallen. Sie lieben sich, wie Liebende es tun, wenn sie sich Monate nicht gesehen haben.

Am nächsten Morgen, bei anbrechendem Tageslicht, fallen sie in leichten Schlaf. Nach dem Erwachen nimmt Rick seine Sarah in den Arm, und weckt sie zärtlich. >>Wir müssen uns beeilen, wir sollten den Piloten nicht warten lassen.<<

>>Nur einen Augenblick noch, möchte ich dich fühlen. Sieh nur, wie stürmisch wir waren.<< Sarah zeigt auf die im Zimmer verstreuten Kleidungsstücke.

>>Um Gotteswillen, Sarah. Lass uns duschen, und dann nichts wie weg hier. Beim nächsten Zwangsaufenthalt, verlangen wir genau dieses Zimmer. Versprochen!<<

Sie duschen gemeinsam. Für ein Frühstück bleibt keine Zeit. Rick bringt es fertig, noch ein Lunchpaket zu organisieren. Der Pilot wartet ungeduldig und Rick entschuldigt sich für die Verspätung. Während des Fluges erklärt Rick, Sarah, wo sie gerade sind und was es über Landschaft und Menschen zu sagen gibt. Nur ab und zu meldet sich der Pilot zu Wort, und verbessert Ricks Ausführungen in klar verständlichem deutsch.

>>Wo, haben sie so gut deutsch gelernt?<< fragt Rick. Dieser berichtet, wie er als Soldat nach Deutschland kam und wie er dort seine deutsche Ehefrau eroberte.

>>Und wie gefällt es ihr in England?<< fragt Sarah.

>>Ich habe großes Glück. Meiner Frau gefällt es hier sehr gut. Wissen sie, viele meiner Kameraden haben eine deutsche Frau geheiratet. Die meisten Ehen sind daran zerbrochen, dass die Frauen sich in England nicht wohl fühlten. Vielleicht lag es auch am Wetter, das wir hier immer haben. ... Es regnet schon sehr oft. Aber sehen sie sich doch nur dort unten diese Landschaft an. Diese Insel muss man lieben, finden sie nicht auch?<<

>>Ja, da haben sie recht, doch sind nicht alle Menschen gleich, nicht wahr?<<

Das Lunchpaket wird während des Fluges geöffnet. Der Pilot lehnt die ihm angebotenen Schnittchen und Brötchen - belegt mit Wurst und Käse - nicht ab, im Gegenteil, er steuert dampfenden schwarzen gesüßten Tee dazu bei.

Irgendwann räuspert er sich, schaltet sein Funkgerät auf eine andere Frequenz, und meldet sich beim Zielflughafen an. Wegen Wind muss der Pilot eine Schleife fliegen. Dann bringt er sein Flugzeug sicher auf den Boden.

>>Sieh mal, dort unten stehen Veronique und James<<, sagt Rick.

>>Veronique, unsere große Tochter. Fühlt sie sich hier wohl?<<

>>Das denke ich schon. Sie kann reiten, oder schwimmen gehen, tun und lassen was sie will. Wenn sie sich langweilen täte, würde ich das merken.<<

>>Bist du sicher?<<

>>Ja.<<

Nach der Landung, kommt Veronique gelaufen, als wäre der Teufel hinter ihr her. James Scott, nähert sich der Maschine gemächlichen Schrittes. Der Pilot hilft Sarah beim aussteigen und hat kaum ihre Hand freigegeben, da liegen sich die beiden Frauen schon in den Armen, und herzen sich.

>>Ist das nicht ein schöner Anblick?<< begrüßt Rick seinen Freund.

>>Du bist ein Glückspilz<<, sagt James.

Rick stellt James Sarah vor, nach dem diese sich von Veronique lösen kann. Arm in Arm gehen die Frauen voraus zum Auto. Rick packt sein und Sarahs Gepäck in den Morris-Kombi, und setzt sich anschließend neben seinen Freund, der den Morris in Bewegung setzt. Auf der Rückbank geht es laut zu. Veronique glaubt alles bisher erlebte gleich erzählen zu müssen. Sarahs Wangen glühen, und sie hält eine Hand von Veronique mit beiden Händen fest in ihrem Schoß. Veronique bemerkt es nicht einmal. Die Männer schweigen während der ganzen Fahrt. Nur manchmal sehen sie sich vielsagend an und lächeln.

Später einmal wird James sagen: >>Veronique hat sich immer nach einer Mutter gesehnt. In Sarah hat sie eine sie liebende gefunden.<<



Sie alle verbringen in den folgenden Tagen und Wochen eine wunderschöne Zeit. Einer Idee Ricks folgend, bespricht sich Sarah mit der Heimleiterin in Deutschland, und diese hat nichts dagegen, dass Sarah ihren Kurzurlaub in einen vierzehntägigen unbezahlten Urlaub umwandelt. Sarah lernt die Grafschaft kennen und mit Veronique geht sie zum Schwimmen.

Rick fährt irgendwann mit Sarah und Veronique nach Polperro, in das älteste Fischerdorf Cornwalls. Sie gehen durch die engen Gassen des Ortes, die zu eng für Autos sind und sie bewundern die Fachwerkhäuser an den grünen Hängen. Diese sind oftmals windschiefer als Kiefern. Es stinkt nach Teer, Tank und Fisch. An der Mole dümpeln die kleinen bunten Fischkutter.

>>Im Mittelalter wurde hier geschmuggelt und Whisky übers Moor nach London transportiert<<, erzählt Rick. Er fährt mit seinen beiden Frauen an der Küste weiter, entlang der Mount's Bay. Kurz vor Penzanze sehen sie St. Michael's Mount, ein Schloss mitten im Meer. Es ragt zweihundert Meter hoch aus den Wellen.

>>Hier beteten einst Benediktiner. Im 15. Jahrhundert wurde der Berg des Heiligen Michael zu einer Festung ausgebaut<<, liest ihnen Veronique aus "Infos über Cornwall" vor. Nach Mousehole und Land's End kommen sie nach St. Ives, dem Ort, von dem Rick Sarah schon so viel erzählt hat. Dem Ort, an dem die Schmuggler die Piraten, die Fischer die Schmuggler, schließlich die Künstler die Fischer und heute die Touristen die Künstler vertreiben. An einem anderen Tag, fahren sie gemeinsam zu dem kleinen Seebad Bude nahe Tintagel Head, dem Geburtsort von König Arthur. Mit Cheddar-Sandwiches und essigsauren Kartoffelchips wird am Strand der mittägliche Hunger gestillt, bevor man sich am Nachmittag oben im Ort, an der viel befahrenen Hauptstraße, einen Cream Tea genehmigt. Wie so oft an diesen Tagen, sind sie überwältigt vom Ausblick auf den endlosen Atlantik, den Blick zurück gen Nordosten, über das wilde Paradies.

Jeder für sich, freute sich auf der Rückfahrt von diesen Ausflügen auf den Gastgeber und den allabendlichen Smalltalk am Kamin.

>>Mag es auch Hunde und Katzen regnen, mögen Böen über den Strand fegen und alles ins gleiche trostlose Taubengrau getaucht sein: An ihrer seaside fühlen sich Engländer im August so richtig wohl<<, sagte James einmal.

Am ersten Augustwochenende fliegen sie nach Deutschland. James bleibt auf seiner Insel. Er verrät beim Abschied, dass er nun Stoff habe für ein neues Buch. >>Ich werde euch in nächster Zeit sehr vermissen. Gott schütze euch.<<

Das Wochenende, an dem Rick und Veronique Sarah nach Bad Nauheim bringen wird kein ruhiges. Sie treffen sich mit Rosa und Bruno bei den Golds in Frankfurt. Bei er Gelegenheit, lernen sie Rosas Mutter, ihre Brüder, Ursula und Alexander Simon kennen.

Am Montag, dem 7. August besprechen sie gemeinsam mit der Heimleitung in Bad Nauheim, die vorzeitige Auflösung des Arbeitsvertrages zwischen Sarah und dem Träger des Altenheimes. Es wird vereinbart, dass Sarahs Arbeitsvertrag zum Ende des Monats gelöst wird. Einem Umzug nach Holland im September steht nun nichts mehr im Wege. Am Dienstag fliegen Veronique und Rick nach Amsterdam. Sarah wird in den kommenden vier Wochen alle Hände voll zu tun haben mit dem Packen ihrer persönlichen Habe. Veronique's Angebot, zu bleiben um ihr beim packen behilflich zu sein, lehnt sie ab.

Donnerstag, 21. September

Bruns ist an diesem Morgen recht früh in sein Büro gegangen. Er hat die Füße auf den Schreibtisch gelegt und liest die Rundschau. Von der Benzinkrise wird - und das geht seit Wochen so - auf der ersten Seite berichtet.



EU uneinig ... Spritpreis steigt weiter ... Siemens exportiert Plutoniumfabrik: Die rot-grüne Bundesregierung wird offenbar den umstrittenen Export der Hanauer Plutoniumfabrik des Siemens-Konzerns nach Russland genehmigen. >>Dann sind wir das Ding endlich los<<, murmelt Bruno. London: Auf die Zentrale des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 im Zentrum von London ist am späten Mittwochabend ein Anschlag verübt worden. >>War einiges los<<, knurrt Bruno und legt die Zeitung bei Seite, als seine Mitarbeiter in sein Büro kommen. Alexander hat den Türgriff noch in der Hand, als es klopft und Bloch hereinkommt. >>Es ist so weit<<, schnauft er. >>Die Aktion Septemberwind hat begonnen.<<

>>Ja<<, sagt Bruno, >>wurde auch Zeit.<<

>>Was genau geschieht jetzt?<< will Anne wissen.

Bruno sieht Bloch an und der antwortet: >>Ich denke, dass in diesen Minuten Steuerfahnder die Büros von Bank-Security, der Gerätebau GmbH, die Villa von Sandmann und von Gutzeit sowie das Büro von Schröter betreten. Die Behörden in der Schweiz kümmern sich hoffentlich wie versprochen um Otto Hartmann und seine Firma.<<

>>Um Reich in Berlin, kümmert sich ein Oberstaatsanwalt. Auch der hat zugesagt sich an den Zeitplan zu halten, um den Überraschungseffekt zu nutzen. Keiner soll Gelegenheit bekommen, zum Telefon zu greifen, um einen Komplizen zu warnen<<, sagt Bruno.

>>Mit den Steuerfahndern betreten Beamte der jeweiligen Landeskriminalämter die Wohnungen und Büros. Da es sich bei der Firma Bank-Security um ein großes unübersichtliches Areal handelt, riegelt ein Sondereinsatzkommando das Gelände ab. Es soll keine Maus das Gelände verlassen können. So wurde es jedenfalls vereinbart<<, sagt Bloch. Er wird von dem Telefon auf Brunos Schreibtisch unterbrochen. Anne nimmt den Hörer ab, und meldet sich. Sie hört einen Augenblick zu, und reicht den Hörer an Bloch weiter: >>Für sie, ... Probleme bei Bank.<<

>>Was für Probleme?<< fragt Bruno.

>>Da ist eine wilde Schießerei im Gange<<, sagt Anne und grinst.

Bloch lässt sich mit dem Einsatzleiter vor Ort verbinden, und fragt: >>Was'n los?<< Der Einsatzleiter schildert kurz und präzise, was seit ihrem Eintreffen bei Bank geschehen ist. Bloch hört aufmerksam zu. Nach etwa zwei Minuten, gibt er Anne den Hörer zurück und sagt: >>So wie's aussieht, wollte jemand türmen, wurde aber dran gehindert. Das Auto war gepanzert. Der Fahrer hatte wohl vergessen, das Fenster auf der Fahrerseite zu schließen. Er wurde durch das offene Fenster erschossen. Dummerweise, haben Bedienstete der Security zu den Waffen gegriffen und rumgeballert. Es gab Verletzte. Bei dem Toten scheint es sich um Reinders zu handeln. Wir hatten von den Hauptverdächtigen Fotos verteilt.<<

>>Und weiter?<< fragt Bruno.

>>Wenn Ruhe eingekehrt ist, will der Einsatzleiter sich noch mal melden.<<



Sarah und Veronique sahen viele romantische Dörfer an der Nordseeküste, das pulsierende Amsterdam, Tulpenmeere und Polderlandschaften. Sie sahen viel Natur aber auch Kultur. Im September feierte Zeeland seinen Kulturmonat mit viel Musik, Filmen, Theater und Ausstellungen. Rick hatte mit seinen beiden Frauen die Insel Ameland besucht, und ihnen die vier Dörfer Hollum, Ballum, Nes und Buren gezeigt, in denen die Einwohner von Ameland leben. Im Naturgebiet Het Oerd zeigt er ihnen die Blumen dieser Insel, die hohen Dünen und Dünenseen, Groden und Sandflächen.

Das Hinterland erkunden Sarah und Veronique ohne Rick. Hinter dem breiten Dünengürtel, liegen bunte Blumenfelder, malerische alte Städte mit vielen Sehenswürdigkeiten, Boutiquen, Warenhäuser und Märkte. Sie entdecken bei ihren Exkursionen prächtige Poldergebiete mit Seen, Schlössern und Flüssen.

An manchen Tagen haben Sarah und Veronique die Sonne und den Strand genossen. Wenn ihnen die Sonne zu viel geworden war, dann waren sie zu den Sandbänken hinausgelaufen. Während der Strand das bekannteste Element der Küste ist – dort liegt man für gewöhnlich faul in der Sommersonne - sind Sandbänke vielen unbekannt, liegen sie doch meistens unter Wasser.

Am Sonntag waren sie gemeinsam in Bloemendaal aan Zee zum Shoppen gewesen. Landeinwärts nach Zandvoort oder Haarlem waren sie nicht mehr gekommen. Bloemendaal ist in den Niederlanden wegen seiner herrlichen Wohngebiete bekannt. Moderne Bungalows, Villen, Landhäuser und Landgüter vom Beginn des letzten Jahrhunderts verleiten dazu sich hier anzusiedeln. Auch Rick hatte vor langer Zeit mit dem Gedanken gespielt. Seine beiden Frauen gaben ihm zu verstehen, dass er richtig gehandelt habe, als er sich für Bergen aan Zee entschied.

>>Egmond und Alkmaar mit seinem Käsemarkt haben mir besser gefallen<<, hatte Sarah gemeint und Veronique hatte zustimmend genickt. Sarah und Veronique waren oft einer Meinung. Noch nie hatte es Streit gegeben. Rick war bei den Ausflügen der letzten Wochen aufgefallen, dass viele Leute, denen sie begegneten, seinen beiden Frauen bewundernd nachschauten. Das machte ihn richtig stolz.

Egmond aan Zee in der Gemeinde Egmond, die aus Egmond Binnen und Egmond aan de Hoef besteht, ist ein Badeort. In seiner Umgebung lernt man historischen Boden kennen. Im Schloß, von dem heute nur noch die Ruine aan de Hoef zu sehen ist, wohnte einst ein Graf. Der Graf war ein Staatsmann, der auf dem Markt in Brüssel geköpft wurde. Egmond steht in enger Verbindung zu vielen Klosterorden. In der Umgebung stehen drei Kloster, die noch genutzt werden. Hier begann die Christianisierung Europas. Durch seine Lage direkt am Meer besitzt Egmond auch einen Boulevard. In unmittelbarer Nähe liegt die Stadt Alkmaar, bekannt durch seinen Käsemarkt.



Sarah, nun im sechsten Monat schwanger, steht mit Grete in der Küche am Herd. Veronique sitzt an Ricks Schreibtisch am Computer. Rick hat die von ihr bestellten Programme besorgt. Einige der benötigten Programme wurden aus dem Internet heruntergeladen, weil sie kostenlos waren. Veronique erstellt mit Hilfe eines Programmes für Rick eine Homepage. Rick hatte eine Domäne beantragt und auch erhalten.

>>Wenn es dir so gefällt, dann können wir deine ersten Seiten gleich ins Internet stellen<<, sagt Veronique.

>>Mach das mal! Ich schau zu, wie du das bewerkstelligst.<<

>>Das ist ganz einfach, Rick. Soll ich?<<

Rick nickt. Er hatte Veronique schon in Cornwall gebeten, ihn nicht länger Onkel zu nennen, sondern einfach Rick zu sagen.

>>Wichtig ist, dass du weißt, wo die erstellten Seiten auf deinem Computer abgelegt sind. Wir könnten jetzt mit diesem Programm die Seiten veröffentlichen. Das machen wir aber nicht, weil man nicht so recht sehen kann was da geschieht. Wir nehmen dazu ein reines FTP-Programm. Das rufe ich nun auf und suche auf der Festplatte den Ordner, in dem sich deine Seiten befinden. Da sind sie! Wichtig ist, dass die Startseite richtig benannt wird. Das hat das Programm für uns erledigt. Siehst du?<<

>>Ja.<<

>>Nur diese Index-Datei liegt mit all dem Drumherum, den Gif-Dateien, also den Bildern auf der obersten Ebene. Alles Andere liegt in den Ordnern, die ich dir nun zeige. So, ... und jetzt zurück, und Start anklicken. Hier geben wir jetzt deine Webadresse ein, deine „ID“ und dein Kennwort. Und jetzt ab die Post - in dem ich OK anklicke. Da rechts, das ist die Serverseite - wo alles hin soll.<<

>>Ah, ja.<<

>>Jetzt markiere ich auf der linken Seite alles, und klicke den Pfeil an, der nach rechts in Richtung Server zeigt. Jetzt kannst du sehen, wie alles ganz flott auf den Webserver kopiert wird. Wenn das geschehen ist und das ist ... jetzt der Fall, dann holen wir uns den Browser nach vorne. Die Verbindung steht ja noch. Wir geben deine Adresse ein, und schau, da ist sie schon, deine eigene neue Homepage.<<

>>Das war alles?<< fragt Rick verblüfft.

>>Das war alles. Gut, nicht?<<

>>Donnerwetter, könnte ich da jetzt ein ganzes Manuskript hinüberbringen?<<

>>Alles was du willst. Texte, Bilder, Filme. Der Text deines neuen Buches, wird einfach wie eben transportiert. Auf deiner Homesite wird ein Verweis auf das Manuskript erstellt. Diesen Verweis klickt man an. Als nächstes, kann jeder der will, dein Buch Online aber auch Offline lesen.<<

>>Das lassen wir lieber sein. Wir leben schließlich vom Verkauf meiner Bücher, nicht wahr?<<

>>Eben<<, sagt Veronique und lacht.



Bis Mittag, gehen weitere Berichte ein. Aus Düsseldorf wird berichtet, dass Schröter sich nicht in Deutschland aufhält. Bei Gutzeit am Starnberger-See, verläuft alles wie geplant. Gutzeit, sei zwar blass geworden, doch er lasse widerstandslos geschehen, dass man sein Büro leerräume. Bei Franz Habicht, zu dem man einen Steuerfahnder und drei Polizeibeamte geschickt hatte, konnte festgestellt werden, dass er noch über eine Lagerhalle im Hafen verfügte. Dort habe man vorsorglich eine Streifenwagenbesatzung hingeschickt. Erste Untersuchungsergebnisse bei Sandmann und der Bank-Security führten dazu, dass bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt über die Ausstellung von Haftbefehlen beraten wurde. Das würde allerdings seine Zeit dauern, da der zuständige Richter in einer Hauptverhandlung zu einem Mordprozess saß. Marquard in Münster hatte man gar nicht erst zur Arbeit gehen lassen, und in seiner Wohnung Computer und anderes Material beschlagnahmt.

Am späten Nachmittag, so gegen fünf, zieht man in Brunos Büro Bilanz. Oliver Bank, Sandmann, Habicht und Marquard waren verhaftet worden. Die Waffenkammer der Bank-Security hatte das LKA komplett ausgeräumt, und beschlagnahmt. Es waren Waffen gefunden worden, die nicht zur Standardausrüstung einer Security gehörten. Bei den sich im Dienst befindenden Angestellten der Security, wurden die Registriernummern ihrer Waffen festgehalten und die Waffenscheine überprüft.

Bei Sandmann hatte man einen Giftschrank mit interessantem Inhalt gefunden und beschlagnahmt. In einem besonders gesicherten Behälter hatte man Dinoflagellaten gefunden. Einzeller, die das menschliche Nervensystem angreifen und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Das Toxin geht niemals kaputt. Man kann es nicht schmecken und nicht riechen. Ciguatera heißt die Krankheit, die von ihr ausgelöst wird. Der Behälter mit den kleinen Tierchen wurde von der Tropenmedizinischen Abteilung der Uniklinik Heidelberg abgeholt. Der Giftschrank war in die Gerichtsmedizin gebracht worden.

Keine Rückmeldung kam aus Berlin und aus der Schweiz. Orliff, ehemaliger DDR-Agent, heute beim CIC, war von den Amerikanern in die USA ausgeflogen worden. Die Firma MANAMA GmbH, die Platt gehörte, war schon vor Monaten verkauft worden. Ganze Abteilungen der Bank-Security, und der Gerätebau GmbH waren für eine Nacht verschlossen und versiegelt worden.



Am Nachmittag waren sie zu dritt nach Huisduinen gefahren. Dort hatte ein Architekt sein Büro, den Rick aufsuchen wollte. Er hatte sich nun doch dazu entschlossen, sein Haus auszubauen. Auf dem Dach der Doppelgarage soll neuer Wohnraum entstehen.

Huisduinen ist ein altes Fischerdorf mit weiten Dünen- und Waldgebieten. Der Ort hat ein einzigartiges Fort, das von Napoleon gebaut wurde. Im Fort befinden sich Restaurants, Museen und ein Meeresaquarium.

Der Architekt freute sich über den Besuch. Gemeinsam machten sie sich Gedanken darüber, wie das Haus einmal aussehen könnte. Umbaubeginn soll ein halbes Jahr nach der Geburt des Kindes sein. Der Architekt versprach mit einer fertigen Bauzeichnung binnen vier Wochen vorbeizukommen.

Über den Umbau wurde noch gesprochen, als sie am Abend zu Bett gingen. Veronique war schon viel früher mit einem Buch unter dem Arm verschwunden und hatte ihre Abendtoilette längst beendet. Sarah und Rick lieben sich an diesem Abend lange und intensiv.

Montag, 25. September

Sidne Houston ist wieder im Dienst. Nach seinem Lehrgang beim BKA, hatte er seinen Jahresurlaub genommen, und mit seiner Frau die USA bereist. Sie waren zu ihren Wurzeln zurückgekehrt, wenn auch nur für kurze Zeit. Er wird mit Handschlag begrüßt. Danach beginnt sofort eine Lagebesprechung mit Bloch, der nur drei Minuten nach Sidne das Büro von Bruns betritt.

>>Guten Morgen, Anne, meine Herren. Sidne, wir haben uns ja schon gesehen<<, sagt Bloch.

>>Ja.<<

>>Was haben wir bis jetzt auf dem Tisch, Bruno?<< will Bloch wissen.

>>Bei Bank-Security wird noch gesucht. Die Steuerfahnder und einige von uns sind vor Ort. Es wird noch Wochen dauern, bis man mehr sagen kann. Ich denke mal, dass man Bank heute wieder laufen lässt. Es sei denn, man kann ihm eine Straftat nachweisen. Unsere Ballistiker werden ebenfalls Wochen brauchen, um die Handfeuerwaffen und Gewehre zu untersuchen.<< Bruno blättert in den Unterlagen, und fährt dann fort: >>Sandmann wird es schwerer haben, die U-Haft wieder zu verlassen. Er ist nicht nur im Besitz verbotener Substanzen gewesen, er durfte auch den Giftschrank nicht im Haus haben. Sein Terminkalender, und Reiseunterlagen deuten darauf hin, dass er sich zur selben Zeit in Leipzig aufgehalten hat wie der Platt. ... Hat sogar im selben Hotel gewohnt. An Hand der Organentnahmen bei Platt soll nun festgestellt werden, woran er gestorben ist. Er wird wieder ausgegraben. Es wird noch untersucht, ob ein Zusammenhang zu den toten Zeugen, die vor dem Stasiuntersuchungsausschuß des Bundestages aussagen sollten herzustellen ist.<<

>>Was ist mit den Anderen<<, fragt Bloch.

>>Marquard bleibt vorläufig in Haft, wie die Münsteraner mitteilen. Ihm wird unerlaubter Waffenbesitz, Einlagerung von Nazimaterial, Kinderpornografie und Drogenbesitz vorgeworfen. Die Kollegen in Münster brauchen mindestens vierzehn Tage, um den Computer und alles Beschlagnahmte auszuwerten. Wir werden sofort benachrichtigt, wenn eine Verbindung zu Habicht, Gutzeit oder aber andere von uns benannte Personen hergestellt werden kann. Habicht handelt mit gestohlenen Bildern, Ikonen, und lagert Nazimaterial. Eine Untersuchung seiner Lagerhalle im Hafen ist für heute angesetzt. Jetzt zu Reinders, der ja wie bekannt sein dürfte, am Donnerstag erschossen wurde als er flüchten wollte. Ihm wollen wir nachweisen, und wir glauben nicht, dass wir da falsch liegen, dass er Lindner, Heemsroth, Winkelmann und Dr. Mark Mason umgebracht hat. Er wird Helfer gehabt haben, die es noch zu finden gilt. Uns liegen noch keine Ergebnisse aus der Schweiz vor. Wir wissen noch nicht genau, was Schröter mit Hartmann, und Hartmann mit Bank und Reinders zu tun hatte. Was Staatssekretär Reich angeht, auch da muss ich passen. Aus Berlin kam ebenfalls noch kein Bericht. Meine Befürchtung, dass Oliver Bank wieder frei kommt habe ich schon geäußert. Ich werde ihn heute vernehmen. Beide, auch Sandmann sind schon auf dem Weg ins Präsidium.<<



>>Herr Sandmann, so sieht man sich wieder! Sind sie bereit einige Fragen zu beantworten?<< fragt Bruns. Der Anwalt von Sandmann nickt Sandmann aufmunternd zu. Dann nickt auch der. Bruns schaltet das Tonbandgerät ein.

>>Schön, desto eher können sie gehen. Der Oberstaatsanwalt Dr. Lade hat ihnen erklärt, dass sie Frankfurt bis auf weiteres nicht verlassen dürfen. Er kann aber auch in Absprache mit dem Richter veranlassen, dass sie wegen Flucht- oder Verdunklungsgefahr in Haft bleiben. Letzteres erwähne ich nur noch mal für das Protokoll. Selbstverständlich darf auch ihr Anwalt Fragen an sie richten, wenn diese sachdienlich sind. Obwohl ich das Wort Stasi nicht mehr hören mag, glauben wir, dass sie eine Stasiseilschaft anführen.<<

>>Lächerlich, wie kommen sie nur darauf?<<

>>Ich dachte, ich stelle hier die Fragen. ... Sie kennen Dr. Frank?<<

>>Ja.<<

>>Sie kennen Staatssekretär Reich?<<

>>Ja.<<

>>Sie kennen Herrn Gutzeit, wohnhaft am Starnberger-See?<<

>>Ja.<<

>>Sie kennen auch den inhaftierten Oliver Bank?<<

>>Ja.<<

>>Dann kennen sie auch den bei unserem Einsatz am vorigen Donnerstag getöteten Reinders?<<

>>Ja.<<

>>Kannten sie Max van Straaten?<<

>>Nein.<<

>>Den Waffenhändler Schröter?<<

>>Nein.<<

>>Franz Habicht?<<

>>Nein.<<

>>Den Herrn Karl-Georg Platt, den kannten sie aber?<<

>>Ja, ... nein, wie kommen sie darauf? Wer soll das sein?<<

>>Inhaber der MANAMA GmbH. Er ist tot. Sagt ihnen der Name Dr. Mark Mason etwas?<<

>>Nein.<<

>>Kannten sie die Zeugen, die vor dem Untersuchungsausschuß des Bundestages befragt werden sollten?<<

>>Nein, Hergott-noch-mal. Woher sollte ich die kennen.<<

>>Sie kennen sich mit Giften aus?<<

>>Ja.<<

>>Bei ihnen im Keller wurden Dinoflagellaten gefunden. Wozu brauchten sie die?<<

>>Was sind Dinoflagellaten?<< will Sandmanns Anwalt wissen.

>>Wollen sie uns erklären was Dinoflagellaten sind, Herr Sandmann?<<

>> Ich bin doch nicht hier um Vorträge zu halten.<<

>>Dann kläre ich ihren Anwalt auf. ... Dinoflagellaten sind Einzeller, die eine Krankheit herbeiführen. Ciguatera heißt die Krankheit. Der Kranke hat kaum eine Überlebenschance. Er stirbt qualvoll. Richtig, Herr Dr. Sandmann?<<

>>Ja.<<

>>Wozu hatten sie das Toxin im Haus?<< fragt Bruns noch einmal.

>>Für wissenschaftliche Experimente.<<

>>Dinoflagellaten sind kaum abzutöten, das Toxin geht niemals kaputt. Sie können es nicht schmecken und auch nicht riechen, Herr Anwalt. Wollten sie das Trinkwasser in Frankfurt verseuchen, oder was hatten sie vor, Herr Sandmann?<<

>>Sie sind ja verrückt!<<

>> Wir machen eine Pause, wenn sie einverstanden sind?<<

>>Einverstanden<<, antwortet der Anwalt.



>>Wie sieht's aus? fragt Alexander Simon seinen Freund Bruns, als sie sich auf dem Flur vor dem Kaffeeautomaten treffen.

>>Ich weiß nicht, wir hören uns die Bänder gemeinsam an und dann sage ich dir welchen Eindruck ich nach bestimmten Fragen hatte. Als ich ihn nach Platt befragte, da wurde er nervös. Wir machen weiter wie besprochen. Du gehst jetzt zu Sandmann. Der Anwalt ist ganz in Ordnung. Allerdings habe ich auch nicht provoziert. Du kennst mich ja.<<

>>Na, dann will'n wir mal<<, sagt Alexander.

>>Übertreib nicht!<< zwinkert Bruno.



Dr. Alexander Simon setzt sich auf den Stuhl, auf dem vor zehn Minuten Bruno gesessen hat und schaltet das Aufnahmegerät an.

>>Für das Protokoll: Mein Name ist Dr. Alexander Simon. Herr Dr. Sandmann sie kennen mich?<<

>>Ja.<<

>>Wo ist Herr Bruns abgeblieben?<< will der Anwalt wissen.

>>Herr Bruns lässt sich entschuldigen, er wird die nächste halbe Stunde in seinem Büro gebraucht.<<

>>Na, schön.<<

>>Sie hatten Kontakt zu Reich. Woher kennen sie ihn?<<

>>Ich habe ihn zufällig kennen gelernt.<<

>>Bei welcher Gelegenheit?<<

>>Das weiß ich nicht mehr.<<

>>Gut, ich helfe ihnen. Reich wurde von der „Firma“ in das Verteidigungsministerium eingeschleust. Sie kennen sich aus der gemeinsamen Zeit beim Ministerium für Staatssicherheit, richtig?<<

>>Wenn sie meinen?<<

>>Ich werde es ihnen sogar beweisen.<<

Dr. Sandmann wird nun sichtlich unruhig. Alle Farbe ist aus seinem Gesicht gewichen.

>>Sie hatten Kontakt zur Bank-Security. Mit wem hatten sie es zu tun, mit Bank oder Reinders?<<

>>Mit keinem der eben Genannten.<<

>>Sie lügen Herr Dr. Sandmann. Sie hielten Kontakt zu Reinders. Sie haben ihm Mordaufträge erteilt. Morde, die sie selber nicht begehen wollten.<<

>>Das sind schwere Anschuldigungen, die sie da vorbringen<<, sagt der Anwalt. >>Können sie dafür Beweise vorlegen?<<

>>Hier in den Akten, sind Telefonmitschnitte vom CIA, von Europol und von der Mossad. Ich weiß, was sie sagen wollen. Ich kann ihnen die Unterlagen nicht geben, da noch nicht einmal der Staatsanwalt die Unterlagen gesehen hat. Sie können sich ihr Wehklagen sparen, Herr Anwalt. Wir haben keinen Einfluss auf das, was die Dienste treiben. Die Unterlagen gelangten dennoch legal in unseren Besitz.<<

>>Ich protestiere<<, sagt der Anwalt.

>>Tun sie das, aber lassen sie mich die nächste Frage stellen. Herr Dr. Sandmann, IM Harald Bach, dass sind doch sie, nicht wahr?<<

Sandmann antwortet nicht. Er ringt darum, die Fassung nicht zu verlieren.

>>Als der Staatsanwalt Dr. Frank enttarnt wurde, warum hat er da nach ausgerechnet bei Ihnen angerufen? Hat er ihnen vor Monaten mitgeteilt, dass Max van Straaten verhaftet worden war, und haben sie dann den Mordauftrag erteilt, oder war es ein anderer? War es Gutzeit, der den Auftrag gab?<<

>>Gutzeit<<, sagt Dr. Sandmann leise.

>>Können sie das noch einmal wiederholen, aber laut<<, faucht Alexander.

>>Gutzeit <<, schreit Sandmann, >>Gutzeit gab den Auftrag.<<

>>Wer tötete Lindner, Heemsroth und Winkelmann?<<

>>Reinders<<, flüstert Sandmann.

>>Und sie haben Karl-Georg Platt umgebracht.<<

>>Nein, nein, ich hab damit nichts zu tun<<, heult Sandmann.

>>Doch sie waren das. Sie haben so viel Gift und Toxine im Haus gehabt, dass hätte gereicht, die halbe Menschheit auszulöschen.<<

Sandmann macht einen erbärmlichen Eindruck und sieht flehend seinen Anwalt an. Der senkt für einen Augenblick den Kopf und spricht dann Dr. Simon an: >>Ich glaube, mein Mandant ist ziemlich fertig.<<

>>Gut. Wir machen Schluss für heute. Auf Wiedersehen, meine Herren<<, sagt Alexander und schaltet das Tonband ab.



Nebenan trifft Alexander auf Rosa, Bruno, und auf Oberstaatsanwalt Lade. >>Ihr habt zugehört?<<

>>Ja<<, sagt Lade, >>wir werden ihn vorerst wohl wieder gehen lassen müssen. Eure Dino,... Dino-was-weiß-ich-morde sind noch nicht bewiesen, und wegen der Giftschränke in seinem Keller können wir ihn nicht festhalten. Ihr müßt die Morde und die Mordaufträge beweisen, erst dann kann ich ihn anklagen.<<

>>Nur die Ruhe, Alexander. Das bekommen wir schon hin. Die Gerichtsmediziner werden was finden, da bin ich mir sicher<<, sagt Bruno zu Alexander.

>>Was hat die Vernehmung von Oliver Bank gebracht? <<will Alexander wissen.

>>Nichts, was uns für den Moment weiterhilft<<, sagt Bruno.

>>Lasst sie gehen, und ermittelt weiter<<, sagt Lade.

>>Aber, Dr. Lade bedenken sie bitte, dass Sandmann soeben gestanden hat, von den Morden an Lindner und Heemsroth gewusst zu haben. Immerhin ist er ein Mitwisser. Ihm nachzuweisen, dass er die Morde befohlen hat, wird sicher schwer werden. Aber ihn frei zu lassen, ist doch nicht in Ordnung<<, sagt Dr. Simon.

>>Also gut, Herr Dr. Simon, ich rede mit dem Richter. Soll er entscheiden. Zufrieden?<<

>>Ja. Soll ich mir jetzt den Bank vorknöpfen<<, will Alexander von Bruno wissen.

>>Ja, mach das. Das Ergebnis warten wir noch ab. Danach soll die Staatsanwaltschaft, oder der Richter entscheiden, wer wann entlassen wird.<<



Oliver Bank hat ebenfalls einen Rechtsbeistand neben sich sitzen. Man wartet schon. Der Anwalt sagt: >>Können sie die Vernehmung nun endlich abschließen? Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit.<<

>>Es steht ihnen frei zu gehen<<, sagt Dr. Alexander Simon.

Der Anwalt schweigt.

>>Für das Protokoll! Mein Name ist Dr. Alexander Simon. Herr Bank, was wissen sie über die Aktivitäten Reinders?<<

>>Herr Reinders war stiller Teilhaber in meiner Firma. Als ich diese aufgebaut habe, da brauchte ich Geld. Er hat es mir gegeben. In der Firma, hatte ich das alleinige Sagen<<, antwortet Oliver Bank.

>>Wir wissen über Reinders, dass er KGB-Agent und Firmenmitarbeiter war. Was wissen sie darüber?<<

>>Na ja, von seiner Agententätigkeit weiß ich schon. Er hat immer behauptet, dass er sich davon gelöst habe.<<

>>Und sie haben ihm das geglaubt?<<

>>Ja.<<

>>Hatte Reinders Zutritt zu ihrer Waffenkammer?<<

>>Nein.<<

>>Denken sie noch einmal nach. Die sichergestellten Waffen werden von unseren Ballistikern überprüft. Ergebnisse dieser Untersuchungen werden in den Zentralrechner eingegeben. Minuten später haben wir Klarheit darüber, ob einer dieser oder mehrere Waffen bei einem Tötungsdelikt eine Rolle spielten. Das geht heute ganz fix. Wenn festgestellt wird, dass Mason, Lindner, Heemsroth oder irgend ein Anderer mit einer der Waffen aus ihrer Waffenkammer getötet wurde, dann sieht es schlecht aus für sie.<<

>>Also, ich korrigiere meine Aussage dahingehend, dass einer meiner Einsatzleiter mit Reinders befreundet war. Meine Einsatzleiter haben je einen Schlüssel zur Waffenkammer. Über die herausgegebenen Waffen, muss Buch geführt werden. Nach Schichtende, muss ein jeder, der eine Waffe von uns erhalten hat, diese wieder abgeben. Es ist also nicht auszuschließen, dass Reinders mit einer unserer Waffen unterwegs war. Mehr kann ich dazu nicht sagen.<<

>>Wie ist der Name des Einsatzleiters?<<

>>Konrad Friedlich.<<

>>Seine Anschrift?<<

>>Ich weiß nicht genau. Das Personalbüro gibt ihnen die Anschrift.<<

>>Hat Reinders noch mehr Freunde in ihrer Firma?<<

>>Also, das war so: Als ich die Geldeinlage von ihm erhielt, war diese mit einer Bedingung verknüpft. Ich sollte neben Friedlich, zwei weitere Freunde von ihm einstellen. Das habe ich getan.<<

>>Die Namen, Herr Band. Wie lauten die Namen dieser Männer?<<

>>Herr Dr. Simon, ich kann nicht alle Namen meiner Mitarbeiter wissen. So viel ich weiß, wohnten sie bei Reinders.<<

>>Wie sieht es mit den Auslandsaktivitäten ihrer Firma aus?<<

>>Die haben wir, aber selten.<<

>>Wissen sie, ob Reinders in diesem Sommer im Ausland war?<<

>>Ja, der hat Urlaub in der Türkei gemacht.<<

>>Das reicht mir für's Erste, Herr Bank. Sollten sie frei kommen, so halten sie sich bitte zu unserer Verfügung<<, sagt Dr. Simon und erhebt sich.

>>Wie geht es jetzt weiter?<< will der Anwalt wissen.

>>Die Staatsanwalt, oder der zuständige Richter entscheiden über seine Freilassung. Ich kann ihnen nicht mehr sagen<<, antwortet Dr. Simon und verlässt den Raum.



Bruno, der zusammen mit Rosa und dem Oberstaatsanwalt im Nebenzimmer zugehört hatte, trifft im Flur mit Alexander zusammen. Gemeinsam gehen sie in Brunos Büro.

>>Ich habe Anne und Sidne losgeschickt. In einer Stunde wissen wir die Namen der Freunde von Reinders. Den Friedlich sollen sie gleich mitbringen, wenn er in der Security ist. Andernfalls, sollen sie ihn aus seiner Wohnung holen. Ich will ihn hier haben und mit ihm reden.<<

>>Haben wir eigentlich Schlüssel zum Haus von Reinders?<< fragt Alexander.

>>Die Spurensicherung war am Freitag dort, fragen wir mal nach. Mich würde interessieren, was die gefunden haben. Siehst du hier irgendwo einen Bericht von denen rumliegen?<<

>>Nee, ruf doch mal an.<<

>>Mach ich sofort.<<

Alexander schlendert in Sidnes Büro, um nachzusehen ob dort ein Bericht von der Spurensicherung zu finden ist. Er wird nicht fündig.

>>Die haben einen Schlüssel<<, ruft Bruno, >>wollen wir mal hinfahren?<<

>>Wozu, du weißt doch gar nicht, ob die zu Hause sind oder Dienst bei der Security schieben.<<

>>Du hast recht, warten wir auf Anne und Sidne.<<

Das Telefon auf Brunos Schreibtisch klingelt. Bruno nimmt den Hörer ab und meldet sich. Nach einer halben Minute etwa legt er den Hörer wieder auf und sagt: >>Weder Friedlich noch die Freunde von Reinders sind heute zur Arbeit erschienen.<<

>>Haben sie die Namen?<<

>>Ja, Reiher und Sonnerdt.<<

>>Was nun, Großfahndung?<<

>>Nein, wenn sie bis morgen nicht auftauchen, erst dann.<<

>>Dann sind sie vielleicht über alle Berge<<, meint Alexander.

>>Dazu hatten sie seit vorigen Donnerstag die Gelegenheit.<<

>>Stimmt auch wieder.<<

>>Anne und Sidne fahren zur Wohnung von Friedlich. Warten wir ab, ob sie ihn dort finden. Um Reiher und Sonnerdt kümmern wir uns dann eben morgen.<<

Erneut läutet das Telefon. Bruno hebt ab, und lauscht in den Hörer, ohne selbst einen Ton von sich zu geben. Dann legt er den Hörer zurück und sagt: >>Friedlich, ist nicht zu Hause. Anne und Sidne haben die Nachbarn befragt, und die sagen, man habe ihn seit Tagen nicht gesehen.<<

Dr. Simon zuckt die Schultern.

Dienstag, 26. September

Ein Anruf bei der Bank-Security genügt, um zu erfahren, dass Friedlich, Reiher und Sonnerdt wieder nicht zum Dienst erschienen sind. Darüber ist man sehr verärgert, was Bruns verstehen kann.

Bruno sieht seine Mitarbeiter an und sagt: >>Wir versuchen‘s noch mal. Anne und Sidne, ihr fahrt zu Friedlich. Alexander und ich fahren zu Reinders. Ich will mich dort mal umsehen. Wenn wir Glück haben, dann treffen wir Reiher und Sonnerdt dort an. Viel Hoffnung habe ich allerdings nicht. Ich denke eher, dass es sich bei den Dreien um Komplizen von Reinders handelt, und dass die sich verdrückt haben.<<

>>Das denke ich auch<<, sagt Alexander.

>>Was machen wir, wenn wir wieder keinen antreffen?<< fragt Sidne.

>>Dann geht hinein, und durchsucht die Wohnung<<, sagt Bruno.

>>Mit welcher Begründung<<, fragt Sidne.

>>Herrgott, Sidne! Gefahr im Verzug, anonymer Anruf. Irgendetwas wird dir doch einfallen. Komm Alexander, lass uns fahren.<<



>>Das der sich so ein Haus leisten konnte. Hier fehlt es an nichts: Eine riesige Einfahrt, Doppelgarage, und dann dieser Garten. Sieh dir nur den Garten an, Bruno.<<

>>So wohnen sonst nur Industrielle und Bänker.<<

>>Und du<<, sagt Alexander.

>>Ach ja, und ich. Hab ich ganz vergessen. Manchmal sehne ich mich nach meiner früheren Wohnung zurück. Komm, wir gehen mal ums Haus. Hineingehen können wir immer noch.<<

>>Gehörte ihm das Haus eigentlich, oder war es gemietet<<, fragt Alexander.

>>Woher soll ich das wissen. Da fällt mir ein, du bist es doch, der diese Leute mit den verschwundenen Millionen in Verbindung gebracht hat. Wenn dem so ist, dann wird ihm das Anwesen gehören.<<

Bruno und Alexander sind wieder an der Haustüre angelangt. Bruno drückt auf einen Messingklingelknopf.

>>Reinders kann nicht mehr öffnen, er ist tot. Mausetot.<<

>>Witzbold, Reiher oder Sonnerdt könnten doch im Haus sein.<<

>>Glaube ich nicht, unser Siegel ist unbeschädigt.<<

>>Vielleicht kann man durch die Garage ins Haus. Versuchen wir es mal.<<

Eine Minute später sind sie in der Garage. Die ist leer. Spuren deuten darauf hin, dass hier sonst zwei Fahrzeuge abgestellt waren.

>>Sieh mal<<, sagt Alexander.

>>Das Siegel wurde gebrochen.<<

>>Mit einer verdammt scharfen Klinge durchtrennt. Keine Zacken, siehst du. Die Tür ist allerdings verschlossen.<<

>>Gehn wir rein<<, sagt Bruno und nimmt den Schlüssel zur Hand, um aufzuschließen. Seine rechte Hand fährt unter die linke Achsel, und als sie wieder erscheint, liegt seine Dienstwaffe darin. Bruno entsichert die Waffe. Alexander verfährt genauso. Sie sichern sich gegenseitig, und dringen immer weiter in das Haus ein. Sie sehen nicht, wie aus einer Nebenstraße ein Grand Cherokee Laredo 4.0 der Marke Jeep auftaucht, und langsam an ihr Dienstfahrzeug heranfährt. Direkt neben Bruns geparktem Wagen hält das Fahrzeug an. Eine der hinteren Türen des Luxusjeep öffnet sich, und heraus springt ein Mann in schwarzem Leder gekleidet. Den Kopf des Mannes ziert ein Motorradhelm mit heruntergeklapptem dunklen Visier. Dieser Mann öffnet die Beifahrertür von Bruns Wagen, und deponiert unter den vorderen Sitzen je ein kleines Päckchen. Geräuschlos schließt er die Tür wieder und klettert in den Jeep zurück. Ganz langsam entfernt sich der Jeep, um nach etwa einhundert Metern erneut anzuhalten. In dem Jeep, der von außen nicht eingesehen werden kann, wegen der stark getönten Scheiben, sitzen drei Männer. Am Steuer sitzt der gesuchte Friedlich. Er sieht von nun an ständig in den Rückspiegel. Neben ihm sitzt Reiher. Hinten sitzt Sonnerdt, der sich des Motorradhelmes entledigt. Den Helm wirft er hinter sich. Aus einer Reisetasche holt er eine Blackbox hervor. Die Männer in dem Jeep warten geduldig, ohne ein Wort miteinander zu reden. Nach eineinhalb Stunden tauchen Bruns und Dr. Simon auf. Sie werfen noch einen Blick zurück auf das Haus, das sie soeben durchsucht haben, und steigen sich unterhaltend in ihr Auto ein. Der Fahrer des Jeep kann sehen, wie sich das Fahrzeug das er beobachtet anfährt. Er sagt nur ein Wort: >>Jetzt!<<



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